HEINRICH FINKE ■ ACTA ARAGONENSIA BAND 3
HEINRICH FINKE
ACTA ARAGONENSIA
QUELLEN ZUR DEUTSCHEN, ITALIENISCHEN,
FRANZOSISCHEN, SPANISCHEN, ZUR KIRCHEN-
UND KULTURGESCHICHTE
AUS DER DIPLOMATISCHEN KORRESPONDENZ JAYMES II. (1291-1327)
In 3 Banden
RAND 3
Mit 4 Tafeln
Neudruck der Ausgabe Berlin 1922
mit den Nachtragen und Krganzungen aus den
Spanischen Forschungen der Gorresgesellschaft
Reihe 1 Band 4 (1933)
1966
SCIENTIA VERLAG AALEN
Neudruck des dritten Bandes mit freundlicher Genehmigung
des Verlags fiir Recht und Gesellschaft AG., Basel
Neudruck der Nachtrage und Erganzungen mit freundhcher Genehmigung
der Aschendorffschen Verlagsbuchhandlung, Miinster,
und der Gorres-Gesellschaft
Titelnummer 203/03133
Gesamtherstellung: fotokop, Reprografischer Betrieb GmbH
Hilpertstrafie 8. Darmstadt
Printed in Germany
nhalt
BcBnd ■■■.
Seite
Vorwort vil
Zur Einfiihrung xvi
I. Die ^rchive.
1) Die Gescliiclite des Kronarchivs S. XVI. 2) Der Kauzler S. XVI. '6) Racional nnd Tliesanrar S. XIX. 4) DieStellungdesSiegelbewahrersS.XXIV. 5)Auf- nahme fremder Bestandteile ins Krouarchiv S. XXV. 6) Zwei diplomatisch wichtige Stiicke: Die beideu ersten Originalsuppliken; ein eigenhandiger Brief Papst Urbans V. an Pedro IV. S. XXVII. 1) Die Ar- chive in "Mallorca S. XXX. 8) Kulturgeschichtlicher Charakter der Register S. XXXI.
II. Zur Kirchenpolitik der aragonesischen Konige.
1) Konjge uud Papste S. XXXVIII. 2) Besetzuug der Bistiimer S. XLII. .^) Die Bestallung in Sar- dinien S. XLV. 4) Kirchliche Auslanderpolitik S. XLVI. 6) Uebergehung der Katalaueu und Ara- gonesen beim Kardinalat S. XLVIII. 6) Staat und Kirche; Inquisition S. XLVIII. 7) Die Juden S.LIII. 8) Provinzkonzilien S. LIV. 9) Auftreten der ton- surati S. LVI. 10) Ehedispensverfahreu S. LVII.
Quellen
in chronologischer Anorduung 1 — 560
Namensverzeichnis 56i
Nachtrage und Erganzungen aus den Spanischen Forschungen der
Gorresgesellschaft, Reihe I Band 4 ^*^5
Dokumente hierzu (mit 4 Tafeln) 659
Vorwort.
Das Jahr 1907 bedeutet einen Markstein in der kata- lanisch-spanischen Geistesgeschichte. Damals wurde nach langerer Vorbereitung das Institut d'Estudis Catalans auf breitester Grundlage geschaffen. Sein Ziel war die mehr- hundertjahrige glanzende Periode katalanischen Deukens und Arbeitens im Mittelalter zu erforschen und in grosszugigen Publikationen zu behandeln, daneben eine neue Bibliothek als Fundament kommenden wissenschaftlichen Studiums zu griinden. Beides ist dank dem opferwilligen Zusammenarbeiten von Mannern der Wissenschaft, des politischen und des prak- tischen Lebens, vor allem aber dank der begeisterten Mit- arbeit der katalanischen Jugend in selbst fUr Optimisten uberraschendem Masse gelungen. In den prachtigen Raumen des alten Palastes der Diputacion sind nach modernem Systeme die Buchermassen untergebracht und werden von einer star- ken Leserschaft benutzt. Und in den Veroffentlichungen der letzten anderthalb Jahrzehnte stellte sich das Institut unter der tatkraftigen Leituug der aufeinanderfolgenden Prasiden- ten A. Rubio y Lluch und J. Puig y Cadafalch in die vor- dere Reihe der europaischen Publikationsinstitute. Seine Werke und Aufsatze auf dem Gebiete der Geschichte, der Kunst, der Archaologie, des Rechtes und der Sprachwissen- schaft dUrfen in den meisten Fallen als mustergUltig bezeich- net werden. Was bis zum Jahre 1913 erschienen war, habe ich in der „Histori8cheu Zeitschrift" unter dem Titel : „Das AufblUhen der Geschichtswissenschaft in Spanien" Ubersicht-
— VIII —
lich behandelt; dabei habe ich auch die Leistungen des neuen Madrider Forschungsinstituts betont. Die gluckliche Lage Spaniens wahrend der kommenden Jahre des Weltkrieges hat die ungestorte Fortsetzung des Begonnenen ermoglicht. Zahlreiche Bande des Anuari, der Documeuts per la historia de la cultura Catalana mig-eval, der Pintures murals, der Monedes, der Arquitectura Romanica usw. legeu davon Zeug- nis ab.
Kurz nach der Institutsgriindung erschienen die beiden ersten Bande meiner Acta Aragonensia; in ihnen hatte ich unter bestimmten Gesichtspunkten den fast unerschopflichen Stoff der diplomatischen Korrespondenz aus der Zeit des Konigs Jayme II. zu beuutzen versucht. Mit moglichster Ausserachtlassung des rein innerpolitischen Materials, vor allem auch der Beziehungen zwischen Katalonien-Aragon und Ka- stilien, mit starker Betonung des Kircheupolitischen und Kul- turgeschichtlichen war das Werk entstauden. Da'ss hier eine Uberraschende Bereicherung des mittelalterlichen Quellen- materials vorlag, wurde von allen Seiten in Rezensionen und Aufsatzen hervorgehoben. Ich erinnere au die ergebnisreicheii Referate von E. Berger im Journal des Savants 1908, vou A. Rubio mit literarischen Erganzungen im Anuari II, von F. Schneider in der Zeitschrift fiir Sozial- und Wirtschafts- geschichte Bd. 9, von K. Wenck in der Historischen Zeit- schrift Bd. 122, die zu Aufsatzen augewachsen sind. Ja. Theodor v, Heigel wagte in einer der Vollsitzuugeu des internn- tionalen Historikerkongresses zu Berlin (1908) die kiihne Behauptung, dass seit 30 Jahreu keine grossere Bereicherung des mittelalterlichen Quellenstoffes erfolgt sei! Mit der Be- schrankung auf die kulturhistorische Seite dilrfte das richtig sein.
Mehr als ein Dutzend Dissertationen uud Biicher meiner Schiiler haben Teile des wundervollen Stoffes bearbeitet, ohne
— IX —
ihn auch nur in den Hauptpunkten zu erschopfen, Ich wahle aus ihnen folgende aus, die sich im Wesentlichen auf die Acta I und II und diesen dritten Band stUtzen : P. Diep- ^en, Arnald von Villanova als Politiker und Laientheologe ; J. Asal, die Wahl Johanns XXII. ; L. KlUpfel, die aussere Politik Alf onsos III. von Aragonien ; M. van Heuckelum, Spiri- tualistische Stromungen an den Hofen von Aragon und Anjou wahrend der Hohe des Armutsstreites ; F. Heidelberger, Kreuz- zugsversuche um die Weude des 13. Jahrhunderts; A. Gottron, Ramon LuUs Kreuzzugsideen ; H. E. Rohde, Der Kampf um Sizilien in den Jahren 1291—1302; K. Schwarz, Aragonische Hofordnungen im 13. und 14. Jahrhundert; J. Schrader, Isa- bella von Aragonien, Gemahlin Friedrichs des Schonen von Oesterreich; A. Stdrmann, Zur Geschichte des Konigreichs Mallorca ; E. Haberkern, Der Kampf um Sizilien in den Jahren 1302—1337. (Samtlich erschienen in den Abhandlungen zur Mittleren und Neueren Geschichte). Dazu: G. DUrrholder, Die Kreuzzugspolitik unter Papst Johann XXII. (1913); F. Baer, Studien z. Gesch. der Juden im Konigreich Aragonien (1913); Bertha Wehling, Zur Charakteristik der diplomatischen Korre- spondenz Jaymes II. von Aragonien (1913). Fuhrenden Ge- schichtswerken der Zeit Dantes, Bonifaz' VIII. und Philipps des Sch. hat mein Buch willkommene Erganzungen geboten. An eine Ausniitzuug der Register- und CRD Korrespon- denz der 3G Regierungsjahre Jaymes II. hatte ich bei meinen kurzen Ferienreisen nach Spauien nicht denken konnen. So lag nach Vollendung des Werkes der Gedauke einer Revi- sion im Kronarchiv zu Barcelona nahe. Dazu kam, dass ich gewisse archivalische Partien nicht eingesehen hatte oder uoch nicht hatte einsehen konnen. Die datierten Pergaminos, die Urkunden im engeren Sinne, boten zwar im Allgemeinen nicht viel flir meine Sammlung; sie konnte ich Ubergehen. Wohl aber war die Gruppe der Papsturkundeu von Bonifaz VIII.
— X —
bis Johaimes XXII. zu beachteu, die ich doch zunachst der Zeitersparnis halber fast ganz iibergangen hatte. Die Per- gaminos ohne Datum (s. f.), welche im Wesentlichen Brief- korrespondenz enthielten, lernte ich erst nachtraglich kenneu und mauches kostbare Stiick konnte icli daraus entnehmen. Darunter befandeu sich auch die nach Dutzeuden zahlendeu Briefe Friedrichs d. Sch. und seiner Gemahlin, die nun eud- lich die Liicke im aragonesisch-deutschen Brief wechsel ausfiil- len. Weiteren Stoff boten auch fUr Jaymes Zeit die Cartas maltratadas und die Durchsicht der Archivalien Alfonsos IV. und Pedros IV. Aus Zuritas Nachlass im Archivo de la Di- putaciou in Saragossa stellte mir Professor A. Gimeuez Soler eine grossere Reihe Briefe Vidals de Villauova uud anderer Korrespondenten in liberalster Weise zur Verfiigung. Schliess- lich erhoffte ich ueue Beitrage im frisch geordneteu Arcliivo del Patrimonio Real in Barcelona sowie in den mallorcani- schen Archiveji zu Pahna zu finden.
Auf wiederholten Reiseu der Jahre 1908—1912, deueu sich ein Besuch nach dein Kriege anschloss, ist so der dritte Band der Acta Aragonensia entstanden. Wie er sich ausser- lich bescheidener reprasentiert als seine Vorganger, so diirfte auch seiu luhalt uicht so stark Ueberraschendes, wenigstens nicht im friiheren Umfange bieten. Andererseits diirfte doch auch kaum ein Stiick darin zu fiuden sein, das mau im mit- telalterlichen Quellenstoffe entbehreu mdchte. Ich darf auch darauf hinweisen, dass hier die erste bekannte Original- supplik, der erste nachweisbar vou der Hand eines Papstes geschriebene Brief, einer der altesten deutschen Privat- briefe wiedergegeben sind; die erste Aktensammluug eiues kirchlichen Eheprozesses, die wir bis jetz kenueu, musste ich spaterer Veroffentlichung vorbehalten, Einige weuige Nummern, die aus nichtspanischen Archiven mir geboten wurden, die aber in den Rahmen meiner Arbeit hineinpassen,
— XI -
habe icli auf geuommen ; ebenso aus bestimmten, leicht er- kennbaren Griinden einige bereits gedruckte Briefe. Die lange Zwischenpause des Krieges hat es mit sich gebracht, dass schou langst von mir abgeschriebene StUcke, so ein paar Briefe iiber die Kaiserin Konstanze, iiber den Infanten Jayme (von Miret y Sans) und der an Boccacios Schilderungen erinnernde Bericht iiber die Bekanntschaft Jaymes mit der Mutter seines Sohnes Napoleon. mit irrigem Datum, im Bo- letin de la Historia publiziert wurdeu.
In der Einleitung zum ersten Bande habe ich eine kurze Charakteristik der Hauptpersonlichkeiten des aragonesischen Konigshauses versucht; gern wUrde ich sie in diesem Bande in grosserem Umfange auf Grund noch ungedruckteu Ma- terials wieder aufgenommen haben. Dabei hatte ich mich mit der leiseu Kritik meiner Zeichnung Jaymes durch K. Wenck (Hist. Ztschr. 122 S. 94 f.) und mit dem scharfen Verdikte, das der bekannte Historiker A. Gimenez Soler iiber Alfonso ausgesprochen (uno de mas debiles e irresueltos), auseinander- setzen und die Schilderung der glanzenden Gestalt Friedrichs. welche die Arbeiten Rohdes und Haberkern bieten, durch neue Ziige vertiefen kounen. Auch den Infanten Pedro, den vielseitigsten Brautbewerber, Dichter, Staatsmanu uud schliess- lichen Franziskanermonch und die tragischen Gestalten der Infantin Violante sowie der Konigin-Witwe Maria von Mal- lorca wollte ich ansfUhrlicher schildern. Technische GrUnde verboten eine grossere Ausdehnung der Einleitung ; in spaterer Zeithoifeich das hier Weggelassene veroffentlichen zu konnen.
In einer Recension des frUheren Werkes ist auf Mangel in der Wiedergabe des Katalanischen hingewiesen worden; mit Recht, Zu meiner Entschuldigung muss ich anfUliren. dass auf viele Briefe passt, was Berengar de Jorba treuher- zig von den seiuen schreibt: „Herr, wenu die Briefe nicht so gut geschripben uud abgefasst sind, wie es notig ware, so
— XII —
-entschuldigt mich gnadig, weil ich iin Schreiben uoch nicht Meister bin. Und wenn Ihr sie nicht gut lesen konnt, lasst es mich wissen." (1326: Senyor, si les letres no son tan be escrites ne dictades, con siria mester, sia vostra merce que mo perdonets, que del escriure anc no estic am maestre. En- pero si no les sabets ben legir, fets mo saber.) Daun : es ist mir auch begegnet, dass einer der besten Katalanisten mir eine klar lesbare Stelle nicht zu deuten wusste; dazu ver- gesse man uiclit den schlimmeu Zustand des vielfach ver- blassten und zerstorten Papiers. Uebrigens hat mir eine grosse Partie der katalanischen Texte der verstorbeue Archiv- direktor E. Gonzalez Hurtebise ubermittelt ').
Zu dauken habe ich mauchem Freunde in Barcelona und in der Heimat filr gute Winke und allerlei Beihiilfe. F. Valls y Taberner war mir wne friilier F. BofaruU und E. G. Hurte- bise ein stets gefalliger Helfer beim Aufsuchen des Stoffes; bei Lesuug der Druckbogen unterstiitzten mich Dr. Llorens und Dr. Hollnsteiner. Die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, uuter Leitung ihres Prasidenten des Staats- ministers Dr. Schmidt-Ott, ermoglichte mir die letzte Reise und gewiihrte mir wie aucli die Freiburger Wissenschaftliche Gesellsehaft Beihiilfe filr den Druck des Bandes. Dankbar gedenke ich schliesslich auch meines Verlegers Dr. W. Roth- schild, der iu dieser Zeit das Wagnis des Druckes iibernahm. Der Baud ist gewidmet der Madrider Academia de la Historia, die mich 1913 zu ihrem Elireumitgliede arnanute, und dem Audenken des am 15. Xovember 1922 verscliiedeuen Freundes Isidro Bonsoms in Valldemosa. So gern batte ich dem Leben- den das Buch iiberreicht, jetzt kanu ich es nur seinem An- denken in dankbarer Erinneruug weiheu.
'> Den schwierigeu wirtschaftsgeschichtlicli so wichtigeuText Nr.70 gebe ich auch iu deutscher Uebersetzuug.
— xnr —
Da meine Arbeiteu flir das Konsfcanzer Konzil, dessen Druck begonuen hat, den Ausgangspunkt meiner spanischen Forschungen bildeten, so mochte ich zum Schluss den Ver- such einer Ueberbriickung der Lucke von Jayme II. bis zu Ferdinand I. durch Sammeln des Stoffes machen. Die Zeit Alfonsos habe ich in grosaen Ziigen bereits durchgearbeitet, fiir Pedro IV. die Korrespondenz mit Karl IV. und andern deutschen Fiirsten aufgezeichnet ; flir das grosse Schisma, fiir das, Benedikts XIII. wegen, das Kronarchiv ein Hauptpunkt der Forschung seiu muss, hatte mein gefallener SchUler Dr. Hans Rohde schon zu sammeln begonnen. Hoffentlich ist es mir vergonnt, noch einmal in langerm Aufenthalt diesen Stoff zu erganzen und zu verarbeiten und mit einem letzten vierten Bande der Acta Aragonensia in Verbindung mit den Acta concilii Constanciensis meine spanischen Arbeiten, die micb durch drei Jahrzehnte begleitet haben, zu beschliessen.
Freiburg i. Br., 23. November 1922.
Heinrich Finke.
Zur Einfuhrung.
In der Einleitung zum ersten Bande liabe icli ausfiihr- lich iiber das Kronarchiv, die Kanzlei, das Beamtenpersonal, das Gesandtschaftsweseu berichtet und neben den Hauptbrief- empfangem auch in einzelnen Ziigen die hervorragendsten Berichterstatter charakterisiert; in dem Buche von K. Schwarz Uber die aragonesischen Hofordnungen, besonders in den Tei- len iiber den „Canceller" und den „Maestre racional" ist eine Uebersicht der wichtigsten Beamtengruppen, die fiir das Schrifttum in Betracht kommeu, gegeben worden. Eine Fiille neuen Stoffes habe ich seitdem durch die, wenn auch fliich- tige Durchsicht der Register uud der diplomatischen Kor- respondenzeu des gesamten 14. Jahrhunderts gewonnen. Doch geniigt er nicht, um nunmehr eine umfassende Urkundenlehre, oder eiue vollstaudige Geschichte der Kanzlei vorauszuschicken. Das gesammelte Material moge durch ein giitiges Geschick von mir noch erganzt werdeu konnen oder sonst einem Nach- folger als Gruudlage seiuer Forschungen dienen. Was ich friiher aber schou vermutuugsweise ausgesprochen habe, fand ich nunmehr vollauf bestatigt: das diplomatische Material der Nachfolger Jaymes II. entspricht in seiuem Wesen und zum Teil auch in der Fiille uicht melir dem, was seine Zeit ge- boten hat, Auch fiir Rubio ist der geringe Umfang der CRD- Nummern Pedros im Gegensatze zu seinen mehr als tauseud Registern eiu Ratsel. Erst in den Jahren des Konstanzer Konzils steigt der StofP Wieder fiir wenige Jahre zu der friiheren Hohe. Vielleicht wUrde fUr die Baseler Zeit die- selbe Erscheinung zu verzeichnen sein, wenu nicht nach einer archivalischen Notiz des 16. Jahrhunderts die vou Neapel nach
— XVI —
Spanien gesandte diplomatische Korrespondenz Alfonsos V. mit dem Schiff untergegangen ware. Was ich hier biete» sind nur einige besonders kennzeichnende Erganzungen.
I. Die Archive.
1. Ueber die Geschichte des Kronarchivs habe ich frliher einige Notizeu gegeben ; jetzt liegt der von E. Gouzalez Hurtebise kurz vor seinem Tode fertiggestellte Fiihrer vor (Guia historico-descriptiva del Archivo de la corona de Ara- gon en Barcelona, 1920), der in seinem historischen Teile die vom bewahrten Kenner der archivalischen Schatze F. BofaruU beinahe fertig gestellte Archivgeschichte benutzen konnte. Auch hier wird schon augedeutet, dass gerade unter Jayme II. die Centralisation der Archivschatze begonnon hat. Im Band 1285 f. 136 " des Patrimonialarchivs fand ich die Abrechnung Uber verschiedene Bauten im koniglichen Palast vom 8. Mai 1319. Darnach hatte der Konig dem Kammerer Narnau Mes- seger befohlen:
que faessets obrar una casa de volta ... a ell loch, on solia
esser la capeyla sua de palau de Barchinona. En la qual casa
fossen posats e couservats les registres els privilegis els altres
scrits de la sua cancellaria . . . E que sobre aquella casa de
volta fos feta una altra casa ab volta, en la qual fossen con-
servades e estoyades les sues joyes daur e dargent e les
robes e els apparellaments de la sua cambra. E axi metex
ordona, que en les cases de volta, qui son dins la dit palau
seu, on solien esser establits, fo reparada e adobada uua casa
ab II grans finestres ab reyes, ... en la qual casa fossen
estoiats e conservats les comptes e les altres scriptures del
offici del maestre racional de la sua cort.
So entstand also im Jahre 1318 das Gewolbe fiir Re-
gister und Urkunden der Kanzlei, daiiiber das Gewolbe der
Schatzkammer und in einem anderen Teile des Palastes das.
Archiv des Maestro racioual d. h. des Rerhnuugshofes. lu
ersterem sind also aus den verschiedeuen Klostern usw. die
zerstreuten Archivalien zusammeugetragen.
2. Hier herrschte der Kanzler. Wie das Amt, das bis dahin fast nur von untergeordneten Pcrsonlichkeiten geleitet wurde '), sich durch die Erneunuug des Bischofs Raimund vou Valencia hob und seitdem nur iu den Handen von Bischofeu
') Vgl. Ferran de Sagarra, Sigillografia Catalana, 1916, p. 39 ff.
— XVII —
sich befaud, ist friiher betont worden. Das Ansehen stieg unter Alfouso IV. Er iibertragt das Amt dem Erzbischof Petrus vou Saragossa mit der bezeichneuden Begrtindung (Reg. 562 f. 16^) am 25. November 1327:
Cedit nobis ad gloriam nostrique dignitatis fastigia subliman-
tur, dum ad regie domus et tocius puplice rei negocia viros
preclaros eligimus . . . Attendentes, qualiter ipsius cancellarie
officium in curia nostra tenet locum notabilem et officia regia
universa tum infra domum nostram quam extra complectitur,
rem publicam dirigit, ius suum subditis tribuit ac regia iura
nostra conservat, . . . cum presenti carta . . . cancellarie offi-
cium cum omnibus iuribus et pertinenciis suis vobis concedi-
mus et vobis de illo, dum animam duxeritis in humanis,
plenarie providemus . . . cum . . . maiori integritate quam alii,
qui vobis in eo hactenus prefuerunt . . . Auctoritate vestra
possitis ordinare . . . locum tenentem vestrum seu vicecancel-
larium, qui sub et pro vobis officium ipsum regat et etiam
committere omnia sigilla nostra et buUam ac bulle tiparium
illi, quem vobis expedire videbitur . . . Quos quidem vicecan-
cellarium et tenentem buUam . . . possitis ab ipsis officiis
amovere . . . Dann folgt die Festsetzung seiner Einkiinfte.
Und in den Zeiten der geschwachten Papstgewalt soUte
der aragonesische Kanzler papstlicher Legat in allen Landern
des Konigs sein: quod vacaute Romaua ecclesia cancellarius
esset locumtenens pape pro omnibus dictis suis regnis et
terris cum plena potestate ad omnem casum, qui posset oc-
currere. So heisst es in einem Memorial Martins I. vom
Jahre 1402! Anscheinend ist der aragouesische Papst Bene-
dikt Xm. darauf doch nicht eingegangen. Jedenfalls treten
die Kanzler in den Tagen Jaymes IL und seiner Nachfolger
in der ausseren wie inneren Politik stark hervor.
Die Kanzlei hatte einen umfangreichen Menschenapparat zu versorgen. Von ihr bezogen Gehalt und Kleidung nicht blos der Kauzler, Vizekanzler, die Skriptoren und ihre ver- schiedenartigen Anhangsel, sondern auch der konigliche Beicht- vater, die Hofkaplane und die Schiiler der kouiglichen Kapelle, ebenso die zahlreichen Kursoren '). Das erforderte starke
') Cancellaria ipsa seu scribania providere tenetur in quitacione ordin;..a et vistitu cancellario, vicecancellario, scriptoribus et coad- iutoribus scribanie, necnon confessori, capellanis et scolaribus de capella nostra et in provisionibus cursorum, ad quorum supportanda omnia . . . expedit, . . . ut sigillorum nostrorum iura . . . conserventur illesa. (R.
- XVIII —
Summen uiid eine verniinftige Ausbilduiig des ius sigilli d. li. der Urkundentaxe '). So gibt es denn eine grosse Zahl von Verordnuugen, die die Taxe meist erliohen. umandern, er- weitern. Die Herrscher wisseu, dass sie selbst oft durch allerlei Guadenerlasse das Siegelgeld herabgemindert haben und sie suchen sich gegen sich selbst zu schiitzen : Volaimus. statuimus et ordinamus nobisque legem impoiiimus, quod nisi persouis extraneis a nostro dominio et religiosis Mendicanti- bus et aliis personis notabiliter pauperibns remissionem nul- latenus de sigilloruin iuribus faciamus. (So Alfouso IV.)
Der registriejt« Niedersclilag des aragonesischen Finanz- wesens zeigt die Eigentuinlichkeit, dass er auf zwei Archive seit den Tagen Jaynies II. verteilt ist: ein Teil der Register beruht im Kronarchiv, ein anderer grosserer im Archiv des Maestro racional, das nach obiger Notiz gleichzeitig 131 <s mit dem andern gebaut wurde. Letzteres umfasste die Reclmungs- biicher des Racional in vier Reihen: die albarans (Empfangs- bestatiguugen, Quittungen usw., beginnend sehr oft: Atorch a vos . . .), die notaments (kurze Notizeu, oft durchstrichen), die accurriments (Hiilfsbiicher), die manameuts oder citations (Zahlungs- und sonstige Befehle)^); dann die Rechnungen des scriva de racio, des scriva porcionis domus nostre (d. li. des Kouigs). und zahlreichei" auderer Gruppen : der Konigin- nen, der Infanten. besondere BUclier wie Kreuzzugszehnten. Beamtenverzeichnisse. Handelsverzeichnisse, oft von grossteni kulturellen Wert. Dazu kommen auch tlie Einnalime- und Ausgaberegister des Thesaurais. Sie alle zahlen iiach Tau- senden. Sie befinden sich jetzt nach einer langen Periode der Unordnung und Unbenutzbarkeit im Archivo del Real Patrimonio im Palaste der Diputaciou. Dort ist das Archiv des Racional mit dem Archiv der Generalballei Kataloniens vereinigt.
Nicht uninteressant ist, dass es friilier ein besonderes Archiv des Real Patrimonio gegebeu hat. Nach einem libre
557 II f. 128.> Muntaner cap. 225 erzahlt. dass er in Gallii)oii war ca- pita , . . canceller e mestre racional . . . e encara tenia yo lo sagell de la companya. E los escrivans . . . estaven tostemps ab mi.
') Vgl. F. de Sagarra p. 57 ff. Auch Acta I, I.XXXVII ff.
*) Anders imter Pedro IV. Vgl. Schwarz S. 109.
— XIX —
<les albarans de quitacio de la terca vom Jalire 1400 — 1403 erhalt Gabriel Sagara, scriva de manameEt, diputat a tenir e conservar les libres, scriptures e altres coses, qui son en archiu del patrimonio reyal del palau del senyor rey seine Besoldung. Vielleicht ist damit das handschriftliche Sammel- werk vom Jahre 1587 zu verbinden : Liber patrimonii regii, in quo notantur ea, quae Barciuone ex archivo regio et archivis magistri rationalis et balliae generalis extracta sunt ad elucidandum ... in princi])atu Cataloniae . . . regium pa- trimoniuni. Jedenfalls bilden jetzt die beiden erwahuten Archive den Grundstock des Patrimonial-Archivs ').
3. Racional und Thesaurar sind die Hauptpersonlich- keiten des Finanzwesens, um die sich die anderen Beamten gruppieren. Wie im sicilianischen Reiche ist auch in Ara- gonien die Fiuauzkontrolle schon im friiheu 13. Jahrhundert starker als in den nordlichen Laudern ausgebildet. Jayme L ervvog am 1. August 1224 die Einsetzung je eines Templeis in Katalonien und Aragou. die fiir sorgfaltige Regelung der Finanzen Sorge triigen. Sie sollten die compota ab omnibus entgegenuehmen : Nos auteni sibi plenariam dedimus potesta- tem in recipiendis compotis ab omnibus et universis . . . Al- baranos, quos ipse vobiscum fecerit, habebimus tirmos et ratos. (Pergaminos Jayme L Nr. 147. Hier nach Tourtoulon, Jacme 1 le conquerant I, 448). Das ist schon die ganze Tatigkeit des Racioual ohne den Nanien ; aber es ist noch ein Einzelakt einer Vertrauensperson. Racional ersclieint in unsern Doku- inenten zuerst 1284 November 17: Matteus de Terminis fiir die Insel Sizilien und am 9. December 1284 gibt Peter III. Corrado Lancee maiori hostiario uostro ac magistro racionali curie nostre einen Auftrag (Reg. 43 f. 82. Carini, Gli archivi e le biblioteche di Spagna I, 6 ungenau). 1285 Juli 12 wird Petrus de Libiano magister racionalis curie nostre genannt (R. 58 f. 102). Uuter Peters Nachfolger Alfonso notiere ich : Guilelmus Colirati mag. racionalis 1288 Januar 22 (R. 45 f. 47). Daraus folgt wohl, dass das Amt seit der Eroberung
'j Auf die verwickelte Geschichte des Krongutes usw. in Spauieu und die dort uoch viel vorhandenen, oft bedeutenden koniglichen Pa- trimonial-Archive kann ich nicht eingehen. Vgl. Historia juridica del patrimonio real por dou Fernando Cos-Gayon. Madrid 1881.
— XX —
Siziliens erscheint, also aus dem sizilianischen Reiche Uber- nommen ist,
Ob es aber bereits bis auf Jayme II. dauernd vorhanden war? Man konnte es bezweifeln trotz der rascheu zeitlichen Aufeinanderfolge der Nameu. Denn zuweilen erscheinen in den achtziger Jahren Verordnungen, als ob das Amt noch nicht existiere. Sicher ist, dass seit Aufang der neunziger Jahre, wohl seit Ende 1292, der Barceloneser Grosskaufmann A. de Bastida Racional ist und das Amt seitdem dauernd in Namen und Tatigkeit in den Registern sich nachweisen lasst (R. 262 f. 40—47) ').
In deu Registern tritt der Posten des Thesaurars viel starker hervor. Eine feste Ordnung des Amtes und damit auch der Anfang zu dem umfassenden Schriftmaterial dUrfte schon in der Ernennnng des A. de Bastida zum Thesaurar durch Alfonso III. 1289 erfolgt sein. Er soll alle EiukUnfte in Empfang nehmen und soll mit ihnen gemass koniglichem Auftrage zahlen: Teneamini computare quolibet anno nobis- cum vel cum quo nos maudaverimus. Hier wird also ein Racional nicht genannt! Interessant ist der Satz, dass der error calculi seu computi vel error scripture nicht schaden soll. Der Thesaurar darf uichts ohne bestimmte Albarane zahlen, abgesehen von einzelnen Fallen, in denen das Siegel fehlt. Summas receptarum, quas facietis, faciatis scribi in- continenti in registro camere nostre et in registro scribanie nostre. Letzteres scheint kaum durchgefuhrt zu sein (R. 64 f. 155).
Eine weitere Neuordnung erfolgte bald nach dem Re- gierungsantritte Jaymes II. Eine genauore Zeitbestimmung ist wohl nicht moglich. Hier tritt nun auch der magister racionalis auf. Leider ist sein Pflichteukreis nur teilweise aufgezeichnet (Jayme II. s. f. Nr. 215):
Primo, quod omnes recepte, que fient per thesaurarium, cuius- cumque sint condicionis sive ... iu peccunia uumerata, in cambio, mercibus vel aliis, scribantur in qnodam libro, quem teneat ille scrip- tor, quem dominus rex voluerit in cancelleria sua, et fiat hoc singulis diebus.
') Er bleibt aber dabei Grosskaufmann. f. 56 wird ihm die ex- tractio salmarum frumenti XX mill. generalis mensure aus Sizilien gestattet. (1293) Mai 18.
— XXT —
Item si contingerit thesaurarium facere soluciones aliquibus, in quibus ponat eis bestias, bladum, pannos, cambium vel alias res, quod seraper habeat certificare illum scriptorem, ad quam rationem ponit illas res et pro quanto recepit, eo ut possit discerni, quantum est illud lucrum.
Item quod de omnibus assignacionibus, quas faciet, habeat certi- ficare illum scriptorem et cancelleria similiter certificet eum de assig- nationibus, que fient in cancelleria, ut possit sciri, quot assignaciones sunt in unaquaque coUecta.
Item quod scribat singulis diebus kalendarium tam in receptis quam in datis, et si posuerit merces vel alias res preter ciuam peccu- niam numeratam, ponat ibi, ad quam rationem ponit illas res, ut possit certificari cum receptis lucrum, quod dominus rex est ibi facturus.
Similiter de cambio, si cambium receperit aut dederit, semper habeat certificare illum scriptorem, qui tenebit librum in .scribania domini regis ').
Item si contigerit ipsum recipere mutua ad usuram, semper habeat certificare illum scriptorem et scribat diem manuleute, et quantum tenebit [receptum] et (luauta fuerit usura et eciam diem solucionis iii datis et semper iste nianuleute, que fient ad usuram, fiant de conscien- cia domini regis.
Iteni quod reddat computum singulis annis magistro racionali, quia periculuni est tardare computa.
Item quod nunquam coUecta comitatur alicui portario vel alii nisi primo computaverit de aliis coUectis, quas tenuerit et quod hosten- dat albaranum magistri racionalis, et comitentur collecte per cancel- larium, ut est fieri consuetum.
Item quod ponat semper in solucionibus, ([uantum solvat in pec- cunia numerata et qiiantum in pannis, quantum in bestiis et ad cjuam rationem.
Item quod ciuilibet portarius vel collector peccunie teneat semper computare siue reciuisicione cum magistro racionali infra meusem, post- quam collecta fuerit perfecta, alias si in hoc deffecerit, nunquam col- lecta comitatur eidem.
Magister racionalis debet vendere omnes redditus tocius domina- cionis domini regis annis singulis simul cum baiulis generalibus cuius- cumque regni^ et quod recipiant ipsi redditus baiuli cuiuscumque loci et quod faciant soluciones perpetualium violariorum et alioruni, sicut sunt priores tempore, et tiuod teneantur ipsi baiuli coniputare (luolibet anno cum baiulis generalibus, unusquisque in sua regione, et ille baiu- lus generalis teneatur reddere racionem ([uolibet anno magistro racionali.
Similiter faciat unum registrum, in quo scribi faciat in cancellaria
') Es folgt durchstrichen: Item ([uod faciat tres libros thesaurarius: unam scilicet de receptis et datis regni Aragonum, aliud de receptis et datis Catalonie, et aliud de receptis et datis regni Valentini. Die Biicher existieren nicht.
— XXII —
domini regis omnes collectas et exacciones, quas dominus rex faciet in terra sua et in fine cuiuslibet anni eiigat a coUectoribus compUta et compellat eos ad hoc faciendum, si necesse fuerit.
Sehr stark tritt hier die naturalwirtschaftliche Beschaf- tigung des Thesaurars hervor: Tiere, Getreide, Tuche werden vor der Geldtatigkeit genannt. Wie umfangreich die Arbeit des Thesaurars war, beleuchtet klar ein einziges Schreiben des TliBsaurars P. Marci an den Konig (CRD 11538, wohl vom 16. Mai 1308): Der Konjg habe ihn beauftragt, die seit 6 Jahren vorgekommenen Alexandrien-Falle geldlich zu be- strafeu ; das bringe kaum 10000 sol. ein. Aus den bei den Johannitern liegenden Registern habe ihm aber der Schreiber P. Lobet nachgewiesen, dass schon Jayme I. das Ausfuhr- verbot nach Alexandrien erlassen habe; also alle frllheren Falle solle man lieranziehen. Heimlich habe er bereits dem Konige berichtet, dass der verstorbene P. Mari — frtiher als Gesandter an Friedrich nachweisbar — verboteue Waren nach Alexandrien gesandt habe; seine Verwaudten hatten es mit der Bemerkung zugestanden, dass man ihnen nichts anhaben konne, da sie 100 sol, erlegt hatten. Aber die Hofrichter hatten ihm erklart, dass sie dadurch vielleicht von kirchlichen Strafen frei seien, nicht aber straflos wegen der Uebertretung des kdniglichen Verbotes. Da sei Prlifung notig. Weiter schildert er seine Abmachung mit R. (ja Torre, der KUrasse nach Alexandrien gebracht : Slihne 6000 sol. Darliber mlisse der Siegelbewahrer B. de Averso die Urkunden ausstellen. Ferner Vereinbarung mit einem Judeii wegeu Betruges auf 1600 sol.; der Urkunden-Entwurf wird gleich beigelegt mit der Bitte um die Reinschrift. Bort de Miraylles beschlag- nahjnte bei Muutblanch zwei Ballen koniglichen Tuches als EntschadigUDg fiir ein Pferd, das er dem Konige zur Sizilien- fahrt (10 Jahre vorher!) gestellt und nicht bezahlt erhalten habe. Er verlangt fUr RUckgabe 1200 sol. Aber der The- saurar liess laut erklareu : Niemals ! Denn sonst machen alle Glaubiger des Konigs es ebenso. (Car si era sabut, tots los altres comengarien de penyorar). Auf Umwegen wird er Bort befriedigen. Heute forderte der Generalprokurator des Ge- bietes von R. Folch Zahlung der Sizilien-Schulden ; Verein- barung. Zahlreiche Richshomens verlangten Zahlung der auf
— xxm —
dem Parlament in Muntblanch zugesagten Summen : Zusiche- rung: E siats cert, que, si nos fa, que ells penyorarau. Zum GlUck kam heute gute Nachricht aus der Provence, wonach bald grossere Smnmen (aus den Zusagen Karls II. ?) kommen werden. Galceran de Anglarola fordert 6000 sol. „Ihr wisst wohl, Herr, dass ich es nicht kann. Ihr habt wohl vergessen, dass ich am Abend beim Abschiede von Euch nur 1200 sol. hatte, und ich habe Dalmau de Castelnou, Gilbert de Cen- telles, B. Boyl u. a. in Eurem Auftrage bezahlt, und habe 40000 sol. von meinen Freunden geliehen." Die Tornosen aus der Provence teilte er zwischen dem Abte von S. Creus und den Minoriten. Er bittet um Gotteswillen ihm keine Glaubiger mehr zuzuweisen; auch die Banken woUen nicht mehr leihen. Nur deu tibelsten Schreier Galceran will er befriedigeu.
Das ist die Arbeit eines Berichtes, ja eines Tages! Dazu dann die Dutzende von Urkunden der Kanzlei, die hieraus erwachsen. Wie erwahnt, liegt der Niederschlag der finan- ziellen Operatiouen im Kronarchiv und im Patrimonialarchiv. In ersterem ist es die stattliche Reihe der Thesaurarie-Register, die fiir eineu kurzen Zeitraum, meist einen Monat, abgeschlos- senen Cuentas (deren Zusammenfassung im andern Archiv), und die Solutionen-Register. Die beiden Registerreihen be- ginnen mit dem Jahre 1301 (Reg. 268 und 294). Die ersteren enthalteu die direkten Auftrage an den Thesaurar zu aller- hand Zahlungen ') aus seiner Kasse, die Solutionen enthalten Zahlungsanweisungen an die verschiedensten Beamtengrup- pen ^) fiir Sachen des Hofes, viele Anweisungen an den Ma-
') Beispiele Reg. 294: Fr. Martiniis de Aranda, Begleiter des Mar- tinus de Atheca, pro emendis libris 100 sol. — Cuni dil. clericus noster P. Sancii novam missam uabeat celebrare et sibi vestes competentes duxerimus concedendas; soll 7 Ellen Yprer Tuch und eine penna alba kaufen. — Exsolvatis mag. Ermengaudo phisicho d. Blanclie regine 1000 sol. de sua provisione. — Die Amme des Infanten Jayme erhielt pro uutriendo et lactando eine Rente aus einem Orte ; da diese nicht gezahlt, sollen fiir dieses Jahr ihr 500 sol. aus der pecunia curie gezahlt werden. — Thesaurar erhalt 4000 sol. in auxilium maritandi seiner Tochter; 200 sol. muss er als ius sigilli zahlen.
') Reg. 268 f. 152 der stellvertretende Reboster und Kammerer hatte fur Ausgaben und Eiunahmen der Kammer und des Rebost von
— XXIV —
gister racionalis die compota in Empfang zu nehmen sowie Bestatigung dieser Rechnungsabnahmen. Ich habe nun ver- sucht fUr bestimmte Zeitraume die Uebereiustimmuug der drei Gruppen nachzuweisen (z. B. flir das Jahr 1301 und 1310); sie ist aber nicht fUr einen Monat oder ein Jahr, sondern iiur fUr grossere Zeitraume zu erzielen. Die Thesaurarie-Anwei- sungen erscheinen fUr einen kurzen Zeitraum viel grosser als die Cuentas. Oft sind die Anweisungen erst im Jahre darauf oder noch spater ausgezahlt, das besagt die Formel: Quam- vis iuxta tenorem littere uostre vobis directe super solvendis usw. Das sei uicht geschehen: Solvatis in continenti . . . Oefter erfolgen auch Abschlagszahlungen. Nur langeres Studium konnte hier zu sicheren Ergebnissen kommen *).
4. Auf die hervorragende Stellung des Siegelbewahrers habe icli bei der Personlichkeit des Bernardus de Aversone hingewiesen. Aus einer Sammlung von vielleicht 100 kleinen Zetteln unter den Materialien Pedros IV., die fast alle an den zu Alfonsos IV. und Pedros Zeiten bedeutenden Siegel- bewahrer Egidius Petri de Buysan gerichtet sind, ersieht man die centrale Stellung dieses Kanzleibeamten. Ihm wird alles die Kanzlei Interessierende gemeldet, wann eiuer vom ius sigilli befreit ist (non tenetur solvere, pro eo quia est scriptor regis), wann eiuer correu de casa wird (wegen der Besoldung), bei Ernennung zmn scriptor, die Besoldung einer grossen Anzahl von Beamten, auch solcher, die nicht von der Curia bezahlt werden, wann der Konig jemanden zu seiuem con- seyller ernannt. Oder: Domine Egidi! Mitatis michi duas manus paperi, quibus indigeo de fiendis scripturis iu remis-
1291—1298 Einnahmen 1B4951 sol. Barch. und 1:^4079 sol. Jacc. E es cert encara, que vos non avets ami liurades cartes ne alberans de ne- guna de les dates per vos fetes, perco cor dehits, que en aciuel tenips no era custumada cosa de pendre cartes ne alberans de dates, messions ne pages, (^uis feesen eu la cambra del s. rey. Man sieht hier auch wieder, dass das Jahr 1301 ein Markstein in der Geschichte des Kanzlei- wesens ist.
') Die fast ununterbrochene Reihe der libros de tesoreria im Pa- trimonial-Archiv beginnt 1302 am 26. Marz mit dem libre, [en] lo qual son escrites les reebudes e les [dates] des Thesaurars Pere Boyl. Deii 1. Band, die Zeit von 1302—4 uinfasseud, veroffentlichte 1911 E. G. Hurtebise.
- XXV —
sione fienda inclito Ja. de Maioricis. Et fient III caterni et est longa scriptura. Vicecancellarius. Bezeichnend fUr die Sorgfalt, mit der das Siegel behandelt wurde, ist ein langeres Schreiben seines Stellvertreters, wonach das vom Konig ver- langte Siegel nach Beratschlagung mit der Konigin in fol- gender Weise geschickt werde: quod dictum sigillum deferret sigillatum thesaurarius, qui recedet die lune una cum vene- rabili Ferrario de Caneto atque tradidi illud . . . sub forma in dicta littera regia expressa. Vielleicht gibt folgendes Briefchen Aufklaruug fur die Anhaufung von zahlreichen Rein.schriften ohne Besiegelung. die im Kronarchiv zu Hun- derten neben den Registereintragen liegeu :
Dompno Egidio Petri. Cum d. rex ordinaverit uoviter et manda- verit, quod litere graciarum mandate per consiliarios, cum fuerint ordinate et grossate, per scriptores mandatoruni eis legantur et cum eorum sigillis clause vicecancellario mitantur, et ([uod scriptores iu mandato scriberent: Maudato regio facto per talem. cui fuit lecta et eius sigillo clausa, maudetis omnibus scriptoribus curie, (luod amodo dictam ordinacionem servent per omnia inconcusse. Ex parte vice- cancellarii.
Die kouiglichen Rate sandten solche Papiei-Reinschriften, von denen dann die Ausfertiguug des Perganient-Oiiginals und die Eintragung in die Register erfolgten.
5. Das Kronaichiv gleicht in etwa deui Vatikanisclien Archiv durch die Aufnahme fremder Bestandteile. Ich meine damit nicht so sehr die Bruchstlicke literarischer Art, die unter die Dokumente geraten sind, Gedichte, theologische Erorterungen und Gebete, gute Ratschliige, obwohl manclies kostliche darunter zu verzeichnen ware, als vor alleni zwei Gruppen von Schriftstiicken : dieBriefe, welche die Kanz- leibeamten unter einander gewechselt haben, und die D<»- kumente. welche von frenulen HeiTscliern oder Privaten den Konigen iibermittelt wurden, da sie ihi- Interesse daran vor- aussetzten. Von G. de Solanis, deni Vorganger Bei'nards de Averso, von diesem selbst und seinen Nachfolgern sind mehr als liundert vorhanden, so dass sich vei-niutlich die Anzahl derartiger Korresjiondenzen auf viele Hunderte belauft. Ge- wiss werden in ihneu auch Staatssaclien behandelt, aber auch viel Privates erortert, liausliches Leben geschildert, die Nieder- kunft der Verwandten erwahnt, ('harakteristiken subjektiv-
— XXVI —
ster, oft bissigster Art gegeben. So vom einflussreichen Clemens de Salaviridi, von dessen schonschreibender Hand so manches Register Zeugnis ablegt: Ille maledictus luppus rapax Clemens de Salaviridi, qui totum orbem subiugabit. Und der beschwert sich wieder liber den Bonanat Capera^ der bei der Sardinienverteilung ihm soviel zugesagt hat und nichts halt : Quant a ago . . . queus mana^a, queus metria en la preso, . . . vos per mana^es nous deviets lexar abatre. Ver- trauen ! E jo amava mes un oceller el puny, que una gruua en lo cel (s. f. 497 und 1545). Auch dem Herrscher gegen- iiber nehmen diese Herren keiu Blatt vor deu Mund. Davou zeugen manche Stellen in den ersten Banden, aber auch in dem vorliegenden. Bonauat Capera wagt Alfonso IV. zu sageu : „Es scheint mir, dass Ihr mich so und alle andern anders behandelt" (E par me, que en mi tenits una manera et en tots los dessusdits altra ; e don men gran maravella). Oder er driingt: „Sagt mir, bitte, nicht nein, Herr, denn Ihr konnt es gewiss". (Placia a vos, senyor, que dago nom digats de no, que fer o podets per cert). CRD Alfonso 3548, Judios 407. Und so (if ter ! Auffallig ist in anderen Stiicken der fromme Ton. Die zweite Gruppe umfasst zahlreiche politische Akten- stUcke fremder Herrscher, besonders von der Kurie. So schickt Clemeus V. die Berichte iiber die Kanipfe um Ferrara an Jayme, so des Konigs eigene und fremde Gesandte bekannte und unbekannte, zum Teil sehr wichtige Stiicke iiber Hein- richs VII. und Ludwigs d. B. Beziehungen zur Kurie, so kommen in die Acta eine Anzahl hochst interessanter Privat- berichte. Besonders eifrig ist darin der Gesandte Friedrichs. ZuWeilen sendet der Kdnig die Stiicke weiter; vgl. z. B. Reg. 250 f. 45 iiberschickt Jayme kurz vor seinem Tode (1327) dem Infanten Peter einen Brief der Romer an den Papst, den ich bisher nicht gefunden habe : Per aliquos de curia missum est nobis transsumptum cuiusdam littere domino summo pontifici per Romanos destinate, cuius formam vobis mittimus hic inclusam, in qua multa perpendere poteritis et videre. So stiess ich denu auch auf ein merkwiirdiges hoch- trabendes Stiick, das an den Papst gerichtet ist und iu dem der Schreiber den „comissum per eundem Romanum populum ... pacis et iusticie tribunatum" erwahnt; das an einen Kar-
— XXVII —
dinal iu Abschiift gesaudte und vou diesem nach Barcelona weiter geleitete Dokument ist der Brief Cola di Rienzos vom 8. Juli 1347, den Burdach im II. Bande, 3. Teil, S. 41 ff. nach audern Abschrifteu gedruckt hat. Hierhin gehOren auch einige Kaiserurkunden Friedrichs II., so das Translatum testamenti von Fiorentiuo (1350), so (im Apparat Jaymes I.), ein Bruch- stlick der Schenkuug des Casale Bulfide situm in tenimento Lentini durch Friedrich II. an seinen Notar mag. Albertus de Cathania vom August 1233, so eine Schenkuug der Kaiserin Konstanze, Gemahlin Friedrichs, und ihres Sohnes Heinrich an die Kirche von Catauia auf Bitten ihres Kanzlers, de» Bischofs Walter von Catania (1213/4 Marz). In der Kardi- nalsfassung vom 4. Juli 1265 liegt die forma donacionis regi Sicilie tacta regi Karulo veteri aus dem Ende des 13. Jahr^ hunderts vor.
6. Zwei diplomatisch wichtige StUcke lasse ich zum Schlusse folgen. Das eiue bringt die beiden ersten erhaltenen Originalsuppliken Jaymes II. mit eigenhandigen Eintragungen Clemens V. und seines Referendars:
1) Supplicat sanctitati vestre rex Aragonum, quatenus placeat sancti- tati vestre sibi concedere deciinam reddituum omnium ecclesiasticarum et religiosarum personarum tam exemptarum quam non exemptarum reg- norum et terraruni suarum usque ad quatuor annos. Et si forte bene- placitum foret sanctitatis vestre, quod Templarii et Hospitalarii non intelligerentur in dacione decime supradicte, supplicat rex prefatus sibi concedi, ut quolibet anno dictorum quatuor annorum Templarii et Hospitalarii dictorum regnorum et terrarum exhibeant et tribuant dicto regi tantas pecunie quantitates, quante sunt responssiones, quas ex- hibent suis maioribus annuatim de eo, quod eis residuum fuerit, solutis responsionibus supradictis. Fiat exceptis Templariis a), Hospi- talariis, de Calatraua et Spata, ita quod due partes expen- dantur in acquisicione regnorum Sardinie et Scorsice vel alias de ordinacione nostra contra infideles et tercia parg sit regis pro expensis factis in veniendo ad nos.
Item supplicat sibi provideri de decem millibus libris Barchinonen- sibus quolibet anno predictorum quatuor, quas sibi deputandarum per- sonarum a sanctitate vestra taxatione et ordinatioue gentes seu vassalli ecclesiasticarum et reUgiosarum persouarum regnorum et terrarum pre- dictarum dicto regi exhibere et tradere teneantur.
2) Item supplicat, quatenus alicui vel aliquibus prelatis terre sue
a) exemptis durchstrichen statt Templ., dann: de Calatraua et Spata oben rait Verweisungszeichen.
— XXVIII —
dare dignemini in mandatis, ut illos, qui contra interdictum iuris et sedis apostolice iverunt cum mercimoniis suis et alienis in Alexandriam vel alias partes terre Egipti, et illos etiam, qui miserunt raerces vel alias res ad dictas partes prohibitas, valeant absoivere, dando de hiis. que miserunt vel lucrati fuerunt ex rebus predictis, masculos quartam partem et feminas quintam. Et quod iile vel illi, ([uibus mandatum fuerit, teneantur tradere et dare dicto regi Aragonum quantitates, quas recipient ex causa predicta. Fiat.
Item supplicat, quatenus concedere dignemini confessori suo, quod possit eum auctoritate vestra absolvere a sentencia vel sentenciis ex- comniunicacionum, si quas incurrit ex causa aliqua, et audire confes- sionem eius super quibuscunque peccatis per eum comissis et auctori- tate vestra eundem absolvere a predictis, etiam si casus forent, qui essent sedi apostolice reservati. Fiat.
Item placeat sanctitati vestre, quod fiat privilegium domine regine de audiendo divina tempore generalis interdicti, sicut habet dictus rex, Fiat.
Item supplicat, quod vos dignemini admitere aliquas peticiones, quas pro subditis suis offeret.
Iteni supplicat, quod, cum aliqui prelati terre sue habeant castra et loca alia maxime in montanis a) non multum ecclesiis utilia nec eis obediencia, ut debent »), placeat sanctitati vestre concedere, quod ad arbitrium alicuius prelati possint facere pennutacionem cum domino rege, ita quod rex teneatur eis dare equivalencia in redditibus. Trac- tetur composicio et ad requisitionem regis et prelatorum nos in approbando invenient graciosos.
Item quod fiat littera revocacionis vendicionis meri imperii Onde, Gallure et de Auinione, cum fuerit ibi deceptum ultra dimidiam iusti precii non obstante iure. Fiat.
R. Ban. G. R.
II. Supplicat s. V. rex Aragonum, quatenus specialem sibi graciam facientes dispensare dignemini, quod due filie sue possint matrimonia- liter coniungi cum hiis, qui ab eis distant vel a quibus ipse distant tercio consanguineitatis vel affinitatis gradu. Fiat. R. Ban. G. R. card.
Die Zeit der uinfangTeichereu Supplik lasst sich geuau bestiininen. Die Erwahnung des noch existiereuden Templer- ordens und der Erwerbung Sardinieu gibt uns die beideu Endpunkte: 1297. da Bouifaz VIII. dem Konige Sardinien und Coisica schenkte, und 1307, in dem die Templerkata- strophe beginnt. In diesem Zeitraume denkt man zunachst an Bonifaz VIII, und seine Zehntverleihuugen ; auch die Reise zum Papste im Jahre 1298 passt gut dahin. Tatsachlich ist
a) Mit Abkilrzuugsstrich.
— XXIX —
es aber Cleinens V. und die Supplik falit iu die Zeit zwischen dem 7. October 1305, dem Tage, an dem Jayme beim Papst war (unten S. 139) und dem 17. October, an welchem schon die Urkunden fUr die mit 1, 2, 3 in der Supplik bezeichneten Bitten ausgestellt werden. Die wortliche Uebereinstimmung der Aeusserung des Papstes in der Supplik unter 1 mit Nr. 225 im Reg. Clementis V. Bd. I und die inhaltliche vou 2 und S mit den Nummern 223 und 224 lassen dariiber gar keinen Zweifel. Dazu passt nun auch der Recipe-Vermerk am Schluss. Er besagt: R(ecipe) Ban. (Name des Abbreviators) G(uilelmus) R(uffati), den E. Goller als Referendar Clemens V. nach dem Katalog Garampis als G. Aufati kennt. Tatsachlich ist es der genannte Nepote, der auch zuweilen in deu Quellen als G. Arrufati vorkommt. Am 15. Deceraber 1305 wird er Kar- dinal und als solcher hat er den R(ecipe)-Vermerk in der II. Supplik geschrieben, deren Genehmigung also nach dieser Zeit fallt. Beide Suppliken sind jetzt, vielleicht schon gleich- zeitig^ durch Seidenfaden mit einander verbunden ').
Wissenschaftlich weniger wichtig, menschlich sehr an- sprechend, ist der eigenhandige Brief, den Urban V. an Pe- dro IV. vor seiner RUckkehr nach Avignon, also am 29. April (1370), gesandt hat.
Urbanus etc. carissimo in Christo filio Petro regni Aragonum illustri saiutem. Serenissime princeps ! Ex certis causis disposui trans- ferre Romanam curiam Aninionem, ad quam translationem super alios reges et principes tua celssitudo adiutorium opportunum prestare pot- est. Et ad eandem celssitudinem reccurro conffidenter sperans, quod in tanto negocio non defficias michi a). Per hoc enim honorabitur domus tua ac regnum tuum et regnicole multa commoda consequentur. De numero galearum pro dicta translacione facienda et termino reces- sus dicent tue celssitudini dilecti filii Petrus Rubei scriptor in peni- tencia nostra et Remirotus Sancii familiaris meus et serviens armorum,
a) Vorher m mit 2 Strichen daruber durchstrichen.
') Vgl. zum Ganzen E. Goller, Repertorium Germanicum I S. 75*; E. Goller in Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven; Eubel, Hierarchia catholica unter 1. Promotion Clemens' V. Erwahnt werden die Stiicke von H. Bresslau, Handbuch der Urkundenlehre IP, 12.— Auf die Aehnlichkeit der aragonesischen Konigs-Suppliken mit den papst- lichen sei wenigstens hingewiesen. Supplicat regie maiestati begegnet uns schon Ende des 13. Jahrhunderts. Auch manche Register-Aehnlich- keiten zeigen sich wie z. B. similes facte sunt.
— XXX —
exhibitores preseucium. ((uibus digiietur tua cleuiencia titlem iudubiaui adhibere. Datiim et propria mauu scrii)tum in Mouteflescone a) die penultima Aprilis.
Diesei- (Pedro .s. f. 214) uud der folgeude gleichfalls von Urbaii eigenhandig- aas Avignou geschriebene Dankesbrief habeu iu ihrer gauzen Schreibweise, vor alleni in der An- w^eudung des Singular — iin zweiten heisst es: quas tua celssitudo liabet ad me, in den Korrektureu und Fehlern, besonders ini zweiteu, etwas aus deui Rahnien uuserer Papst- diploinatik herausfallendes. Bisher ist mir keiu frilherer eigeuhaudiger Brief bekanut geworden ; aucli L. Schmitz- Kallenbeig kennt keiuen. Tn der Papstdipk)matik beschrankte sich die persOnliche Teilnahme des Papstes iui dei' Urkundeu- sclirift bisher auf einige Stellen in deu feierlicheu Pi-ivilegien und auf die Hiuzufiiguugen bei den Supplikeu. Ob vou der Haud der Papste geschriebene Origiualtraktate bis zu dieser Zeit vorliegeu, ist mir unbekauut 'i.
7. Die Archive iu Mallorca. Wem bekauut war, dass die Hoforduungen des ceremoniellsteu aragouesischeu Konigs eine Ueberarbeitung der ordiuaciones Jacobi II. von Mallorca vom J. 1336 sind und dass iu letztereu selir viel ilber Archiv- wesen, Kauzler uud Kanzleibeamte enthalteu ist, durfte vou einem Besuche der Archive in Palma sehr viel erwarten. Tatsachlich enttauscht das Material ini Archivo der casa consistorial wie iui Aj'chivo del real patrimouio des Konigs- palastes vollstiiudig. Was iu beideu vorhaudeu ist, selbst weun es nur eineu Teil des ehemaligeu Gauzeu bildet, zeigt nichts Eigeuartiges iu di})]omatiscliei' Hiusicht; iu der gerin- geu Ordnuug uud in den geriugeu Kauzleiveruierkeu steht es weit hinter den Archiveu iu Barcelona zuriick '^} Man steht bei der glauzeudeu Hofordnuug iu gewissem Sinne eiuem Ratsel gegeniiber. Von dein reiclieu Beamteuapparat der Hoforduungen erscheineu nach 1300 uur wenige: der locum tenens des iu Per})iguaii residiereudeu Herrschers, z. B.
a) Oder fliscone?
') Hiiigewiesen sei noch auf 4 Briefe Clemeus VII. (unter Pedro s. f.) an Kimig und Konigin mit: Clemens etc. Carissime in Cl)risto filio! und am Schlusse: Datum Auinione sub aiiulo nostro secreto.
') Eine ueue Arbeit iiber die mallorcauische Kanzlei habe ich nocli nicht einsehen konnen.
— XXXI —
retrus de Fonoleto, Berengarius de Calderiis, ein Stellver- tretei' Mironus de Palacio, Dalniacius de Garriga; die Kanz- ler Raymundus Guilebni sacrista Elnensis, Petrus de Viri- dario, archidiaconus Maioricensis 1327 u. a., Jacobus de Mora Majordonius. verschiedene Scl)reiber und in den zwanziger Jahren besonders einflussreich der Thesaurar Nicolaus de s. Justo.
Ini Archiv der casa consistorial liegen zwei Register- kopien (1229—1330 und 1291 — 1373), dann 10 Originalregister bis zuni Verluste der Selbstandigkeit. Die von niir nicht beachtete Fortsetzung bis 1500 zahlt ini Ganzen 80 Bande. Danel)en gibt es drei Serien niehr provinziellen Charakters.
Aus deni ersten Originalbaude verzeichne ich :
f. 7 lier. de Calderiis an Guilelnnis Michelis civis Maioricensis. Cuni Maria uxor vestra coram d. d. rege proposuerit, (juod vos eundo in galea Raimundi Muntanerii fuistis captus per fratrem Rotgerium de Bruudusio in partibus Sicilie, ((ui captmn et invitum vos duxit iu armata sua tempore, ([uo venit in partibus et maribus regni Maiorica- rum, ubi damjjna gentibus d. regis intulit . . 2;». Miirz 1302. R. Mun- taner ist der beriihmte Geschichtsschreil>er und R. de Brundusio der beriichtigte Templerrene^at I
Band H f. H ". K. San.vo gestattet auf Bitten des .Tohannes Bur- gundi, da sein Bruder Jacobus de uxoris qitondam sue niorte delatus — sie war in camera suspensa gefunden — citatus super hoc non com- paruit und so alle seine Giiter verloren, dass, falls seine Mutter vor Jakob stirbt, er non ut sacrista set ut Johannes Burgundi erben kann.
Ausserdein ein liber privilegiorum, geschrieben 1334, mit einem Bilde des Konigs, dem ein Bischof das Buch reicht, Schreiber ist Romeus dez Poal, presbiter uriundus de Mau- dresa.
Im Patrimonio real gibt es ans der Konigszeit 38 Bande Rechnungen aller Art, durchaus lokalen Charakters, Briet- schaften, die damit zusammenhangen. Im 2. Band steht f. 68 folgendei- hiibscher Eintrag:
Fem vos saber, quel rey monsenyor ha entes, que un notari de Malorches per nom Noliues ha comprats los libres de leys, que foren den Berenger Bassa sa enrere. Entrels quals nia II en ells de gran belesa, so es lo Codi e la Digesta veylla. E con lo dit rey vula los dits libres obs de la sua cambra e a son servey : so will der Konig sie kaufen (1331).
8. Stark k ulturgeschichtlicher Chai-akter der Re- gister. Der intimste Kenner katalanischer Geistesgeschichte,
— XXXII —
A. Rubio y Lluch, hat mit einer glanzenden Einleitung zum zweiten Bande seine grosse, wesentlich das 14. Jahrhundert umfassende Dokumentensammlung abgeschlossen '). Wortiber man immer wieder erstaunt, ist der gewaltige Reichtum des Kronarchivs — denn fast nur aus ihm ist der Stoif entnom- men — und speziell seiner Register an kulturgeschichtlichem Material. Schon bei der Besprechung des ersten Bandes habe ich das hervorgehoben und der Eindruck wird beim Durch- lesen des zweiten noch verstarkt. Ein Biicher-, ein Bilder- ^), ein Gelehrtenreichtum taucht vor unsern Augen auf, dem man uur in viel spatern Zeiteu zu begegnen gewohnt ist. Da gibts schon eine Ueberproduktion von Gelehrten, so dass der Konig deu Zulass zur „mestratge en teologia" verbietet; freilich scheinen diese Theologiedoktoren sich die Sache durch Privilegien leicht gemacht zu haben! (II Nr. 376). Da wird mit detailliertester Formulierung eine Medizinschule in Bar- celona zu Ende des Jahrhunderts errichtet (Er. 271)^). Da werden sogar anmerkungsweise Bildhauer und Ktinstler auf- gefiihrt (Nr. 64). Koifer voll von Registeru, Urkunden und Btichern versucht man heimlich von jeuseits der franzosischen Grenze zu erwerben (Nr. 33). Sechs junge, gute Sanger mit dem Notenmaterial werden in Avignon geworben (Nr. 232 Anm.) ; musikalische Werke werden ofter genannt.
Nur wenig kann ich der so sorgfaltig gesammelten und kommentierten Edition hinzufugeu ; Jayme II. betiehlt Aus- losung eines vom koniglichen Chimrgicus B. de Riaria, den auch Rubio S. 12 erwahnt, fiir 500 sol. an einen Kaufmann verpfandeten und in einer Bauk deponierten Avicenna (R. 209 f. 26 ^); seinem ofter genannten Physicus Johannes de
') Documents per rhistoria de la cultura Catalana migeval. 1922. 414 u. 12 Niimmem. Dazu viele Angaben in der Vorrede (LXXV S.) und in dem Appendix, der die Estudiants en teologia, iurisprudencia, medecina y arts aufzalilt. Vgl. meiue Besprechung des 1. Bandes im Archiv f. Kulturgeschichte 1910.
*) Unervv^ahnt tinde ich, dass Alfonso 1335 Juli 26 dem Guardian des Minoritenklosters in Teruel ein dreiteiliges Gemalde rait dem Leben des h. Ludwig (von Toulouse?) sandte; es sollte in der von ihm erbau- ten Ludwigskapelle des Klosters aufgestelit werden.
') Auf die wichtige Konstitution fiir die Universitat Lerida hat schon Denifie hingewiesen: die Universitaten des Mittelalters I, 1499.
— xxxin —
Amelia schenkt er tabulam stelabris argenti cum litteris ru- beis (R. 277 f. 104); per un libre appellat „de comuni [ejloquio", das er vou Alamany de Prohora aus Saragossa kaufte, zahlte der Thesaurar 200 sol. (Cuentas o. Nr.); Infant Johann wtinscht librum de Prosis (?), qui fuit magistri Rogerii cirurgici (Reg. 245); Alfonso verlangt volumen biblie; habet cohopertam rubeam et incipit in proverbiis Salamonis et finit in libro apocalipsi. Est in altero ex armariis sive caxiis existentibus in retrocamera nostri palacii (Reg. 530 f. 133 ^). Es ist un- zweifelhaft der zweite Bibel-Band, der bei Rubio I Nr,,262 zum Jahre 1366 im Besitze Pedros erwahnt wird, aber sich nicht deckt mit dem repertorium biblie ab cuberta vermella, ab tancadors de seda, ab los caps dargent, ab senyals reyals en les cubertes, escrit en pergami, den Pedro 1386 vom Stell- vertreter des Racional erhielt.
Mit besonderem Interesse ist Rubio den katalanischen Gelehrten nachgegangen. Unter den zahlreichen Dozenten der Universitat Lerida scheint nur der Dekretist Bernardus Raimundi, Prior de Chaussaco, zu fehlen, dem bei Beginn seines Lehrantrittes (ad legendum ordinarie) der Kardinal- bischof Johannes von Porto einen Empfehlungsbrief an Alfonso IV. mitgibt (CRD 3418). Von den in Paris dokto- rierenden katalanischen Theologen weiss ich aus der Zeit Jaymes II. nur noch Raimundus de Curcavino zu nennen, dem Clemens V. die Erstrebung des Magistergrades in Paris gestattet hatte, wenn sein Ordensgeneral ihn, den Papst, darum bitte. Und darum bemiiht sich der Konig am 7. Mai 1313 (CRD 4623). Dass er Pariser Magister geworden, er- gibt sich aus Denifle-Chatelains Chartularium univ. Paris. II, 168. Ob der Provinzialprior der Dominikaner Berengar de Saltellis zur MagisterwUrde gekommen ist, bleibt zweifelhaft; Denifle erwahnt ihn nicht. Alfonso hatte am 7. April 1335 Benedikt XII. sehr warm damm gebeten. Er sagte, dass es sein Ziel sei: regale dominium viris eminentis scientie ac insignibus virtutibus ... sic fulciri, quod potentes opere et sermone resistere valeant ascendentibus ex adverso ; er hebt Berengar als einen Mann reputacionis eximie hervor, maximus reputatur in theologie facultate, er sei sublimis in- genio et perspicax intellectu. Darum moge der Papst dem
— XXXIV —
P-ariser Kanzler befehlen, wenn er ihn tauglich finde: quod ipsum, non obatante, quod aliqui baccalarii seu alii in ordine dictum recipiendi magisterium illum in eadem facultate pro- cedant, ad statum ... magisterii absque more dispendio stu- <Jeat promovere (Reg. 544 f. 103^). Aehnlich schrieb Alfonso an Kardinalpriester Matthaus, an Konig Karl VI. von Frank- reich und den Kanzler der Universitat. Der beriihmteste unter den Promovenden ist der Augustiner-Eremit Bernard Oliverii. 1330 bemUhte sich Alfonso flir ihn wiederholt bei Karl VI. Auch er soll promoviert werden : uou expectato t^rmino, quem alii, antequam ad magisteriuni attolli possint, expectari habent (Reg. 523 f. 81). B. Oliverii war spater Prokurator Alfonsos an der Kurie ftir die Grauada-Privilegien; von ihm stammen eine Anzahl wichtiger, recht freimlitiger Berichte. Sie werde ich spater veroifentlichen. Er hat das harte Wort gepragt: En aquesta cort nos fa res, si no per paor ho per diners ! Sein Werk : Excitatorium mentis in Deum erwahnt Morel Fatio in Grobers Grundriss der Roman. Sprachen II, 2, 97. Spater war er Bischof von Huesca (1337), Barcelona (1345), Tortosa (1346); er stirbt 2 Jahre spater. <Vgl. auch Anuari II, 320, Rubio II, LXXX und Denifle, Chartularium II, Register. Er verdiente eine besondere Be- bandlung.) Flir einen unbekannten Egidius de Nauarra aus dem Minoritenorden bemtihte sich die Kouigin Elienor von Sizilien bei Alfonso ; wegen seiner Verdienste um ihren Ge- mahl Friedrich sollte Alfonso sich beim Ordeusgeneral Ger- hard verwenden, dass er den Egidius zum Studium nach Paris sende.
Rubio hat den Begriff des Kulturgeschichtlichen im Wesentlichen auf das engere Gebiet des Geistigen, des Li- terarischen, WissenschaftlichenundKunstlerischen beschrankt; allerdings zum Gltick nicht ganz, denn sonst hatte er uns nicht so kostliche Stiicke bringen konnen wie Nr. 285, in welcher Konig Martin dem Prinzen Heinrich von Villena dringend abrat, als freier Bursch durch die Welt zu schweifen (discorrer per lo mon lla on la sort o fortuna vos port), oder Nr. 279, in der Konig Martin sich lebhaft gegen die Vor- wlirfe des asketischen F. d'Aranda wehrt, dass er bei seinem Einzuge in Valencia zu starken Pomp entfaltet habe, denn
— XXXV —
er kanne doch nicht nackt und hosenlos, mit einer Dornen- krone auf dem Haupte, ninziehen, Auch die Nr. 10 des Appendix, in der die Nonnen eines Klosters dem Konige mit kindlichem Patriotismus berichten, wie viel Vaterunser und Ave Maria sie schon fUr seinen Sieg gebetet haben, mochte ich nicht missen. Wir wussten ja schon seit Jahrzehnten, dass die Konige auch ihre poetischen Schopfungen und ihre musikalischen Interessen in den Registern offenbarten. Auch den verwirrenden Sprachenreichtum konnten wir seit langem ahnen : ueben dem Lateinischen und Katalanischen ist. das Spanische, Provenzalische, Arabische, Hebrai«che, Italienische, die „letra Grega", das „ydioma Siculum" (R. 544 f. 89, 1066 f. 188), selbst das Mittelhochdeutsche in einer Nummer (136) vertreten! Was aber noch nicht so beachtet war, ist der durchaus kulturgeschichtliche Charakter der Korrespon- denzen und der Register in ihrer Gesamtheit. Man erwartet von einem mittelalterlichen Archiv, dass es den Rechtsbestand aufklart, trockenes juristisches Material bietet, das Subjek- tjve, Personliche zuriicktreten lasst; soweit solches dagewesen ist, ist es nicht erhalten. Hier aber herrscht letzteres vor. Immer neue Einblicke in die Empfindungen, die Gedanken- welt und Lebeusweise der leitenden Personeu und ihrer Um- gebung werden geboten. Dazu dann das Material, das wir unter dem Begriffe der materiellen Kultur zusammenfassen. Es lassen sich das Familienleben der Herrscher, die Beziehun- ^en zu Frau und Kindern, die Sorgen und Freudeu, Erziehung und Gesundheitspflege, das religiose Leben aus hundert und aber hundert Dokumenten klarlegen. Wir konnen die Fiirsten auf ihren Reisen begleiten, die Krankheiten der Kinder und Frauen mit beurteilen, wir horen zu einer Tochter den be- treffenden Arzt rufen, quia interfuistis sue nativitati et novi- «tis complexionem eius pro conservanda sanitate ipsius, wir erkennen die Freude des Vaters iiber den zu erwartenden Sohn, dem er schon ein stattliches Erbe vor seinem Erscheinen anweist, wahrend der Moglichkeit einer Tochter gar nicht gedacht wird, wir horen von den Ammen, Dienern und Er- ziehern und ihren Qualitaten, dass Petrus de Pulcro visu, qui in officio scindendi, suendi, conficiendi et ornandi vestes om- nes, cuiuscunque existant generis aut spetiei, est aptus plu'
— XXXVI —
riraum, zum Hofschneider eines kleinen Infanten ernannt wird (R. 529), erfahren aus den zahlreichen Todesanzeigen und Trostbriefeu nicht blos den Charakter der Krankheit, den oftmaligen Empfang der Sakramente, die Verleihung des voU- kommenen Ablasses, sondern auch wie nahe die Leidtragen- den dem Verstorbenen gestanden oder wie schwer es dem Troster wird, des Fernerstehenden in den richtigen warmen Ausdriicken zu gedenken, wie oft. ahnlich wie in unsem Tagen, religidse Kraftspriiche das mangelnde Gefiihl ersetzen miissen.
Auch der politische Brief bietet oft viel Kulturgeschicht- liches. Gerade in ihm oftenbart sich leicht das Wesen des Schreibenden. Der Eine braucht gern Spriichworter — so der Judex von Arborea, z. B. (Alfonso Nr. 3154) das lombardische: Vegna lupo o non vegna Pastore sua mac^-o iu mano regna, der Audere (Konig Robert besonders) operiert mit Bibel- stellen, ein Dritter zieht die Klassiker z. B. den Aristoteles heran (duo inimici facti sunt amici ad expugnandum tercium), oder citiert eineu hausbackeneu Grundsatz; Philipp d. Sch. zeichnet mit eiu paar Worten den geschwatzigeu Grafen von Foix (qui plus operari solet lingua quam littera), vor dem braucht Jayme keine Angst zu haben. Gerade die offiziellen Herrscherbriefe, die sonst so schematisch klingen, bringen viel Pers5nliches. Da hat Jayme von Mallorca seinem Neifen vor Jahresfrist eineu guten Mlinzmeister G. de Costayn em- pfohlen ; wie nun der Neffe ihn spater engagieren will, da muss er gestehen, dass er ihn inzwischen als grossten Miinz- falscher hat zum Tode verurteilen mlissen ; nec credamus illum vobis vel alii utilem, schliesst er mit gutem Humor (CRD 2932 und 3410 zu 1308).
Zumeist liegt aber das Kulturgeschichtliche direkt im urkundlichen Stoff; das erhellt schon aus zahlreichen unten und in den beiden ersten Teilen gebrachteu Nuuimeru. Nur nach einer zufalligen Auslese notiere ich den Kdnig als Heiratstifter, als Schirmer alternder Jungfraueu gegeu den Bchwacheu Vater und die herrschende Stiefmutter ') ; als
') Roderico archiepiscopo Terraconensi. Ex parte Raalote et Ca- talaue filiarum Ricardi Raalot civis Terrachonensis eipositum extitit
— XXXVII —
Schtitzer der Frau, die von ihrem Manne getrennt lebt — prop- ter seviciam et austeritatem, que in dicto viro suo vigcre dicuntur, — es ist der Bruder des einflussreichen Siegel- bewahrers Alfonsos, Bonanatus Petri; als Schopfer des „rex arlotorum, d. h. des Chefs der offentlichen Weiber im Gesamt- reiche ') ; als Schlitzer der Sittlichkeit und der guten Ord- nung, der das „iactare" der Steine gegen die Hauser ebenso verbietet wie das Absiugen anstossiger Lieder^), der patri- archalisch dafiir sorgt, dass ein Wolkenbruch in Valencia durch Errichtung von Schutzmauern (ediiicia in oppositum aque) nicht mehr Schaden anrichtet, der andererseits fast alle Verbrechen mit Geld biissen lasst, der das Schatzgraben privilegiert ^) und von der reumlitigen Beichte eines Diebes moglichst profitiert *).
Und so auf den verschiedeusten Gebieteu, in buntesten Variationen ! Da liesse sich ein Gegenstiick zu Rubi6s gros-
coram nobis, quod ipsis existentibus in etate viginti quinque annorum et ultra, flore iuventutis sue iam in parte consumpto, idem Ricardus Raalot novercalibus deliramentis et aliis quibusdam illicitis motibus, nescitur quo spiritu, ductus . . . [non] vult ipsas . . . in matrimonium collocare iuxta fortunarum suarum mensuram et dignitatem. Er sieht sich als den debitor der Jungfrauen an und befiehlt fiir die Ausstattung zu sorgen (R. 92 f. 67).
') Universis arlotis, maribus et feminis befiehlt er, dem zum Konig der Arloten ernannten Bernard de s. Eulalia zu gehorchen. Alle Be- amten mlissen ihn in seinen Privilegien schiitzen (R. 265 f. 209). Der „rey Arlot" ist nach J. Bloch, Handbuch der gesamten Sexualwissen- schaften I, 765 der Chef aller offentlichen Weiber im ganzen Reiche.
") Marchot ioculator habendo rixam cum Garcia . . . magistro lapi- dum vicino Oscensi . . . dicebat canendo aliqua in dedecus civium . . . Garciam proditorem et alia verba enormia dixit. Sollen ilm gefangen nehmeu (Alfonso 1667 zu 1331).
*) R. 252 f. 77 V. Er hat von einem seit Alters verborgeneu Schatz in Mallorca gehort. Er gestattet dem J. de Fenestris die Hebung des Goldes oder Silbers, der kostbaren Steine und Perlen. Solcho „hallas- gos" werden in den Usatges ofter erwahnt; sie werden zwischen Konig und Schatzgraber geteilt. Privates Graben war streng verboten. Vgl. iibrigens E. Eckstein, Das Schatz- und Fundregal in Mitt. des Oesterr. Instituts 31, 193 ff. Zeumer, Neues Archiv 36, 272.
*) R. 522 f. 514. Kaufleuten in Trentapasses waren viele duple auri gestohleu. Ein Minorit kennt die Diebe velut confessor. Er er- langt Straflosigkeit endlich fiir sie, dafiir liefert er das Geld.
— xxxvm —
sem Werke nicht blos in zwei, sondern iu einer stattlichen Reihe von Banden herstellen.
11. Zur Kirchenpolitik der aragonesischen Konige.
Den Hauptanteil an den Acta hat die Kirchenpolitik. Das PersOnliche der vier Papste: Bonifaz' VIII., Benedikts XI., Clemens' V. und Johanns XXII. wird man in Zukunft in erster Linie nach ihnen zeichnen mlissen. Wo sonst haben wir in mittelalterlichen Quellen Schilderuugen aus dem Leben der Papste von solcher Ursprtinglichkeit und lebendigen Charak- teristik? In Gesprachen, die sofort aufgezeichnet sind, treten sie uns in Rede und Gegenrede entgegen. Dazu kommt, dass mit Ausnahme des kurzregierenden Benedikt die drei andern, jeder in besonderer Weise, ausgepragte Vertreter des kirch- lichen Systems sind.
Ausser diesen Schilderungen bringen die Quellen reiche Aufschliisse liber die aragonesische Kirchenpolitik. Darstel- lungen kirchenpolitischer Probleme fehlen meist in den zahl- reichen mittelalterlichenUntersuchungeu spauischer Gelehrter. Fast scheint es, als ob die Laienhistoriker sie den Kirchen- historikern tiberliessen. Jedenfalls ist flir die Zeit Jaymes II. noch fast alles zu tun. Ich gebe in Folgendem nur einige Grundlinien.
1. Konige und Papste. Jaymes Stellung zu Bonifaz war vollig durch die sizilische Frage bedingt. Durch den Frieden von Anagni 1295, einen Triumph bonifazianischer Politik, sohnt er sich mit dem Papste a«s und wird treuer Anhanger, wenigstens ausserlich, papstlich-neapoiitanischer Politik. Die Tradition des aragonesischen Hauses setzt sein Bruder Friedrich fort. Jayme erutet die Gunstbezeugungen des Papstes, Zehnten, Banueramt der Kirche, die Schenkung von Sardinien und Corsika. Reibereien bleiben bei dem un- gestiimen Temperament des Papstes uicht aus; sie sind aber nicht prinzipieller Natur. Mit rlicksichtsloser OffenUeit er- zahleu die Gesandten, wie Bonifaz Jayme beschimpft und seine Abneigung gegen die Katalanen bekundet. Sie ver- gelten es dem Papste, der Ritter B. de FenoUario, der Kle- riker Geraldus de Albalato. In der Berichterstattung des ganzen Jahrhunderts, ja der ganzen aragonesischen Geschichte,
— xxxvini —
gibt es keiue so erbarmungsJos die Schwachen eines Papstes enthtiUenden Briefe. Jayme sucht den Frieden, er geht den Konflikten aus dem Wege. Da der Kampf Philipps d. Sch. mit Bonifaz entbrennt, halt er sich zurllck; er wahrt beiden Parteien gegenliber freundschaftliche Neutralitat. Er brauchte diesen wie die andern Papste ftir seine Finanzen. Ein gut Teil der Berichterstattung beschaftigt sich mit den kirch- lichen Zehnten. Jayme erlangt Ende des Jahrhunderts zu- nachst einen vierjahrigen, dem dann noch ein zweijahriger folgt. Und dem schliesst sich 1305 uach der Originalsupplik ein weiterer vierjahriger unter Clemens V. und dann die Templerbeute an.
Mit Clemens V. war der Konig direkt befreundet. Kein Papst hat so herzliche und lobende Worte ftlr das aragone- sische Haus. Die Tranen laufen ihm Uber die Wangen, wie er des frommen Konigs gedenkt. Mit Vidal de Villanova pflegt Clemens intimste Zwiegesprache Uber Jayme. Er offnet dem Konig den Weg nach Italien ; seine Sorgen, seine Freu- den, die kleinen Siege in Italien teilt er ihm jubelnd mit. Seine Nepoten empfinden gleich ihm ; auch sie fordern den Plan nach Sardinien zu ziehen. So wagt denu Jayme einen achtjahrigen Zehnteu zu erbitten, zunachst allerdings fttr Granada. Kommt auch so viel uicht heraus, starke finanzielle UnterstUtzungeu erhalt er doch. Die Hauptsache war das Templererbe.
Johann XXII. war aus anderem Holze ; er war einer der klUgsten Staatsmanner, die auf dem Stuhle Petri gesessen haben ; nicht blos ein kUhler, kalter Rechner. Sicherlich war er von starkeren Empfindungen beseelt. Wie konnte man sich sonst die Vergiftungsfurcht der ersten Jahre erklaren, die in manchen Schilderungen beinahe grotesk hervortritt. Freilich soll auch schon vor seinem Papat ein Vergiftungs- versuch gemacht sein. Wie er sein Amt auffasste, ergibt die hochst iuteressante Stelle einer Rede, die der Domini- kanergeneral auf dem Konstauzer Konzil an Martin V. hielt, wonach Johann sich ein Verzeichnis der tUchtigsten und frommsten kirchlichen Beamten angelegt hatte, auf das er jederzeit zurUckgriff '). Er war kein besonderer Freund der
') Rede des aragonesischen Dominikanergenerals Johannes de
— XL —
Aragonesen. Was G. Oulomari zu Beginn der Regierung des noch rllstigen Papstes lateinisch sagt: quia non facit, nisi inetu in nobis, das sagt B. Oliver am Ende von der Kurie des greisen Johannes auf katalanisch: Nos fa res, si no per paor '). Jayme kam im Allgemeinen gut mit ihm aus ; lan- gere Zeit brauchte er um Zehnten nicht zu bitten. Im Uebri- gen haudelte er uach dem Spruche: Und der Papst absolut, wenn er meinen Willen tut: In cuius manu et potestate sunt universarum ecclesiarum provisiones et distributiones. Eiuem solchen Schlusse schliessen sich dann drangende Bitten an. Zu starkerer Entfremdung kam es bei den ErSrterungen tiber den Sardinienzug: der Papst wollte ihn begreiflich in der von Jayme geplanten Form eines Krieges mit den Pisanern und Insulanern nicht fordern, scharfe Bemerkungen Uber Bo- nifaz VIII., den Urheber, entfielen ihm ; den Zehnten gab er erst hernach ; aber die geschickte Politik Napoleon Orsinis verhalf den Aragonesen zum Siege und die Ungeschicklich- keit der Pisaner hielt den Papst in seiner Vermittlerstellung. Jayme blieb stets devot und anhanglich in seinen Schreiben, denn nun kam die Zeit der Ehestiftungen, bei denen der Papst ein gewichtiges Wort zu reden hatte. Kurz vor Jaymes flinscheiden kommt es zu einer starkeren Auseinandersetzung. Am 20. September 1326 schreibt Johann (Leg. Johannes XXII. Nr. 122):
Audimus, fili carissime, nimium displiceuter, quod sub tuo regimine multa contra libertatem ecclesie prorsus a fidelium principum regimine attemptantur, per que divinam maiestatem offendere nosceris, matrera tuam ecclesiam sanctam videlicet contra te provocas teque astringis ad eterna supplicia subeunda.
Er sendet deshalb seinen Kaplan Hugo de Mirabello. Warum es sich augenblicklich handelt, ist nicht ersichtlich^). Jedenfalls feierte er im Jahre darauf deu verstorbeuen Herr- scher als das Muster eines katholischen Konigs.
Podionucis vor Martin V. November 1417. Handschrift 33 des Stettiner Mariengymnasiums.
') In einem Bericht 1334.
•) Vielleicht um die Austreibung des Klerus aus Barcelona; aber bei dieser Sache hatte Jayme in scharfen Worten seine Unbeteiligtheit betont.
— XLI —
Nicht so freundschaftlich war das Verhaltnis des neuen Monarchen zum Papste. Alfonso IV. war der Ftihrer im Sardinienzuge ; als Infant hatte er, als die Geldnot am hoch- sten gestiegen, bei der Rebellion der Sardinier 1325, eigen- machtig einen Teil des kirchlichen Zehntgeldes aus den Ka- thedralen in Barcelona, Vich und Gerona beschlagnahmt und sich dadurch schwere kirchliche Strafen zugezogen. Er ver- zichtete bei den spatern schwierigen Suhneverhandlungen auf seine eigene Lossprechung, wenn nicht auch seine Helfer los- gesprochen wtirden. Schliesslich hat er aber demlitig . ver- sprochen die Mahnungen der Kirche zu beachten und die kirchlichen Gravamina abzustellen, soweit es die koniglichen Rechte gestatteten (Reg. 408 f. 223 und 424 f. 81).
Die Hauptzeit der Regierung Alfonsos — er starb im Jahre nach Johann XXII. — ist ausgef ullt mit dem Granada- projekt. Die langwierigen Verhandlungen weckten die Un- geduld des temperamentvollen Herrschers. Manches scharfe Wort mussten seine Gesandten in Avignon anbringen. In den letzten Tagen des Papstes kam es beinahe zum Bruche. Johann hatte ihm einen zweijahrigen Zehnt verliehen, zu- gleich aber Frankreich fur einen allgemeinen Kreuzzug einen sechsjahrigen. Alfonso bestritt die Existenz eines generale passagium; nur der franzosische Konig wolle angeblich vor- gehen. In seinem Protest an das Provinzialkonzil von Tar- ragona 1335 heisst es:
Et si forte diceretur vel opponeretur, quod dorainus papa de plenitudine sue potestatis, non vocatis mundi principibus, potuit dic- tum generale passagium indicere et etiam decimas concedere uni regi, respondeatur, quod, quicquid sit de potestate absoluta dicti domini pape, tamen semper in tali generali passagio consueverunt vocari omnes mundi principes et, ut de proximo exempla queramus, in tractatu pas- sagii generalis, qui habitus fuit in concilio Vianense, dictus rex Arago- num cum litteris domini pape Clementis tunc universali ecclesie presi- dentis fuit vocatus et, ut creditur, ceteri mundi principes, cum comune esse nosceretur.
Er fordert dann das Konzil auf, dass die Pralaten er- klaren sollten, sie konnten aus Furcht vor dem Unwillen ihres Herrschers, dessen Zehnt ja geschadigt wiirde, die Sammlung nicht vornehmen. In der Zwischenzeit war Papst Johann gestorben. Wenige Monate vorher war es zu einer
— XLII —
bOsen Auseinandersetzung gekommen. iVlfonsos Bruder, der Patriarch Johannes, Administrator von Tarragona, hatte eiue Untersuchung „super quibusdam certis criminibus" gegen den Propst von Tarragona veranstaltet und dieser sich der Unter- suchung durch Anrufen des Papstes entzogen, der den Pro- zess dem Patriarchen nahm und an seiner Kurie weiter fiihren liess. Im Auftrag Alfonsos IV. brachte Bernart Oliver beim Papste die Sache vor uud gab ihm den koniglichen Beschwerde- brief. ,,T)er Papst sagte sofort, das sei Eiugebung des Pa- triarchen. Der Gesandte bestritt es ; der wlisste nicht davou; der Kouig horte es von audern und beklagt sich bitter. Der Papst: Solche Befehle konne er gebeu, und gebe sie alle Tage, auch in Eurem Reiche. Oliver: Seine Maclit bestreite niemand, aber er moge doch au die Ehre des Ivonigs und des Patriarchen denken ! Er moge nur einmal Euren Brief lesen." Und nuu ist es heiter aus dem Bericht zu erfahreu, wie der Gesandte Tag fur Tag deu Papst bittet, doch den Brief zu offnen, und dieser es nicht tut, bis Oliver einmal sagt, es passe sich doch nicht, er miisse doch Antwort sen- den. „Und da sah er mich an, ich weiss nicht, wie? und sagte: Wir werden ihm schon antworten", und damit liess er den Gesandteu stehen ! (Alfonso IV. Nr. 3384).
So schickt denn der Konig eine besondere Gesandtschaft au das Kardinalskollegium mit der Bitte ihm doch zu helfen mit der bezeichneuden Begriinduug fiir die Stellung des h. KoUegs als Moderator bei falschen Entschliissen des Papstes (Reg. 562j:
Tanta status vestri condicio prerogativa letatur, tantaque dominus Jhesus Christus vos circa regimen universalis ecclesie ad impendeudum consilia salubria domiuo summo pontifici sublimitate vos voluit promo- vere, quod principes catholici, cum in eos aliquid per ipsum capud ecclesie agitur, quod eis tieri minus racionabiliter videatur, ad vos ut ad firmas bases ecclesie recurrere non verentur, indubie confidentes, ut vestri salubri consilio et [auxilio?] ad lib[ramen'?] re[ctiy] moderaminis reducatur.
Wie sich das Kardiualskolleg aus der schwierigen Situa- tion herausgefuuden, kouute ich nicht feststellen.
2. Besetzuug der Bistumer. Im Konigreich Arago- nien wie im iibrigen Spanieu gab es nicht so grosse und machtige Bistlimer wie in Deutschland. Gerade der kriege-
— XLIII —
rische deutsche Episkopat bewog, wie im 1. Bande vermerkt, den Ferdinand Dixar zu dem Vorschlage der Teilung der Diocesen. Aber vou grosster Bedeutung war der Episkopat doch durch seinen moralischen Einfluss und seinen materiel- len Besitz. Wie aus vielen Stucken zii ersehen, gaben die Bischofe politisclie Ratsclilage, iibermittelten wichtige Nach- richten, halfeu durch finanzielle Unterstutzungen bei kriege- rischen Massnahmeu (vgl, Alfonso Nr. 3190). So war es ein Grundzug der aragonesischen Politik, einen der Krone er- gebenen Klerus zu besitzen, Hunderte und aber Hunderte von Briefen zeugen vou diesem Bemlihen der Herrscher, Sobald sie von der Erkrankung oder dem Tode eines Bischofs vernommen, wird mit einer von uns als unanstandig empfun- denen Eile die Kaudidatenfrage aufgeworfen, der Papst be- nachrichtigt und ihm eine genehme Personlichkeit empfohlen. Nicht ganz selten bleibt der Erkrankte noch Jahre lang am Leben! Im allgemeinen treffen papstlicher wie koniglicher Wunsch in der ersten Halfte des 14, Jahrhunderts zusammen, das Wahlkapitel auszuschalten. Nur einige Male habe ich gefunden, dass der Papst „eIectionem concorditer celebratam decenter nequivimus reprobare" (Leg, Johannes XXII. Nr. 101). Ich bringe hier einen Vorschlag von 1334; er kann als Muster dienen. Patriarch Johaunes vou Tarragona ist gestorben. Alfonso weist auf die Bedeutung des Erzbistums Tarragona hin: habens civitatem et plura castra fortissima et loca plu- rima populosa magnamque iurisdiccionis potentiam et multi- tudinem vassalorum, temporalitatem maximam et etiam por- tum maris. Eine persona extranea vel eciam naturalis, de qua plenam . . . non haberemus fiduciam, konnte er dort nicht dulden, Er sendet seinen iudex Petrus Cima; der soll eine bestimmte bischofliche Personlichkeit dem Papste bezeichnen, den Johannes XXII. zu seiuem Troste iiber den Verlust des Bruders zum Erzbischof ernenuen solle, Damit nicht genug! Den so erledigten bischoflichen Stuhl solle eiue andere von Petrus beuannte Person erhalten und dessen erledigte Pfriin- deu eiu familiaris et socius des Patriarchen (Reg, 529 f. 93). So geschieht es immer uud immer wieder. wenn auch nicht jedesmal drei Kandidaten zu versorgen sind. Zuweileu ver- gessen die Herrscher friiher Empfohleue und benenneu andere
— XLIV —
Kandidaten! So eniennt Johann XXII. 1328 den langjahri- gen Prokurator an der Kurie Galcerandus za Costa, den friiher Alfonso gewUnscht, statt des jetzt proponierten Ferrarius Columbi, den er spater versorgen will (Leg. Johannes Nr. 151). Oefter treten bei den Schiebungsversuchen direkte Verwir- rungen bei den Kandidaten und an den verschiedenen Hofen des Konigs und des Infanten ein ; und schliesslich ist keiner ganz zufrieden.
Die Griinde des Vorschlages sind zuweilen kanouische, zuweilen politische, manchmal aber auch sonderbarer Art. So wann die Konigin Elisende, Jaymes dritte Gemahlin, hef- tig wlinscht, dass statt ihres sterbenskranken Oheims, des Bischofs Berengar von Vic, ihr Vetter Berengar de Portello ernannt werde „das ware das beste Trostmittel ftir den Ver- lust des Oheims" (Nova prelacio iam dicte regine in reme- dium consolacionis avunculi subtracti). Das Kostlichste ist, dass der Oheim noch zwei Jahre am Leben blieb ! (Reg. 250 f. 46 ^) ^). Ein Ramon Cardona hdrt, dass ein Bistum Palma frei wird ; nun hat er einen Bekannten Guillem de Fabrega, canonge de Leyda, dem er sehr verpflichtet ist; dem moge der Konig das Bistum geben (Alfonso 3237). Anscheinend kommt damals noch vereinzelt die Metropolitan-Bestatigung vor: R. Gasto wurde am 17. November zum Bischof von Valencia gewahlt ; er ist socius et cancellarius des Infanten Johann, der schleunigst seinem Vater die einmtitige Wahl meldet und schnellste Bestatiguug durch den Erzbischof von Tarragona erbittet. Das Kapitel zeigt dem Konige die Wahl mit dem Bemerken an : Qui totus vester est et de domo vestra (CRD 13131, 33, 34).
Zuweilen werden doch starke Anmutuugen an die Papste ^estellt. So erklart der Nepote Clemens V. Ritter Bertran- dus de* Guto dem Konige: Ad preces litterales vestre celsi- tudinis . . . de prioratu de Crosilla . . . feci per dom. nostrum 5ummum pontificem provideri ! (Templer 548). Der Nepote behandelt den Papst w^ie seinen Diener. Konig Jayme wandte sich einmal an Johann XXII. mit folgender Bitte : Da der
•) Alfonso schlagt spater diesen Berengar dem Kapitel von Gerona vor (13R5 Juni 14j. Daneben steht: solvit X sol. Barch. das kann doch nur auf diesen Kandidaten gemunzt sein?
— XLV —
Magister von Montesia sterbe, so moge er sich die Besetzung reservieren und dem Abte von S. Creus gestatten, dass er drei taugliche Personen in das Kloster stecke und einen von ihnen nach der Professablegung dann ernenne! Der Papst nahm die Reservation vor, lehnte das Andere aber als un- kanonisch und unanstandig ab (Leg. Johannes XXIL Nr. 40). Selbst der milde Clemens V. findet es stark, dass Jayme von ihm die Bestatigung der Wahl des Propstes zum Erzbischof von Tarragona durch einen Suffragan und ebenso die Weih» und Verleihung des Palliums duroh diesen verlangt. Er sei auf der Reise und miisse sich tiber dieses Ansinnen erst mit den Kardinalen beraten (1309 Februar 13. Clemens Nr. 30).
Ich fUge hier ein Schreiben Konig Martins an Benedikt XIII. vom October 1403 an. Es erinnert stark an die Ver- sorgungsstatten deutscher adliger Familien vor der Refor- mation :
Item com mossen Not de Moncada haia molts infants e la sua casa, jassia assats gran e notabla, sia molt carregada entant, que bona- ment noy porien esser heretats sos infants, axi com los pertanyeria,. haia deliberat lo dit mossen Not dar al servey de Deu [e] dela sua es- gleya II fils seus appellats lo I Not de etat de XV fins XVI, laltre Ra- mon de etat de XIV fins en XV anys. Placia la sua sanctetat coliocar aquells en la esgleya de Deu e provehir los de alcuns bons beneficis.
3. Ein besonderes Kapitel der Bischofsernennung bildet die Bestallung in Sardinien. Nach Reg. 510 herrschte grosses Interesse der Katalanen nach der eroberten Insel auszuwandern; mehr als Tausend fringen hinliber. So kamen bald Klagen, dass bei der Besetzung der kirchlichen Digni- taten und Pfriinden Personen mit anderer als katalanischer Sprache beglinstigt wiirden: ex quo tam in confessionibus quam in sermonibus ac aliis divinis officiis ac ecclesiastici» sacramentis dicti Cathalani et Aragonenses inibi maxima dis- pendia paciuntur (Reg. 509 f. 3 zu 1329). Das ist der Auf- takt. Im Jahr darauf hort der Konig vom Tode des Bischofs in Ales (unbekannt!); da er das Land erobert hat, wiinsche er seine Landsleute dort unterzubringen ; so empfiehit er den Guilelmus de Jaffero. Seine Untergebenen drangen ihn. Der Gouverneur von Sardinien und Corsica, Bernard de Boxados, schreibt ihm eme Schauermar iiber die groben kirchlichen Irrtiimer bei den Bisttimern und Orden auf der Insel, weil
— XLVI —
«ie alle von dem init Ludwig d. B. verbuudenen Pisa abhangig sind. So habe sich jUngst der Bischof von Civita an den <jegenpapst Nikolaus V. gewandt und an den exkommunizierten Pisaner Erzbischof. Der Konig solle fUr eine vollige Tren- nung von der Pisaner Kirche wirken; das sei auch der Wunsch vieler, besonders der Katalanen, die jeue Bischofe und Priester heim Beichthoren nicht verstehen und sie fUr Schismatiker halten (1329. CRD Alfouso 234). Und der Socius des Erz- bischofs von Torres beklagt sich beim Kdnige darUber, dass ■er, der von ihm bei seiner Krdnung als erster dem Papste empfohlen sei, bei einer Reihe Bischofsernennungen durch Fremdlinge ubergangen sei; der Grund liege in der Liebens- wUrdigkeit des Kdnigs allen Bittenden gegenUber (Alfonso 3351 um 1330). Bald werden auch die Kldster gesaubert; Dominikaner und Minoriten werden aragonesischen Obern unterstellt (3189. Vgl. auch Nr. 1206, 33G9, 3149. Leg. Jo- hannes XXII. Nr. 1G5 und 176). So weit aus den Namen bei Eubel, Hierarchia catholica medii aevi etwas zu schliessen ist, sind in der nachsten Zeit die Bischdfe fast ausschliess- lich Katalanen.
4. Eine stramme kirchliche Auslanderpolitik im ■eigenen Lande ist das GegenstUck dazu. Sie ist zur Zeit des Krieges leicht verstandlich. So verbietet Pedro d. Gr. fUr das Kloster Roda die Einsetzung eines franzdsischen Abtes, weil auch der Kdnig von Frankreich alle Katalanen, Scholaren, Kleriker und Laien aus seinem Lande geworfen hat (R. 44 f. 65 zu 1284). Ebenso verlangt Jayme von Boni- faz de Calamandrana, dass er keiuen auslandischen Visitator sende (R. 99 f. 273 zu 1293); nur ausuahmsweise gestattet er einer krankeu Abtissin die Berufung eines medicus aus Tou- louse (R. 93 f. 295). Auch in spatern Friedenszeiten sind die Herrscher sparsam in der Austellnug von Auslandern. Das Kloster S. Johannis de Pinna in der Didcese Huesca erhielt zuweilen sUdfranzdsische Aebte. Wenu sie residieren, erlaubt es Alfonso. Unangenehm ist es ihm aber doch, denn dort ruhen einige seiner Vorfahren : Ceterum debemus merito sus- picari et nobis ac dicto regno [debet] periculum iminere, dum extraneis precipue in partibus frontarie regni nostri vicinis talis potestas traditur (R. 526 f. 263 zu 1332). Ein anderes Grenz-
— XLVII —
Vloster der h. Christina de portu Aspe ist nach der Ansicht des Bischofs Petrus von Huesca vor allem durch die schlechte Verwaltung der Gascognischen Prioren heruntergekommen. Nun fand eine Neuwahl statt; als Wahler erschienen ver- dachtige Personen aus fremden Gegenden; der Bischof wollte hintiber um zum Rechten zu sehen. Man verschloss ihm die Ttlre und clausis ianuis et manu armata haben sie eineu unehe- lichen jungen Menscheu, den Sohn des Bischofs von Oleron, gewahlt. Spater liess man ihn ein und er erklarte die Wahl oder Postulation des franzosischen Spurius fUr nichtigj.das Klostergut hat er beschlagnahmt (Alfonso 3151). NatUrlich lehnte man in Katalonien aus patriotischen GrUnden gem Geldforderungeu fremder Obern ab. So wendet sich der- In- fant Jayme, Monteser Ordens, hulfeflehend fUr das Kloster S. Creus, wo er wohnte, an seinen koniglichen Bruder, damit das Kloster nicht dem Abte von Grandissilva das vom Papste bewilligte Subsidium zahlen brauche: Quod si fieri contigerit, procul dubio poterit imposterum terre dominationis vestre imminere periculum et iactura. Ex qua eciam re dicto mo- nasteiio s. Crucum ruina non modica preparatur, eo quia iam sub certis et gravissimis excommunicationis et interdicti pe- uis nuncii dicti abbatis Grandissilve huc missi iniunxemnt, quod, nisi infra XXX dierum spatium ei subveuiretur in mille et octiugentis auri florenis, abbas et prior . . . siut excom- municati (Alfonso 309).
Alfonso IV. behauptet 1335 in einer Instruktion fur seine Gesandten (R. 544 f. 61): Cou Cathalans e Aragoneses en alguns regnes o partides del mon no obtinguen ni hagen ob- tengut beneficis ecclesiastichs per gracia de la sancta esglesia de Roma, aus es estat denegat en la cort de Roma, e molts e diverses prelats e clergues de estranyes uacions e regnes tinguen e posseesquen prelatui-es; dignitats e benifficis en los regnes e terres del senyor rey , so liabe er grossen Schaden davon. So was erdulden andere Herrscher nicht. Die Auslander sollen vom Papst keine PfrUnden mehr in seinem Lande erhalten.
Es ist scliwer uber die positive wie negative Seite sicheres zu sagen. Eine gewisse Uebertreibung dUrfte vorliegen.
5. WorUber sich Alfonso ausserdem auch hier wieder beschwert, was seine Vorganger uud sein Nachfolger noch lange
— XLVIII —
beklagen, ist die Uebergehung der Katalanen und Aragonesen beim Kardinalat. In den frtihern Banden ist schon darauf hingewiesen. Jayme 11. gibt immer ganze Listen von Bischofen uud Ordensleuten, ofter mit charakteristischen Empfehlungen. So 1323: der Bischof von Lerida sei dem Papste bekannt, sei rait dem KOnige verwandt: ha bona persona e es bon christia! O del bisbe de Tortosa, qui es bon en la esgleya e hom avist e espert e ben tractable (Reg. 338). Alfonso hOrt 1329, dass Johann XXII. eiue neue Kardinalspromotion vornehmen will. Da bittet er dann dringend um die Kreation seines Bruders, des Patriarchen Johannes : Domui nostre negari non debet, quod aliis est concessum (R. 562 f. 101); sonst schlagt er vor : Gasto ep. Gerundensis, Poncius Barchi- nonensis, Fr. P. Turritanus archiep. und Jaspertus Folcrandi canonicus Gerundensis. Spater hat Clemens VI. Pedro IV. zugesagt: que dels primes cardenals, que faria, ne faria un a postulacio del dit senyor rey. Es kam wegen seines Todes nicht dazu und Pedro musste noch wiederholt bitten, bis 1357 der erste Kardinal Nicolaus Roselli mit dem Beinamen car- dinalis de Aragonia ernannt wurde.
6. Staat und Kirche. Inquisition. Dass das offent- liche Leben Spaniens, die Herrscher oder auch der Staats- organismus einen besonders starken religiosenEinschlagzeigen, ist bekannt. In Katalonien wurde gesetzlich unter Pedro 11. (dem katholischen) die Todesstrafe fur Haresie schon Ende des 12. Jahrhnderts festgesetzt; die Inquisition bekam iin 15. Jahr- hundert in den vereinigten Staaten ihre eigenartige Farbung. Starke ZUge der Verbindung religiosen und politischen Le- bens zeigen sich auch in den Registern. Auf den Cortes von Monzon (1289) wurde folgendes Statut erlassen.
item statuimus, quod aliquis homo non dicat malum de Deo nes que de nostra domina s. Maria neque de aliquo alio sancto vel sancta. Et qui fecerit, si est miles vel filius militis vel civis vel bonus homo de villa, quod solvat XX sol. Et si est alius homo, quod solvat X sol. 3t si solvere non potest, accipiat X . . . otc in platea et dicta pena sit acquisita domino loci, in quo diiit, et illis etiam, qui de talibus et «imilibus penis usi fuerunt . . .
Daran schliesst sich unmittelbar das Statut: Statuimus, quod de cetero nos non frangamus e quod officiales nostri neque baro neque miles nec aliqua alia persona, cuiuscunque condicionis sit, audeant
— XLIX—
frangere ecclesiam katedralem neque aliam ecclesiam neque domum ordinis vel religionis vel monasterii neque extrahere violenter de pre- dictis vel de aliqua ipsarum cartas, monetam neque aliam comandam, quecunque sit, que ibi sit posita.
Gegen letzteres hat sich bekanntlich Infaut Alfonso grob- lich vergangen, Auch auf den spateren Cortes finden sich wiederholt religiose Verordnungen. Die immaculata concepcio Marias wurde im 15. Jahrhundert dort offentlich proklamiert! Niemand darf predigen, que Maria fue concebuda en pecado original ; ihr Fest soll am 8. December gefeiert werden. (Sa Johann II. 1461). Wie Pedro IV. den Jahresbeginn von In- karnation (25. Marz) auf Weihnachten verlegte und die Nonen, Iden und Kalenden beseitigte, begriindete er das mit folgen- den religiosen Gedanken (R. 557 II f. 216^).
. . . Con en la nativitat de fiU de Deu, en loqual los sants angels cantaren aquel imne angelical: Gloria in excelsis . .. aparech al huma- nal liynatge la benignitat e humanitat de Deu nostre salvador, nos per la gran devocio, que haviem e havem en aquell dia de la sancta nativitat, ja pepa ha, per nostre edicte ordenam en la nostra cort e en la nostra cancellaria e altres officis de la nostra cort esser perpetualment ser- vador, que en totes cartes publiques, letres e escriptures totes e sengles, que de la nostra cancellaria e de les alfres officis de la nostra cort exirien es farien, en aquella o aquells fos aytal orde observat sobrel calenar, qo es assaber, que layn en la nativitat de nostre senyor co- mencas. Elexades nonas, idus e calendes continuan los lochs el nombre dels dies els noms dels meses el ayn, en e sots los quals fossen dates a fetes cascunes cartes publiques e cartes, letres e scriptures.
Fiir die Ausbreitung des Christentums in den mohame- danischen Gegenden arbeitete das aragonesische Konigtum be- souders. Es unterstUtzte Missionare wie Handelsexpeditionen, suchte vor allem an den h. Statten das Christentum zu sttitzen, Reliquieu vom Grabe des Herru oder von beriihmten Heiligen zu erlaugeu. Dariiber gedenke ich spater noch wichtige Dokumente zu veroffentlichen. Auch der Krieg mit Granada, Marocco usw. tragt in seiner gauzeu Aufmachung religiosen Charakter. Es ist ein h. Krieg, ein Krieg des Konigs, aber auch der Kirche : Aquesta guerra no es voluutaria, aus es necessaria . . . a ell et a tota Christiandat. Per la qual cosa lo senyor papa no solament deu pensar, quel s. rey ha a deffendre solament la propria terra, mas la sua . . . Eaxi es la guerra de la esgleya com del s. rey! (Negociacions dipl. Nr. 29.)
— L —
Darum drangte sich iu romantisch - christlichem Drange, nachdem die eigentlichen Kreuzfahrten aufgehort, die vor- nehme ritterliche Jugend Europas zu diesen Spanienfahrten. So heisst e? einmal in einem Briefe Jaymes (Reg. 251 f. 118) zum Jahre 1316: Vidimus litteras vestras, in quibus signi- ficastis nobis, quod bene quingenti milites de melioribus Nor- manuie et Francie sunt inter se confederati et voto astricti €um propriis expensis ire contra inimicos fidei et maxime desiderareut in predicto negocio esse nobiscum, . . . petentes certiiicari secrete de voluntate nostra et si nos intendimus facere viagium hac estate contra fidei inimicos. Darum wird der Feldzug religios vorbereitet. Auch die Monche sollen mit: tamquani milites spirituales armis celestibus, heisst es in eiuem Briefe des IVIinoiitenministers Romeus Orticii (CRD 3668 zu 1309). Wie das Heer religios bearbeitet werden muss, ergibt unten Nr. 99. Vielleicht hat diese offentlich- religiose Stimmung in Zeiten der Not ihren charakteristisch- sten Ausdruck gefunden in einem koniglichen Erlass an den Patriarchen Johaunes vom 15. Marz 1334 (R. 529 f. 6). Der Brief ist von dem verehrten Minoriten A. de Canellis, dem konig- lichen Beichtvater, verfasst, wie es in einer Kanzleinotiz lautet, und wird 23 Stadten mitgeteilt, mit dem Auftrage, dass sie iiber die Durchfiihrung mit ihren Pralaten sich be- raten und die Ordensleute bitten solleu: ut in sermonibus et predicacionibus, quas ad populum facient, ista efficaciter au- dientium cordibus laboreut imprimere. Das Dokument lautet in seinem Hauptbestandteile:
Guerra divine iracundie, que famis, pestilentie ceterarunique tri- bulaciouum . . . flagellis diris ledat et vuluerat, est metuenda, . . . modo ■maxime, . . . quo tam extraneam, insolitam ac rigidam sterilitatis ino- piam generaliter . . . sentimus. Quia igitur divina Dei iudicia ad cor- rectionem,perversis vero acrebellibus ad dampnacionem didiscimus operari, idcirco corde contrito hanc paternam correctionem cum paciencia accep- tantes ad ipsius Dei patris pacandam oifensam sanctarum orationum studiis, ieiuniorum et elemosinarum cultibus, penitencie vero lamentis assumptis convertere nos opportet. Vestram igitur paternitatem provi- dam, quam ac hoc soUicitam iam fore credimus, cogente populi nostri angustia excitare decrevimus, quatinus exortationum vestrarum disposi- cionibus providis . . . excitentur ceteri ad agenda illa, que divinam flectant clemenciam ad sue gratie beneficia impendenda.
— LI —
Ueber die Stellung der beiden Herrscher zur Inquisition ist nicht allzuviel Material vorhanden. Dass hie und da all- gemeine Verordnungen zur Ausrottung der Haresie in allen ihren Landern erlassen werden (ordinaraus ac presenti sta- tuto inviolabiliter atque perpetuo firmiter stabilimus, quod omnes heretici, cuiuscumque secte nomine censeantur, elimi- nentur, extirpeutur et exterminentur de cunctis terris ... do- minacionis nostre, so Alfonso R. 529 f. 12 zu 1334), will oft nur als Einleitung zu praktischen Bestimmungen wie hier — Besoldung der Inquisitoren — gedeutet werdeu. Bez.eich- nender ist die Sorgfalt der Herrscher, dass sie in Inquisitions- sachen gehdrt werden, dass sie daa Vorgehen einleiten oder verhindern wollen, dass mdglichst vorsichtig und ohne Auf- sehen vorgegangen werde. So beauftragt Alfonso den Inqui- sitor Philipp Alfonsi super vita seu conversacione nobilis Ferdinandi Eximini de Arenosio „breviter et de plano" zu prtifen und dann zu ihm zu kommen (R. 524 f. 168). Wieder- holt winken die Kdnige ab oder schtitzen den Angeklagten; 80 Jayme Amald von Villanova, so befiehlt Alfonso seinem Bruder, der mit dem Bischofe von Valencia im Auftrage des Papstes eine Inquisition vorzunehmen hat, die Sache zur Ver- meidung von Skandal auf sich beruhen zu lassen, zumal Ber- nard Oliverii im kdniglichen Rate erklart hatte: multa fuisse apposita in dictis litteris [apostolicis], que per ipsum exposita non fuerant dicto domino pape (R. 526 f. 245). Wie der be- rtihmte Inquisitor Nicolaus Eymerici, der Verfasser des direc- torium inquisitorum, abgesetzt wurde, offerierte alsbald Pe- dro IV. dem Papste Innocenz VI. seinen Rat B. Ermengaudi, Magister in der Theologie, als besondei's tauglich. Dass zu dem Amte auch Persdnlichkeiten vorgeschlagen wurden, deren Verdienste nicht allein auf theologischem Gebiete lagen, habe ich friiher nachgewiesen : ein Inquisitor bekommt den Auf trag Klassiker zu beschaffen, wird zur Uebersetzung weltlicher Werke gedrangt und erhalt eine Expektanz auf das Inquisi- torenamt fiir solche Verdienste ^).
Wiederholte Inquisitionsfalle oder Untersuchur^gen be- fassen sich mit Minoriten, gegen die ihre eigenen Vorgesetz-
0 Vgl. Rubi6, Documents I Nr. 226, 365, 363, 420.
— LII —
ten strafend vorgehen, und die andererseits vom Konige geschiitzt werdeu, Es sind der von Jayme II. besonders gewUnschte Kreuzzugsprediger fUr Almeria Fr. Arnaldus Olibe, der frUhere Guardian in Saragossa Sanccius de Ayerbio und der konigliche Beichtvater A. de Canellis. Der Fall des ersten liegt ganz dunkel. Vielleicht hat er nur den Mund zu voU genommen, zu viel geschimpft oder Personlichkeiten kritisiert; der um 1310 abgesetzte Ordensgeneral Gunsalvus will auf Bitten des Kouigs Arnalds „excessus, quamvis enor- mes et dignos aspera ulcione dissimulare",al80 hingehen lassen; der Konig soll ihn nur im Zaune halten, damit der Orden vor seinen Ungezogenheiten sicher sei (Or. Perg. o. Nr.)
Die beiden andern Falle liegeu 20 Jahre spater 1329 und 1331. Es ist die Zeit der Flucht des Ordensgenerals Michael de Cesena und Occams, des Kampfes der spiritua- listischen Richtung gegen die Konventualen. Konig Robert und seine Gemahlin, Philipp von Mallorca, Friedrich von Sizilien, wahrscheinlich auch das aragonesische Haus neigen zu der strengen Richtung, zu den Gegnern des Papstes. In diesen Kreisen mUssen wir uuzweifelhaft die beiden andern Minoriten suchen. Sanccius hatte sich gegen den apostoli- schen Stuhl geaussert. Auf Bitten des Konigs verzieh ihm Johannes XXII., weil er seine Angriffe auf den Papst wider- rufen woUe. (Eius intuitu non faciet molestari guardiauum ordinis fratrum Minorum volentem retractare ea, que dixerat contra sedem apostolicam. Reg. 115 Nr. 982 im Vatikan. Archiv), Sanccius laugnet zwar, dass er das ihm Vorgewor^ fene gesagt habe; aber er will: publice contra errorera sibi impositum predicare eundemque errorem anathematizare, wie Alfonso dem Inquisitor Bernard de Podiocertoso schreibt. Er verlangt dafUr Einstellung des Verfahrens gegen Sanccius (R. 521 f. 7^ zu 1829). Scharfer geht Alfonso gegen den Pro- vinzialminister Petrus de Sauinacho wegen Belastigung des A. de Canellis vor. Dass er diesen besonders in sein Herz geschlossen, wisse der Minister, da er ihm bei anderer Ge- legenheit gesagt, er moge jenen in Ruhe lassen, wenn er iu seinem Lande bleiben wolle. Er wiederhole ihm das noch einmal bestimmt und ausdrUcklich und er scheue sich hierbei vor V^iner, auch der hochsten Personlichkeit nicht. Er werde
— LIII —
ihn gegen jedermann verteidigen. Wenn der Papst etwas von Arnald wolle, so werde er mit ihm verhandeln; er habe ihn schon beim Papste entschuldigt und der scheine darauf eingegangen zu sein, denn er habe ihm nicht weiter Uber Arnald geschrieben (R. 562 f. 237 ^). Auch dem General- minister Gerardus schreibt er ahnlich, wenn auch gedampfter. Arnald kommt in den Briefen der Zeit, besonders als Beicht- vater des Konigs, viel vor. Wiederholt schreibt der Kdnig, dass er ihn zur Beichte oder zum Troste sehen wolle. Ein paar Jahre darauf muss aller Groll des Papstes vergangen sein, denn Alfonso nennt ihn unter den Kardinalskandidaten und zwar vor Bernard Oliver! (R. 544 f. 27^)^).
Im Uebrigen enthalten Register und Korrespondenzen eine Fiille von Briefen der Vertreter beider Bettelorden au den Konig und von diesem an einzelne Ordensmitglieder. Geschenke und Stiftungen sind damit oft verbunden. Nur zum geringen Teile ist das Material fiir die Minoriten in den Estudios Franciscanos ausgeschopft.
7. Die Juden. Mit den Muhamedanern beschaftigte sich die Inquisition in diesem Zeitraume kaum, wenigstens fehlen mir die Belege; mit den Judeu nur wenig. Ea war noch die Zeit des mildeu Regiments und der vielfach an- gesehenen Stellung der Juden, wenn sie auch sehr holie Ab- gaben zahlten. So musste die Judenschaft einmal unter Jayme fUr einige Privilegien super usuris die gewaltige Summe von 160 000 sol. in einem Jahre erlegen (Judios Nr. 138). Von einem gewissen menschlichen und staatsman- nischen Empfinden zeugt, dass Pedro d. Gr. den Dominika- nern und Minoriten in Huesca gebot, bei den officiellen Be- kehrungspredigteu fur die Juden sollten sie die Teilnahme der christlichen Menge verhindern, damit kein Streit ent- stande (R. 41 f. 93' zu 1279). FUr die Zeit Jaymes und Alfonsos gibt es mehrere Beispiele, dass man aus mensch-
') Bischof Gasto von Gerona war angeschuldigt worden, dass er dem Papste den A. de Canellis gefangen zufiihren wolle. Er schreibt dem Konige, dass daran kein wahres Wort sei. Er sei nicht so ver- riickt, solche Dinge zu sagen: 1) sei er nicht machtig genug dazu ; 2) dass er dem Papst zuliebe nicht den Konig kranke; 3) no se hom el mon de religio, que jo tant ani, com fas lo dit frare A. e a^o sab el.
— LIV —
licheu oder finanziellen Grtinden die angeklagten Jiiden gut oder glimpflich behandelte. Die Gefahr, angeschuldigt zu werden, lag ja bei den judischen Aerzten wegen Totens, bei Kaufleuten wegen Betrugs und bei Angeklagten wegen fal- scher Aussagen sehr nahe. Menschlich schdn ist es, wie Infant Peter 1326 fllr einen alten Juden Salomon Caravida in Villafrancha eintritt. Salomon hatte bei wiederholtem Zeugenverhor einen Namen weggelassen und sollte nun ge- foltert werden. Sane, pater iustissime — Peter schreibt an seinen Vater — ex hoc recto iudicio nec vacillasse nec variasse aut contrarius sibi esse aliquatenus dici potest, cum plerumque eciam per viros sapientes talia de facili omittantur . . . Ea propter supplico, . . . quatenus dictum Salomonem supponi tormentis vestra clemencia nullatenus paciatur, . . . cum per- sone huiusmodi sic more Judayco timide questio seu tormen- tum posset esse mors (Jud. 13).
Der erste Inquisitionsfall, der unten erzahlt wird, ging fUr die Juden glucklich aus. Sie sollten eine Kirche be- schadigt, ein Muttergottesbild verunehrt haben. Der Inqui- sitor selbst woUte sie nicht bestrafen. Schlimmer wird wohl ein Fall aus dem J. 1305 beurteilt sein. Da erzahlt ein Do- minikaner dem Konig einen skandalosen Vorfall in Biel, wo er predigte und Beichte horte. Am Vorabend vor Maria Ver- kUndigung fragte ein Jude Isaak de Calema einen Christen, wanim man mit beiden Glocken lautete. Der erzahlte die Geschichte der VerkUndigung und darauf folgten gotteslastei"- liche Bemerkvmgen des Juden uber Maria, Christus und den Engel. Der Christ wollte ihn erst totschlagen, denunzierte ihn statt dessen, worauf Gefangennahme und merkwUrdiger Weise Freilassung seitens des Alcalden erfolgte. So ruft nun der Dominikaner den Schutz des Konigs fUr die Reli- gion und die Inquisition an. Wird der Jude nicht bestraft, lastert er weiter. Bekommt er nur Geldbusse, so soll sie der Konig haben. Was daraus geworden, liegt nicht vor.
8. Das Material uber die Provinzkonzilien von Tar- ragona *) ist ausserordentlich reichhaltig ; mehr als ein Dutzend zum guten Teile unbekannte Konzilien sind vom Ende des.
') Ein Bruchstiick aus dem 15. Jahrhundert (CRD Nr. 67) enthalt die Teilnehmerliste des Konzils vom 21. October 1266.
— LV —
13. Jalirhunderts an fiir die nachsten 50 Jahre nachzuweisen. Neben besondern Ereignissen wie Kreuzfahrten, die Templer- katastrophe, Sardinienzug ist es die constitucio Terraconensis vom Jahre 1246: Contra invasores et raptores rerum eccle- siasticarum („01im excommunicasse recolimus"), welche immer wieder wegen missbrauchlicher Anwendung Proteste des KO- nigs und der kOniglichen Beamten, oft in sehr gereizten Formen, hervorruft; besonders zeichnet sich als scharfer An- greifer B. de Fonollario aus. Zuweilen werden auch be- stimmte Falle aufgezahlt, wo die Bischofe oder ihre Vertreter iu die koniglichen Rechte eingegriffen haben. (Vgl. unten Nr. 44). Dann besonders R. 338 f. 13-18, 79 fP.: Sic in pluribus casibus fuerunt abusi [prelati] et abutuntur cotidie. Set isti fuerunt positi, quia de novo occurrerunt et accide- runt de presenti. Die Hofrichter konnen hier ihre techni- schen Fahigkeiten bekunden, auch ihre Neigung, wie die Legisten in Frankreich, die Rechte des Herrschers etwas vorzuschieben, Si hec vera existunt, schliesst begeistert Guilelmus de Jaffero seine Deduktionen : est opus exemplo !
Die andere zahlreichere Gruppe beschaftigte sich mit Geldbewilligungen ; daneben mogeu auch andere Dinge er- ortert sein, die aber in den Registern keinen Eintrag gefun- den haben. Zunachst pro sustentacione acquisicionis regni Sardinee. Ob das bedeutet: die Zeit nach der Eroberung? Dass also das Konzil friiliestens 1324 oder 1325 stattfand? Der Gedanke wiirde sicher mehr dem kirchlichen Empfinden entsprechen. Alfonso drangt sehr 1325 den Bischof von Vic den auf ihn falleuden Teil von Wein und Oel zu zahlen, da ihn die Gesellschaft der Peruzzi (in Florenz) drange, die seiner Zeit das Getreide geliefert habe (R. 408 f. 202). Die Summe muss stark gedriickt liaben, denn der Bischof von Tortosa lehnt die Bitte Alfonsos um ein Pferd ab, weil er Michaelis das subsidium racione viagii Sardinie per s. con- cilium zu zahlen habe; ebenso der Abt von St. Peter de Bi- suldino, weil er dem Kiinig mille sol. zahlen musste, aller- dings auch der Kurie 15000 sol. fiir seine Bestatigung.
Li den Jahren 1330, 1332 und wohl auch 1334 (1335?) fanden weitere Kirchenversammlungen statt; an zweien hat wohl Alfonso selbst teilgenommen : zuerst um der Kirche
— LVI —
inoglichst feieilich das ,,hoinenatge" zu leisten (ob fiir Sar- dinieu? docli wolil eher fiir die neu zu eroberuden inohanie- danischen Gebiete?), dann um neue grosse Geldsummen zu erhalten. Briefe seines Bruders bekunden, dass man auf dem eiuen Kouzil bis zum letzten Augenblick auf sein Erscheinen gewartet hatte. Ferner musste er sich auf dem Konzil 1332 verbiirgen mit einer Summe von 100 000 sol., dass der Ad- miral Friedrichs, R. de Peialta, Sizilien verlassen und nicht mehr gegen die Kirche kampfen wolle (R. 522 f. 158^, 244; 530 f. 200; 544 f. 8. CRD 3119. Pedro 234 s. f.) Auf der letzten Versammlung wurden ihin 12 000 Pfmid zugesagt. (CRD 3033).
Die kleiuern Streitigkeiteu, oder auch der Streit mit kleinern Personlichkeiten, z. B. der Bajuli usw. mit den Aeb- ten, werdeu in lebhafter Korrespondenz ausgefochten. Wahr- scheinlich waren es die euergischen Beamten wie B. de Fonollario, B. de Jorba, B. de Boxados, welche den Streit um die Regalien mit Bitterkeit fuhrten. Sie stachelten den Kouig auf, der sich daun wohl ausliess: Habebimus contra vos procedere, qui iura nostra ac nostras regalias novo veneno nititis conquassare, et alias in premissis providere taliter, quod vos et ceteri in similibus gratis curabitis abstinere! (R. 525 f. 137^). Zuweileu heisst es als selbstverstandlich : Officialis episcopi Gerundensis conaus pro posse opprimere indebite subditos regios. Warum? Weil er seine scriptores vou den Parteieu fiir Original uud Transsumpte auf einen Bogen 4 Pfeunige mehr uehmen lasst quam scriptores curia- rum vicarie et bajulie civitatis predicte (CRD 3079).
9. Diese gereizte Stimmung wurde durch eineu Abusus sehr gesteigert, durch das haufige Auftreten der tonsu- rati, d. h. der Laien, die sich die Tonsur gebeu liessen, um damit die greiflicheu Privilegieu zu geniessen, vor allem um sich der Gefahr der Bestrafung zu entziehen. Die Kirche war verpflichtet, fiir diese so oft Unwiirdigen das Recht zu wahren, und ohne dass sie es wollte, hat sie dadurch manchen Kou- flikt hervorgerufen. lu den Registern Jaymes liesst mau Band fiir Baud, ebenso in den Korrespondenzen, die Klageu iiber Uebergriffe von der eineu, und iiber Eingriffe bei den tousurati von der andern Seite. Einige Beispiele: Petrus
— Lvn —
Francisci de Xativa medicus, qui denunciatus fuit coram iusticia nostre ville de usu arcium prohibitarum et de operi- bus, que contra fidem catholicam faciebat, hat sich aus Angst schleunigst die Tonsur geben lassen. Die Untersuchung muss ergeben, ob er richtiger Kleriker ist (1324 April 20). Ein hoherer Geistlicher in Villafranca entdeckt viele Defekte bei den tonsurati (R. 528 f. 152^). Bischof Peter von Lerida veranstaltete eine Untersuchung gegen tonsurati pro eo, quia de nocte frangebant hospicia et multa vulnera inferentes: quidam sunt pelliparii, quidam sartores, es waren mehr als dreissig: Duo ex illis tonsuratis [ibant] per quamlibet eccle- siam civitatis dicendo aliqua verba inhonesta contra nos et ecclesiam Ilerdensem et inter alia, quod nos menciebamus per gulam! (12274). Ein auderer Bischof von Lerida hat einen tonsuratum gefangen, inculpatum de pocionibus, ex quibus uxor Dominici de Moris notarii IUerdensis dicitur obiise (R. 422 f. 116^). Wie tief das Uberall eingriff, ergibt sich aus einem Falle mit komischem Anstrich : Alfonso IV» hatte bei der Zusammenkunft mit seinem Schwager, dem Konige von Kastilien, einem Troterius, der diebischer Weise die ihm anvertrauten Hlihner einem Juden verkauft hatte, die Ohren abschneiden lassen, obwohl der Troterius beteuert hatte, dass er tonsuriert sei. So muss der Konig den Gross- poenitentiar Kardinal Gaucelm um Lossprechungsvollmacht ftir seinen Beichtvater bitten (R. 520 f. 267). Nach dem Berichte eines Archidiakons von Vic schor der Fr. Bernardus de ordine Minorum, vocatus episcopus Sagonensis [Bernardus de Monteto 1343 — 1359] gegen ausdriickliches Verbot zum Skandal f lir die Kirche und zum Schaden der koniglichen Juris- diktion primam tonsuram, que rasura pocius dici debet, jedem, der es haben woilte, Jung und Alt, Tauglichen oder Untaug- lichen, Verbrecher oder Unbestraften flir 3 sol. (Pedro s. f.) 10. Wie tief im spaten Mittelalter das Ehedispensver- fahren in die Politik eingriff, ist noch kaum untersucht. Und doch kann man von einer Ehepolitik der Papste spre- chen. Man beachte nur, dass damals die fiihrenden Herrscher- hauser in Frankreich und Neapel, Aragonien und Kastilien d. h. fast alle Herrscher des Westens und Stidens miteinander verwandt waren, und berlicksichtige ferner, wie stark das
— LVIII —
personliche Elemeiit im Staatsleben hervortrat, dass uicht der Staat mit der Kirche, Hondern der Konig mit dem Papste verhandelte, um den gewaltigen Einfluss und Vorteil zu be- greifen, den der Papst durch Gewahrung nnd Verweigerung der Eheerlaubnis besass. Die kanonischen Bestimmungen waren einfach und klar. Johann XXII. hat einmal ausflihrlich Al- fonso IV. seine kirchliche Ehepolitik auseinandergesetzt. Es geschah aus Anlass eines Eliegesuches fUr den Infanten Peter und die verwitwete Konigiu von Cypern, das der Papst ab- lehnte, (BruchstUck bei Raynaldi Ann. eccl. zu 1329 Nr. 88; ganz leg. Johannes XXII. Nr. 154). Statuta sacrorum cano- num non suut nisi pro necessitate et utilitate ecclesie muti- landa, ist der Leitsatz. Und er kommt zum Schlusse, dass weder „Notwendigkeit" z. B. zur Verhinderung von Kriegen und Verstimmungen noch „Nutzen" fUr die Kirche vorliege, wenn er die Tochter des mit dein haresieverdachtigen Lud- wig d. B. verbUndeten Konigs von Trinacria mit dem papst- treuen Hause Aragon verbinde. Im Gegenteil! Und.dann bespricht er in merkwUrdigen Wendungen die Macht der Frau tiber den Mann: Profecto, filiicarissime, si postetatem, quam sibi uxores in viros vendicant, attente consideres, non po- teris, ut credimus, aliud, quam dicimus, opinari. In heftigen Wendungen tadelt er die Worte des Gesandten: Si nos dis- pensationem huiusmodi concedere negaremus, quod prefatum matrimonium nichilominus compleretur. Ein solch „detesta- bile crimen" konne der Konig nicht wollen; habe es ja auch selbst nicht gewagt, als man frUher erziihlte, er, Alfonso, werde die Konigin „sine dispensatioue'* nehmen. Geschichte und h. Schrift, Konzilsk^nones uud Vernunftgriinde mUsseu herlialten, um den Konig von dem zweifelhaft befurchteten Schritt abzuhalten, Und am Schlusse bittet er in auffallig feierlicher Form, Alfonso moge den Brief sich gut Ubersetzen und ihn iu seinem Rate durchsprechen Jassen.
Die zahlreicheu Dispeuserorterungen dieser Zeit konnen hier uicht einzeln behaudelt werden. Eine Fiille von Stoff ist iu den drei Banden zum Kapitel Ehepolitik zusammen- gehauft, mehr vielleicht als in irgeud einem andern Werke. Bonifaz' VIII. Bemuhungen den Frieden von Anagni mit einem EhebUnduis der bisherigen Gegner zu kronen, gelang aufs
— LIX —
gllicklichste, wahrend die Versuche, Friedrich eine passende Verbindung in der Ehe mit der Kaiaerin Katharina von Kon- atantinopel zu verschaffen, misslangen. Die spateren sicilischen und mallorcanischen Ehen voUzogen sich nur zum Teil unter seinem Einflusse.
Wie die Kinder Jaymes und Friedrichs heranwuchsen, mehrten sich in den zwanziger Jahren die Dispensgesuche bei Johaun XXII. Der Papst war nicht leicht zu bestimmen; er erwog und schleppte hin, wo Bedenken vorlagen, natiir- lich nicht zum Behagen der drangenden Parteien. Seine Grundsatze wurden damals nicht immer erkannt und gewUr- digt. Besonders weun er so schroff ablehnte wie in folgen- dem Falle:
. . . Excellencie vestre literas super facto dispensationis pro nobili viro Jacobo domino de Xericha obtinende domino pape presentavimus. <^uibus presentatis exponentes sibi supplicacionis tenorem, qualiter vestra regia celsitudo eidem aifectuosissime supplicabat, quod prefatus nobilis, qui de vestra regali stirpe procedens, intima affectione dilec- tus, posset dispensative cum (luacumque in tercio gradu parentele seu affinitatis sibi coniuncta matrimonio copulari. Et statim respondit, quod non dispensaret cum eo, nisi exprimeretur persona, cum qua in- tendit contrahere dictus nobilis et causa inductiva ad dispensandum. De causa leviter homo transit, licet non sit evidenter necessaria. Id- circo magnificencie regie placeat de dicto negocio disponere iuxta Yotum. (CRD 639 s. f .).
Man wird aber sagen diirfen, dass er das kirchliche In- teresse sich stets vor Augeu hielt. Freilich zeigte, mensch- lich gesprochen, seine Uuerbittlichkeit dem Hause Friedrichs von Sizilien gegeniiber grosse Harte. Er war fiir keine Dis- pens zu gewinnen, weil er dadurch dem Gegner der Kirche niitzen wiirde. Und so beklagte Friedrich es bitter, dass Johann die standesgemasse Unterbringung seiner Kinder ver- hindere. Das Ende der zwanziger un der Anfang der dreis- siger Jahre ist angefiillt mit Ankniipfuugsversuchen Fried- richs ; es sind bose Ausdriicke auf beiden Seiten damals gefallen '). Die Verhaltnisse waren besonders peinlich ftir Jayme und seinen Sohn, denn sie konnten nichts erreichen, da Friedrich seiner kaiserfreundlichen Politik treu blieb.
*) Bernard de Sorriano: Papa . . . axi com aquell, qui no faria ne cousentria nenguna res, que fet profit ne honor del s. rey Fradrich. <CRD 13319).
— LX —
VieL kulturgeschichtlicher Stofif findet sich in diesen Aktionen zerstreut: Urteile Uber Alter und SchOnheit, Reich- tum und Wertschatzung der Familie neben dem gewohnheits- massigen: fame preconium, morum elegantia, pulcritudo spe- ciosa ac multa merita virtuosa ^).
') Konstanze von Cypern wird bezeichnet: in annis iuvenilibus constituta, de qua tenetur indubie . . . sue virginitatis florem habere ex defectu d. quondam regis mariti sui, qui ex supervenientibus sibi multis infirmitatibus omnimode impotens factus fuit. Habetque pinguem dotem, videlicet iocalia et mobile suum, . . . quemadmodum aliqua reginarum et etiam percepcionem annuam et rendualem in regno Cipri in valore libr. XII. mill. (R. 339 f. 364 v). — Karolus de Ebroycis, Bruder der franz. KOnigin, hat VI mill. libr. Tur. in anno, quod multum exiguum €8t in partibus illis. — Papst: quod erat nimis antiqua ! Lobt die Tochter des Fursten von Tarent, jung, schiin. — Antwort : Ja, zu wenig Geld. — Papst: Wie viel? — Antwort: 30000 Goldgulden. — Papst: Sei genug.
1. (Konig Pedro III. von Aragonien an Papst Martin l\?.): Empfang des Schreibens liber das h. Land, wonach der Konig den Zwist zwischen dem franzosischen und kastilischen Konig beseitigen helfen und sich zum Zuge ins h. Land riisten solle. Verspricht beides. Alzira (1281) December 3.
Samnio pontifici ex parte dcnnini regis. .Sanctitatis vestre litteras ac uuucios speciales, scilicet veneraljileni ac .sapientem virum . . episcopum Grossetauum 'j ac discretuni virum ^Vfars- siliensem prepositum ^), consiliarium nostruni dilectum, rece- pimus tam reverenter, ut decuit. {|uam gratanter. Ex quibus manifeste percepimus bonitatem vestram circa prosperum ac sacrificum or1)is statum paterna sollicitudine vigilare ac circa Terre sancte afflictionem ])ia compassione oportuua remedia adhibere. Cum enim intentor malorum diabolus, christiani nominis inimicus, discoi'diam suscitaverit inter illustres reges Francorum et Castelle, quam (|uidem discordiam, non sit du- bium, pericula multis affere ac siguauter Terre sancte nego- cium disipare, provide decrevistis de consueta sedis apostolice providentia reges pi-efatos per nuncios et littei'as ad concor- diain invitare ^) . . . Nos etiam valde pie dignati estis super utroque requirere ac rogare, ut et ad predictoruin reguin concordiam vel saltem ad treugam longam operam efticacem daremus et nichilominus ad predicte Terre sancte succursum crucem reciperemus et ad transfretaudum nos personaliter pararemus. Su])er quibus benediceutes Deum . . . sanctitati vestre hoc ordiue ducimus respondenduui : quod j^redictorum regum . . . pacein desideramus et omnimodam coucordiain af- fectanuis. Ob negocii igitur Terre .sancte exigeuciam ac precum vestrarum obedienciam . . . prefatam treiigam efticaciter tracta- bimus toto posse. Et ecce, pater sanctissime, litteras vestras ac uuncium uua cuin prefato episcopo Grossetauo ad illustrem regem Castelle mittimus . . . Super crucis vei"o receptioue •*) ac
;i) Heg. receptioiiem.
') Bartholomneus de Anielia Ord. Miii. -) Hugo de Mataplana, .spiiter Bischof von Saragossa. •^) Vgl. G. Danniet. Mc^nioire siir h's relations de la Fraiice et de h\ Oa.stille de 1255 a 1322. S. 72f.
— 2 —
uostra transfretatione, que super oinnia insident cordi uostro, sanctitas vestra . . . prefato episcopo fidem adhibere dignetur in iiiis, que circa materiam illam beatitudini vestre ex parte noatra duxerit exponendum . . . Dat. Alyazire III. nonas De- cembris.
Reg. 47 f. 111. Fehlt bei Carini, Gli archivi e le biblioteche di Spagna II (1884) p. 37 ff. Das Schreiben ist auch fiir die allgemeine Politik nicht unwichtig. Vgl. O. Cartellieri, Peter von Aragon und die sizilianische Vesper (1904) S. 78 f. Besonders S. 79 Anm. 2. Deni Brief folgt:
Memoriale pro parte domini regis Aragonum venerabili episcopo Grossetano.
In primis, ut plenius circa passagium possit deliberare cura amicis, subditis et vassallis suis, petit certificari, si placet Roraano pontiiRci, utrum ipse per se debeat transfretare vel cum societate scilicet cum aliquibus principibus simul, et si cum aliis, cum quibus. Et si solns habeat transfretare, cum quanta multitudine bellatorum; si vero cuni aliis principibus, cum quanto similiter numero bellatorum.
Item in quolibet casuum predictorum quam quantitatem dabit do- minus papa eidem regi pro militibus et bellatoribus, qnos ducet secum. Item quod consilium adhibebitur per dominum papam, quod ipse possit esse et stare in partibus transmarinis, scilicet in locis regis Sicilie prop- ter inimicicias, quas ipse et filii sui habent cum eo.
Item cum contingeret ipsum ad aliquem locum illorum parcium declinare, qualiter providetur sibi, quod reciperetur ibidem et quod eius mandata presidentes in ipsis locis servareut in subsidium Terre sancte.
Item qualiter providebitur, ut ea, que ipse ordinaret super treugis et similibus, alii christiani existeutes in partibus transmarinis observa- rent, cum ex tali discrepancia multa dampna passa fnerit Terra sancta.
Item loca, que adiuvante domino prefatus dominus rex acquiret, cni adquirerentur.
Item si dominus papa velit sibi per nuncium respondere super istis, quod det potestatem ipsi nuncio ordinandi et firmandi ex parte domini pape ea, que inter eos acta fueriut super ipso passagio.
Eine Antwort des Papstes und weitere Verhandlungen fehlen iu- folge der sizilianischen Vesper. Am 7. Dezember (f. 113) schrieb Pedro an Ordonius ep. Tusculanus, er erfulle seine Wiinsche (u. a. Bitte fiir seinen Bruder Aluarus Didaci) dann: Aifectionem habemus ad pronio- cionem Massiliensis prepositi ad Cesaraugustanam ecclesiam, ad quam electus extitit, sicud nostis. Nos etiam ex relacione fideli pro certo didiscimus, quod ipsius prep. Massiliensis promocio ad prefatam Cesar- augustanam ecclesiam totaliter est in vobis, cum eius adversarius nollet nec auderet a vestris beneplacitis in aliquo discrepare. — Aehnlich an ep. Portuensis und an Matteo Rosso. Carini p. 43 f. nur unklare Notiz. Trotz der Bitte wurde der Gegner Fortunius de Verguu zunachst Bischof
— 3 —
und erst um 1289 priviert, woratif daun Humo von Mataplana providiert wurde. Vgl. Eubel, Hier. cath. medii aevi p. 158 nicht ganz korrekt und L. Kliipfel, Die aussere Politik Alfonsos III. von Aragonien, S, 139. Im selben Jahre hatte Pedro am 1. Mai um die Kanonisation des Bischofs Ollegarius von Barcelona den Papst gebeten und am 8. August um die Kanonisation Raimunds vou Peflaforte (p. 102 ^ und 109 ▼). Merk- wiirdig ist Pedros Schreiben vom 23. Oktober (1284) an den Papst. Die Abtei Montis Aragonum ist erledigt, que immediate ad sedem apostolicam dignoscitur pertinere. Prasentiert seinen Bruder Ferrandus. Am selben Tage schreibt er an Ferrandus: Predictam abbaciam . . . cum omni pleni- tudine iuris sui, prout ad nos et predecessores nostros melius et plenius dicta collacio potest et poterit pertinere, vobis ducimus concedendupi . . . De qua quidem abbacia et eius regimine vos per nostrum anulum in- vestimus.
2. (Konig Alfonso III.) an den Marschall und Konvent der
JohannHer: Heftige Klagen Uber das Verhalten des Ordens
gegen ihn und insbesondere Uber die Behandlung zweier
Ordensritter. Barcelona 1288 Juni 22.
Marescallo et conveutui sacre domus Hospitalis s. Johauis Jherosolimitani salutem et Deo ac cesari reddere, quod de- bent ') . . . Per ea, que nunc de novo magister vester contra nos et houorem uostrum comisit, prout per mercatores et alios fidedignos comperimus, iuimicorum uostrorum ductus consilio, ipsis placere ac coutra nos eisdem aplaudere cupiens, turbato cogimur animo credere, quod predicta per fratres vestros con- tra patrem nostrum ac nos iuiuriose patrata de vestra fuerunt consciencia perpetrata, Non enim existit credibile, quod ma- gister vester, si prudens est, sine vestro consilio hoc fecisset. Ipse enim dominos fratres vestri ordinis, fratrem scilicet Bo- nifacium de Calamandrana, consanguineum nostrum karissi- muni, ac fr. R. de Ripellis, dilectum uostrum, viros utique niagne nobilitatis, magne discrecionis ac magne religionis, per quorum disci"eciouem, laudabilem conversacionem ac fame sereuitatem ordini vestro multum accrevisse credimus, non
') Zuerst erinnert er an die Liebe und Gunst, die seine Vorfahren dem Orden ervviesen haben. Trotzdem haben hervorragende Glieder des Ordens gegen seinen Vater und jetzt gegen ihn sich verbunden. Einige sind mit der franzosisclien Armada in sein Land gedrungen. Er habe geglaubt, dass das nicht mit ihrer Einwilligung geschehen sein konne.
— 4 —
propter ipsoruni culpani set in uostri dedecus et iuimicoruni nostrorum favorem, eo ipso quod consanguinitate, naturalitate et amoris sinceritate eos uobis noverat esse coniunctos: ipso- rum alterum in Arineniam cito moriturum propter illius regni infeccionem aeris destinavit, alium vero ad uos cum ambaxiata seu legacione frivola duxit cum eins quadam ignon)inia remi- tendum. Nou hec predecessorum nostrorum ac nostri bene- ficia ordiui vestro collata, iion hec predictorum fratrum opera meruerunt, uon sic vester magister in sue promocionis iniciis promisit honorem nostrum per suas litteras procurare . . . Dat. Barchinone X. kalendas Julii. Prepositus Marsiliensis.
Reg. Alfonsos 77 f. B. Vorher am BO. April hatte er an den Ordens- meister G. de Vilaret geschrieben, wie sehr er die sclilimme Lage des heiligen Landes beklage und dass er nicht helfen konne. Ihn hindere der Krieg im eigenen Lande. Er sei doch bereit, jedem Rechenschaft zu geben und habe ofter Gesandte an die Kurie gescliickt. Credimus, quod in brevi venerabilis ac dilectus consiliarius noster frater R. de Ripellis erit in partibus ultramarinis et rogavimus eum, quod in presencia vestri predicta lacius curet verbotenus enarrare. Dat. B. IL kal. Maii.
Simul magistro s. Marie Alamannium et quod mitet aliquem de consiUo suo.
Ueber Bonifacius de Calamandi-ana vgl. Hans Rohde, Der Kampf um Sizilien (1913), vor allem Kap. 3f. Er ist Vertrauensmann Karls II. wie Jayraes II. Eine grossere Anzahl von politischen Schreiben der Jahre 1293 und 1294 sind an ihn gerichtet oder erwiihnen seine Tatig- keit z. B. im Reg. 98. Ich lasse hier zwei Schreiben folgen Reg. 98 f. 84 f. teilt Jayme vielen Edlen und Stadten mit: Significamus vobis ill. regem Castelle, karissimum socerum nostrum, et ven. fr. Boniffacium de Cala- mandrana missum per dictum regem Castelle ad. ill. regem Francie et Karolum regem Jherusalem super tractatu pacis nobis noviter per eorum litteras scribsisse per dictum regem Karolum paceni tractatam inter nos et ipsum et alios hostes nostros fuisse cuncorditer refformatam ac eciam per eundem subditis suis mandatum fuisse per universani terram suani, ne malum faciant . . . per mare neque per terram gentibus terre nostre et nos asimili volentes idem volumus, . . . ne ali^iuis de cetero terre seu subditis regis Francie et regis Karoli ... et . . . Jacobi avunculi nostri... malum inferant. Dat. Barchinoue 11. uonas Madii. (1293). Aus der Sache wurde dann zunachst nichts; cum racione quarundam condicionum, super quibus nos et hostes nostri predicti non potuimus ad invicem concor- dari, tum etiam quia in sede apostolica summus pontiffex uon erat, per quem pacta et condiciones inter nos et ipsos hostes nostros inite pos- sent, ut expediebat, aprobari ac eciam contirmari (^So Jayme II. an die Grossen, um sie von innern Zwisten abzuhalten, am 28. August Reg. 98 f. 281 V). Am 22. August hatte er (f. 289i geschrieben :
— 5 —
Regi Castelle. Rey, fazemos vos a saber, que fray Bonifacio de Calamandrana vino a nos a Taracona e dixo nos. quel rey Karlos a grand instancia del e por el su ruego lo avia enviado a nos sobresto, que nos aviessemos treugua con el rey de Franca e con el dito rey Karlos e con don Jayme nostro tio per algun tiempo e que dentro el tiempo de la dicha treugua el dicho rey Karlos tractarie con el rey de Francia e con el dicho nostro tio sobre aquellos puntos, que nos con ellos contendiamos adhu sobre aseguramento de la dicha paz en tal manera, quel tractamiento de la dicha pac viniese a buen acabamiento. On, rey, veyendo, que esto podia seer a honra a proveyto vostre e nostro e de nostra tiera, otorgamos le . . . Dada Taracona XXII dias andades del mes de Agosto (1293). — Weitere Briefe an Bonifacius de C. f. 292 und Reg. 97 f. 256, nachdem er in Jonquera treuga gegeben: usque ad tempus creacionis primi futuri Romani summi pontifficis et abinde in antea usque ad unum annum continuum et completum (Reg. 97 f. 161). Vgl. auch Acta I Nr. 10.
3. Cervia ^a Riera an Konig Jayme von Sizilien: Anltunft eines Schiffes mit Salz aus Sardinien in Palermo, zugleich Ankunft eines Gesandten des Crafen Guido von Montefeltre und der Stadt Pisa. Anhangiichkeit des Grafen an ihn. Wenn Jayme will, kann er mit geringen Ausgaben Herr von Pisa und ganz Toskana werden. DieGibellinen befremdet seine geringe Unter- stiitzung, da die Guelfen von Konig Karl als Kapitan den Sohn Eimerichs von Narbonne bekommen haben. Trapani (1289)
August 15.
Al molt alt, molt noble e molt poderos senyor lo senyor en Jacme , . . rey de Cisilia e de tot lo regne Cervia ^a Riera . . . Senyor, sapia la vostra gran altea, que disapte XIII jorns en Agost vench la vostra nau major el port de Palerm, el dil- lums a avant fo ab mi en Johan Sestany recomtam, com avien carregada la nau de sal en Serdenya . . . Encaram dix, que vench ab el ensemps en la nau un missatger, quel comte G. de Moutifeltre e la universitat de Piza trameten a la vostra gran altea per nom Paganel de Vi^ '). E descubris al dit Johan Sestany dalscuns fets e especialment dun fet, que tocha a venda de forment . . . Conte encara lo dit Johan Se- stany, luel major desig, qui fos anch el mon de negunes jens
0 Vgl. uber ihn Acta S. 234 und Reg. 95 f. 136 v, wo Zahlungs- anweisung fiir iudex Paganellus de Vico, pro eundo ad aliquos principes . . . et veniendo ad nos. (1292) Oktober 15.
— 6 —
es aquel, que an de la vostra grau senyoria e la gran anior e la gran benvolensa, quel comte, senyor, vos porta, no es per dir ne per contar . . . Aytambe li dix lo comte, queus de- gues dir lo dit Johan Sestany, que, si vos, senyor, vos voliets, que ab pocha de mesio, que vos, senyor, ne fariets, puriets esser seuyor de Piza e de tot lo comtat e de tota Toscana. E si asso, senyor, vos tardavets trop, diu lo comte, coin vos voliets, uo poriets. E tota la part Gibelina sentrenyore molt, com alcun esfors de vos no an, per so com los Gelfs an so- co]"s e gran ajuda del princip els a donat per capita lo fil de Neymerich de Narbona, qui esta a Lucha. E dien, que, si avien alcun esfors de la vostra altea, que tots lurs enamichs, per molts que fossen, cuydarien vensre . . . Escrita eu Trapena dilums XV. dies en Agost.
CRD ohne No. Or. Pap. Ssp. Guid(j vou Moutefeltre, der beriilrmte auch voii Daute ervvahute Heerfiihrer, war damals Podesta iu Pisa. lch verzeichne uoch folgendes Schreibeu Alfousos an ihn: Nobili et dilecto Guidoni comiti Montisfeltri Pisanorum potestati et capitaneo generali gerre comunis dictorum Pisanorum necnou et dilectis concilio etcomuni Pisarum: die mercatores Catalanorum in Pisa habeu den OpiczoStelari(?), ihreu Burger, Sohn des vergtorbeuen Hugo, zum Konsul gewahlt. Da er einwiliigt, bittet er ihn als solchen anzusehen. (1289) Juni 10. Reg. 73 f. 86 V.
4. Berenguer de Vilaragut an Jayme von Sizilien: Nachrichten, dass (Konig Karl 11. von Neapel) seine Tochter Karl von Valois mit GUterbesitz in der Provence gegeben; \?erzicht des Valois auf Aragonien; 6esandtschaft an die Kurie; Heirat Alfonsos III. mit der Tochter des englischen Konigs; Unmog- lichkeit der Ausrlistung einer Flotte fclr Accon durch Benedikt Zaccaria; Sendung Johanns von Procida nach Rom durch Jayme; Friedensaussichten; Schiffsnachrichten. (Friihjahr 1290).
Al mout alt e mout noble e poderos senyor en Jacme per la gracia de Deu rey de Sicilia e del ducat de Pula e del principat de Oapua, Berenguer de Vilaragut en vostre gracia se comana. A la vostre seyoria, seyor, per ma letra fas a saber, quen Palerm naus de Jenoveses son vengudes e an aportades letres, qui son trameses de mercaders a merca- ders e qui son estades fetes en Jenoa e eu altres parts e una gran partida de les letres, qui vengudes son, sacorden
quax a un dir e recointeu aqueles letres, quel Prinse ') a dada sa fila ha Karlot de Fransa ') e donali eu dotz lo comtat Danjou e encara castels e teres, qui per el se tenien en Fransa, e el renonsia a la donacio, que li era estada feta Darago e de Cataluya e que torna els privilegis enderer, e dasso que eren ja euviats missatges a cort de Roma a despeusar ^) sobre aquest matrimoni, encara quel matremoni devia venir a aca- bament del rey Darago, frare vostre, e de la fila del rey Danglaterra *). Encara, seyor, comten mes les letres, quen Proen^a nos fa neguna armada ne en altre part de la [terra] pel rey de Fransa ui per altre, ne axi poc el rey de Fransa sapareyla per terra. E atresi dien mes, seyor, com ja creu, que ajats eutes, que Beneto *) Zacaria no a pugut neguna res armar en Jenoa ne en la ribera qui con el creya fer aqu- berta, que deia, que vulia armar per anar en Suria, aus es fet establiment en Jenoa, que neguu hom de mar non pot exir en nau ni en altre leyn, si abans no donen segurtat, que els en neguna armada no monten. E per aquestes dites no- veles, seyor, vos porets guarnir de tals cozes, que aviets en prepost de fer, que us en porets remanir, estes vos sots savi faretsne so, que mils vos para.
Encara mes comtaven, seyor, les letres, que quant les naus partiren, que avia haut un missatge en Jenoa, qui era del regue e venia de Fransa, quel trametia el Prinse e en- con.tinent, que el hoi dir, que miser Johan de Proxida era per vos trames en Roma, el partise de Jenoa e cavalca, aytant com el pus pot, per anar a miser Johan, e comta aquel mis- satge a vostres amics Jenovezes, quil ne demanaren, per quin fet el era vengut ne que sabia desta guerra, dix per sert, que tot ben ne seria e que hivassozameut ab la volentat de Deu ne veuriem pau. Per quem paria, seyor, que per so cor totes les noveles sacorden, quem breument no i erem en
aj Eher Deneto, aber er hiess doch Benedict.
') So geuauut (von Saleriio) nach seiner Gefangennahme bis zur Aussohnung- mit Jaynie.
*) Die Heirat mit Margarete fand statt am 16. August 1290. Vgl. J. Petit, Charles de Valois (1900) p. 17 f.
^) Die DispensbuUen sind vom 24. Mftrz 1290.
*) Die Verliandlungeu dauerten schon lange. Vgl. Klupfel S. 10.
veurem tot ben ; a Deu placia, ([ue sia axi, com vostre cor desiga.
Ja, seyor, per mes letres e per P. Busot, que lii e trames, vos e fet saber, com avem dat enviament a la nau den Rages e encara com entenem de fer comptar a la nau de Neymeric Duzay ') e so que entenem de fer a la vostre e aso a fer, que ja us avem fet saber, seyor, tramesem en Johan Sestany e ab 80, que uos li acoregem a acaparades ben IIII milia salmes de gra. Per que, seyor, a mi totes coses no basta moneda, que segur siats, seyor, que a tots los espeegaments, que a ara per vos jo euteu a ajudar, (pies recapteu, son ines- ter ben M. DC uncias, so es enfre la nau den Rages e la vostre nau el altre, que avets ab Neymeric Duzay, e encara aquels Dansaldo Marabot . . . De tot so, que jo fasa, seyor, vos scriure encontinent. P. Busot, seyor, que jo tramisi a la seyoria vostre, enforme jo, que us deges dir totes les cozes, que jom pense, quen vostre profit pusquesen esdevenir. Si per aventura, seyor, el en algunes cozes ensendir falia, ages- sets na rapendre la simplea sua.
CRD Teraplarios, No. 204. Ein Brief des um diese Zeit ofter ge- nannten Johannes Sestany an Jayme berichtet dasselbe, teilweise kiirzer, teilweise mit denselbeu Ausdriicken. Er beginnt: Sapia, seyor, la vostra gran altea, que en Palerm a vengudes moltes naus de Genoueses, en les quales naus a vengudes moltes letres e compaynes de Toschans e daltres gens. Und unten: Enquara mes, seyor, quen Benyt Gagery (ersteres mit Abkiirzungszeichen, letzteres am Schlusse unsicher) volia armar en Yenoua per anar en Acre, el comu nolin a donat leco (?), que aya armat en Yenoha ne en la Ribera. Dieser Brief (wahrscheinlich auch der obige) ist geschriebeu en Palerm XV. yorn de Mars.
5. Konig Alfonso ill. an den Templermeister G. de Bellojoco und den Tempierkonvent: Ueber das Ungluck des h. Landes. Gestattet ^usfuhr von Hilfsmitteln trotz des Krieges im eigenen Lande. Bittet um die Ernennung eines tuchtigen Katalanen zum Provinzialmeister. Gerona (1290) April 27. Viris venerabilibus et dilectis fratri G. de Bello joco do- morum milicie Tenipli magistro maiori et conventui domus Templi in Ultramarinis partibus constituto salutem etc. Con- sideratis malis ac dampnis Terre sancte illatis per inimicos
') Ueber ihn Acta S. 744 f.
— 9 —
fidei, ut per veuerabilem et dilectum nostrum fratr«m Beren- garium de s. Justo, magistrum milicie Templi in Aragonia et Cathalouia, nuper intelleximus, fuimus inde non modicum ad- gravati. Sane cum dictus frater Berengarius nobis instanter supplicaverit, ut de partibus nostris equos, arnesia, arma et quasdam alias res permitteremus ipsum extrahere in restau- racionem et auxilium dicte Terre: licet illa essent nobis et terre nostre plurimum necessaria racioue guerre, in qua sumus, tamen ad honorem Dei, qui in dicta gerra nos et gentes nostras contra inimicos nostros iu iure protegit et deffendit et ob vestri dilectionem illud eidem magistro libera- liter duximus concedendum. Et quia maiorem graciam seu auxilium super predictis non facimus de presenti, novit divina clemencia, quod nobis multum displicet, quia racione gerre predicte aliud quoad presens super ipsis facere non possumus. Preterea cum in partibus nostris ille, qui in castris et villis per predecessores nostros Templo coUatis pro nobis *) regit officium magistratus, possit nobis plura servicia facere circa ordinacionem bonam terre nostre et in pluribus nobis consu- lere et dirigere actus nostros, rogamus attento dilectionem vestram, quatinus aliquem Catalanum in magistrum amore nostri et precibus eligatis et ad has partes trausmitatis talem, de quo confidere possimus ; et sit antiquus, providus et dis- cretus ac idoneus ad predicta et qui sciat consilio et auxilio nos iuvare. Rogantes vos insuper, quatenus de arditis ipsa- rum partium nos certificetis per literas vestras, quam cito obtulerit se facultas et regraciabimur illud vobis. Et si aliqua placent vobis de partibus nostris, uobis cum fiducia rescri- batis. Dat. Gerunde V. kal. Maii. P. de S. mandato prepositi.
Reg. Alfonsos 73 f. 80 f. 81 v vom G. Mai ein anderes stark unleser- liches und schlecht stilisiertes Schreiben an den Ordensmeister: Empfang seines Briefes (pridie), der captiouem terribilem civitatis Tripolitane et eiusdem populi laraentabiles et inhumanas dispersiones diversas nec non et opro[brium], irrisiones et contumelias enthalt, die die Christen unter dem imperium soldani Babilonie erleiden. Es schmerzt ihn, dass er nicht helfen kann. Es sei aber dem Ordensmeister wohl bekannt, qualiter Roraana ecclesia, unde iura nasci et . . . ^) defensiones consue- verunt, huc usque per generalem crucis predicacionem, rege Prancorum, Gallicis et aliis diversis nacionibus convocatis contra nos innocentes et paratos ac offerrentes tam ipsi ecclesie quam regi Francorum stare,
a) So Reg. b) Loch fiir ein Wort.
— 10 ~
suos a) exercitus terribiles et iimumerabiles destiuavit i»), (jui cuntiuue et iuumaniter per (luinquennium et ultra uos et terram uostram hosti- liter iiipugnarent, convertentes predicacionem crucis, ([ue consuevit fieri in subsidium Terre sancte, et thesauros ecclesie ad liberacionem illius per universuni orbem tei*rarum congregatos ad adqnisicionem i'egni nostri. Sein Land, dessen Herrscher der Herr uuserwahlt zur Ausrot- tung der Barb.iren und zu ihrer Gewinuung fiirs Christentuni, wolle die Kurie dicioni subdere Gallicorum. Set nichilomiuus magis compatimur Terre sancte precioso Cliristi sanguine rubbricate, et quam Deus in hereditatein elegit sibi, quam proprie terre. Gestattet die Ausfuhr von Pferdeu usw. Dat. Barch. pridie nonas Maii anno nonagesimo. Vom 23. Mai schreibt dann Guilelmus de Bellojoco au die Konigin Mutter Konstanze": Cum . . . vestre littere continerent. quod responcionem, quam dominus rex Sycilie habuit ab ecclesia, audiremus per dominum Johan- nem de Grilii, sciatis, quod in confeccione presentium nichil adhuc audivimus, quia dictus dom. Johannes nondum venit ad partes istas. Nos enim c) rogamus excellenciam vestram, quatenus velitis iuterponere preces domino regi, quod conservet nobis privilegia et libertates nostras. Nam scitis, quod totum illud, quod liabemus in Aragonia et in Sycilia, totum habemus et habuimus a predecessoribus dicti regis, qui semper ampliaverunt libertates uostras. Similiter, quod pennittat, si placet, divine pietatis intuitu, onerari naves nostras in regno suo et libere extrahere de terra sua victualia, equos et arma veniencia ad succursum et subsidium Terre sancte. Pieces autem, quas nobis pro fratre Guilelmo de Canellis fecistis, si possemus, libeuter effectui debito mandaremus, set uon possumus servando constitutiones nostras, quia consuetum est, quod nos revocamus ballivos nostros de quatuor in quatuor annis, alio- quin domus nostra destitueretur. Dictus autem frater Guilelmus se ad nostram presentiam conferet et reddita ratione uobis et nostro conven- tui in geuerali capitulo nostro postmodum vel de ipso vel de alio pro- videbimus in Sycilia, prout vestre et regali placuerit voluntati . . . Dat. Accon die XXIH. Maii. Or. Perg. Ssp. An Johanues de Grilli |GreIiacoJ schreibt Jayme II. (Reg. 252 f. 93 ^) am 7. Juli 1294): Er kenue seine Gesinnung; jetzt erfahre er noch besonders durch einen Brief des Boni- facius de Calamandrana von seiner aflfectio. SoIIe fiir den Frieden mit Kgrl und der Kirche mitsorgen. Ueber Johannes fand ich noch folgen- den, schwer zu datierenden Brief des Ordensmeisters G. de Villareto (Or. Perg.): Excellenti principi suo karissimo domino Jacobo Dei gracia regi Aragonum Valencie, Maioricarum et Murtie illustri et comiti Bar- chinone frater Guilhelmus de Vilareto eadem gracia s. domus Hospitalis s. Johannis Jerosolimitani magister humilis et pauperum Christi custos salutem et promptum iu possibilibus famulatum. Quanto plus succedit tempus, tanto ferventius vestris comodis et honoribus insidemus. Nempe, quia vestra uon ignorat regalis sublimitas, qualiter, quando commissum fuit vestre regie potentie Terre sancte pondus, exultavit in gaudio cor
a) Vorher per, doch iiberfliissig? b) destinare Reg. o So Reg.
— 11 —
nostniiii et exaltacionis accievit materia, utpote de illo, in cuius auc- niento prosjperitatis uostre meutis coufoventur desideria, ex eo quod confidimus in domino, quod in tidei christiane exaltationem ac honorem vestri redundabit non niodicum, quanto plures viros expertos haberetis in tradito vot is houore, leticia nostri cordis penetralia fecundareut: Hinc est, quod, cum regiam celsitudiuem nou credamus insciam universaliter volentium esse Terre sancte incolarum et ibi mortem subire in crucifixi servitio, vestra noverit regalis presentia, quod nobilis vir Johannes de Greylino miles, qui nobis diu notus est, homo discretus et probate vite, qui semper de vestra regia magnifficentia plura bona predicavit et iudesinenter predicat, huius devociouis iucendio est succensus. Quare nobis videtur, quod, si vestre regali munifficencie placeret, postt^uam vestris humeris factuni iiredictum comissum est, ali(][ua de ipso ordinare, eum ad liuismodi traheudo servicium: Speramus, quod facta sua iu sibi commissis fructum prarereut opuleutum, cum habeamus et pro firmo, quod prinio ei possibilitas defficeret quam voluutas. Porro quia noster amicus iutimus est et eum talem iuvenimus, ut pretactum est, vestram rogamus regiam magnitudiuem, quatiuus ob nostri contemplacionem vobis placeret super hiis de dicto milite aliqua utilia oi*dinare. Quidquid enim regalis altitudo ei commiserit, reget salubriter, nisi, quod Deus avertat, sibi felicitas sit uoverca. Valeat in eternum vestra regia domi- uatio nobis suis absque intervallo iuiungens iu omnibus sua beueplacita et mandata. CiinKiue cuiuslibet illustrium regum Francie et Anglie dictus dominus Johaunes sit miles et vassallus et utriusque ipsorum graciam et amorem habeat, nisi se vellet de parte facere, videtur nobis ipsum nunc posse habere facilius (juam temporis processu, quia favente domino ipsi reges uua dierum pacis et concordie viuculo aunectentur et postea uou esset facile hunc habere. Dat. Cayrano die II. Aprilis. G. de Villareto war Ordensmeister von 1296—1304. Johannes de Grilli (Greylino, Graillyj war mit Otto de Grauson einer der energischsten Verteidiger von Akkou. Spater spielt er in der Gascogne eine RoUe. Vgl. u. a. Rohricht, Geschichte des Konigreichs Jerusalem, S. 1014, 1020 f. An G. de Vilareto schreibt Jayme am 28. September 1302, es gehe das Geriicht, besonders seitens der Cypernfahrer: vos tum ad visitaudum preseuciam uostram et bona, que ordo vester habet iu Cismariuis par- tibus coguoscendum, tum et propter aeris intemperiem ipsarum parcium, (luibus diu vixistis et vivitis, ad partes nostri dominii adveuire. Er begriisst das freudig. Fr. Raimund de Impuriis reist schleuuigst zn ihm. Er soU ihn uicht lange dort behalten, da er ihn sehr notig hat. (Reg. 334 f. 82.)
6. Berengar cle Vilaragut an Konig Jayme von Sizilien: Ueble Lage Trapanis. Nachrichten aus ^ccon. Trotz des Waffen- stillstandes kommt vielleicht der Sultan, da die Venezianer gelandet sind. Wegnahme elnes Sarrazenenschiffes. Trapani
(1290) Mai 27.
— J2 —
. . . La tera de Trap[ena], seyoj', es en fort avol estament, que nuyla justicia ue nuyl hordouament no si ten, ans cas- cun dia si fa molt de mal . , . Perque, seyor, seria mester, que alcun conseyl se prena. Enquara, seyor, venc el port de Tra- pena als XXIIII yorus de Mag I nau de Yenoa, quen de Minia carrega, a passat LVII yorns. E comtava, quel soldan sapareyava de venir en Acre, mas enquan no y era vengut, e que en Acre seren b[e] apareylacz de defendre. Alre no comtava la nau . , . Als XXV yorns de Mag yo estant en Tra- pena, vengeren me noveles, que una nau de Catal[uny]a per nom den P. des Vilar de Barchalona ^) venc en Xacha *) e veuia d Acre e partiren d Acre als XXII yorns d Abril esti- gada (?) a venir fin en Xacha *) eu XXXIII yorns. E comten del fet d Acre, que nos pen^en, quel soldan venga a enguayn en Acre, per 90 cor hi avia treua; mas la treua es rota per raon de XX galeres ^), qui foren la yorn de pascha de Vene- s:ans *) en Acre. La uau, seyor, del dit P. des Vilar a pressa en ia mar I nau de Sarrayns de Tripol e ay molts Sarayus e la nau vas en Cataluya . . . Scrites en Trapena als XX VII. yorns de Mag.
CRD 11608. Or. Pap Sehr zerstOrt, Wasserflecken und Locher. Hier nur das Wichtigste genomraen. Das iibrige, halb zu verstehen, iiber sizilianischen Schiffsverkehr. Ueber die Ankunft der Venezianer in Accon vgl. Acta No. 1. Vom Briefschrciber ist noch ein andrer Brief aus Xacha vorhanden vom 10. April (1290?), wonach der Alcalde der Insel Pantelleria (Pantalanea, S. v. Sizilien) ihm mitgeteilt: con els morien totc de fam, que aqels, qui prenien comendament per anar a la Pantalanea, sen pasaven en la Barbaria, per so cor lo gran era molt car en Barbaria. Er hat einen Boten an den Alcalden mit einem Ver- zeichnis der Leute geschickt, die zur Insel kommen soUten; das soll mit dem Verzeichnis des Alcalden verglichen und die, welche vorbei- fuhren, sollen gesetzmassig bestraft werden. Auf dem Riicken des Or. unter der Adresse: littere Berengarii de Vilaragut, quibus fuit respon- sum. Von dieser sizilianischen Korrespondenz Jaymes II. sind nur kleine Bruchstiicke erhalten.
7. Konig Andreas von Ungarn an ^lfonso III.: Mlttellung seiner
Thronbestelgung nach dem Tode des Konigs Ladislaus. Gran
(1290) September S.
. . . Humane siquidem sortis exicio domino LadizlaOj il- a) Mit Abkiirzungsstrich.
') Vgl. Acta No. 1.
— 13 —
lustri rege Huugarie, patruele fratre nostro, rebus huinanis exempto siue solacio liberoruni, eidem preordinante divina clemencia successimus ... in totius regni Hungarie guberna- culum, solium et coronam iure et ordine geniture. Omuibus regni Hungarie archiepiscopis, episcopis, regibus, ducibus, proceribus, principibus et baronibus ac universis nobilibus nec non ecclesiarum prelatis per totius regni Hungarie cli- mata secundum diversarum exigenciam naciouura pariter et linguarum longe lateque diffusis sincej-issimo nos recognos- centibus affectu iu domiuum et ut domiuum naturalem, -tali tantaque divine dispensacionis circa nos gracia pululante, ut regnum Hungarie, quod a multis retro temporibus dissimili- tudine et horroris simultatibus autea raiserabiliter vastabatur, in assurapcione et coronacione nostra iu pacem et concordiam convenerunt universi, deposita feritate hostili, cessantibus si- multatibus et motibus animorum, salva cuilibet, sicut res exigit, singulari accione. Et quia glorioso vestro culmini indesinenter cupimus actu et habitu conformari . . ., serenita- tem vestram per fidelem nostrura comitem Mattiara (?) cen- suiraus visitaudem . . . Datum Strigonii in festo nativitatis virginis gloriose.
Or. Perg. Ssp. Sehr scliwiilstige Eiiileitun^. Vgl. Amn. zu Nr. 9.
8. Karl II. an Alfonso III.: Bei Einsicht der Schriftstacke, die beide gemeinsam an die Kurie senden, fand er darin eine Stelle Uber die flnspriiche fllfonsos auf Mallorca, die in dieser Fassung dem Papst (Nicolaus IV.) und den Kardinalen von Sabina und Benedikt (Gaetani) vielleicht Bedenken einflossten und das so wichtige Qeschaft verzogerten; bittet um Aenderung und dankt fur die in flussicht gestellten Dienste besonders bezuglich Ungarns. (1291) April 20. . . . Nuper, cura pro ordinandis aliquibus super facto utrius- que nostrura, pro quo ad Roraanara curiam nuutios mittiraus, sicut scitis, iuter alia litteras vestras specialiter videreraus, ([uas super facto regni Maioricarura restituendi per vos patruo vestro sigillatas vestro sigiUo nobis sub certis condicionibus transraisistis, in eisdeni aliqua vidimus, que turbare posseut et irapedire negotia, nisi per vos raodo debito terrainentur: videhcet id, quod in fiue vestrarum litterarum continetur ex-
— 14 —
presse, quod per doininum papain ac dominos Sabiuensem et Benedictum debeat declarari, ad vos dicti regni Maioricarum debere directum domiuium pertinere ex certis convencionibus habitis inter patrem vestrum et patruum, antequam dictus pater vester Romanam ecclesiam offendisset. Nam forte pre- dicti dominus papa et cai'dinales ad declarandum predicta se noUent astringere eo modo, sicut in vestris litteris continetur. Et sic alia, que in eisdem litteris vestris continentur com- inissa predictis tribus, propter prescripta verba ultima toUe- rentur. Nam dicta verba ipsos videntur astringere ad decla- randum omnino sine aliqua coguitione iuris vel facti, quod directum dominium vestrum sit, si contingat ipsos pronuntiare vel dicere, patruo vestro debere restitui dictum regnum, quod de intentione vestra esse non credimus uUo modo. Sed vos ius vestrum, quod habetis in dicto regno, ita bene vobis sal- vare potestis in omnibus per viam aUam, prout nobis videtur, sicut per iUam, quam scripsistis, et meUus, cum via per vos scripta dubia sit, ista autem certa: hoc modo videUcet, quod de declaratione facienda per dominos supradictos expressa mentio nuUa fiat, sed hoc tantum, quod est intentionis vestre propositam, quod ius directi dominii, quod habetis in prefato regno Maioricarum, in omnem eventum sit vobis per omnia semper salvum, si forte contingat, quod per predictos dominos papam et cardinales ordinetur vos debere prefato domino Jacobo regnum Maioricarum restituere supradictum. Propter quod vos requirimus et rogamus, quatinus super predictis sic deUberate provideatis, quod dictum commune negocium tam diu tractatum diversis laboribus et expensis pro tam parvo facto per vos ad complendum aUquatenus non retardetur. Man- detis nunciis vestris ad curiam Romanam euiitibus, ut ipsi circa dictum punctum eo modo, quo scriptum est, non insi- stant , . . Ceterum regratiamur vobis non modicum super eo, quod vos nobis paratos pro nostris serviciis tam regni Ungarie quam aUis nostri gratia obtuUstis : . . . Dat aput sanctum Valerium die XX. ApriUs; quarte indiccionis, regnorum no- strorum anno septimo.
Or. Perg. Ssp. Ueber Ungam vgl. folgende Nr. Am 12. Oktober (1291) wandte sich Jayme II. an Kardinal Benedikt (Gaetani) mit seinem Plane, Gesandte an den Papst zu schicken. Der Kardinal soUe ffir
~ 15 —
freies Geleit sorgen. Reverendo in Christo patri doniino Benedicto s. Nicholai in carcere Tnlliano sacrosancte Romane ecclesie diacono cardi- nali Jacobus etc. , . . Cum in expediendis nostris negociis et effective raancipandis coram summo pontifice paternitatis vestre affectum semper inveniremus . . . a), sicut comperit et nobis retulit nostrorum experiencia legatorum ac de causa, confidencius prefate vestre paternitati scribimus vota nostra, significantes vobis propositum nos habere ad summum pon- tificem solempnes nostros uuncios destinare, per quos tam summo pon- tifici quam cetui cardinalium super quibusdam negociis nostra devota intencio patefiat. Idcirco ad dominum papam sanctissimum patrem nostrum direximus literam nostram, ut de securo conductu prefatis nun- ciis nostris providere deberet et ab illustri rege Francorum et Karulo fratre eius ac Karolo rege Jerusaleni et domino Jacobo avunculo nostro faceret provideri, taliter quod per terras predictis subiectas et adheren- tes eisdem eundo, stando et redeundo possint secure ac libere pertran- sire. Quapropter summam paternitatem vestram ... rogamus, quatinus ea, que petimus, a summo pontifice suplicaudo faciat breviter vestra paternitas expediri . . . Dat. Calatayubii idus Octobris.
Super predictis fuit scriptum domino pape. Item domino fratri Latino, Matheo Ursini, P. de Columna, Gerardo episcopo Sabinensi, Jacobo de Columna. Item dilecto familiari et procuratori suo fratri Johanni Machari senescalho domini pape. Item domino fratri Matheo tituli sancti Laurentii in Damaso presbytero cardinali. Dat. ut supra.
Reg. 90 f. 43 v. Interessant das Hervortreten des Kardinals Bene- dikt, des spaten Bonifaz' VIII. Die Gesandtschaft ist nicht zustande gekommen, da Nicolaus IV. bald darauf starb. Am 13. Sept. 1291 hatte Jayme uoch Friedrich Anweisung gegeben, fur Zahlung von Geldern an Philippus de Marino, civis Januensis, zu sorgen, der fiir den Cesar- august. ep., Bereng. de Podio viridi und Pontius prep. Solsonensis bei ihrer Gesandtschaft (an die Kurie) Geld geliehen. Reg. 90f. -34.
9. fllfonso III. an Karl II.: bietet fur seine Zusammenkunft mlt
dem deutschen Konige (Rudolf von Habsburg) Ihm selne Unter-
stiitzung an. (1291) flpril 9.
Excelleiitissiiiio . . . regi Karolo karissimo consanguineo suo Alfonsus etc. Cuni vos ad liabendain vistam cum illustri rege Alamannie debeatis accedere racione regni Ungarie, quod ad dominam reginam, consortem vestram, credimus pertinere, et nos in eodem negocio proi)onamus facere ac procurare omnia ea, que vestro '') cedant comodo et honori, serenitatem vestram rogamus, quatenus, si forte . . . habueritis necessariam familiam vel aliquas alias res de terra nostra, illud nobis significare curetis . . . Dat. ut supra (1291 V. idus Aprilis).
a) Liicke fiir ein Wort Reg. b) vestri Reg.
— 16 —
Reg. 93 f. 98. V{j1. folgeude Nummeru. lu Ungaru war im Jiili_ 1290 der Konig Ladislaus gestorben. Die Nachfolge schien unsicher. Rudolf strebte nach der Krone fiir Albrecht. Ungarn kronte schon im Juli 1290 Andreas zum Konige. Vgl. oben Nr. 7. Am 8. September vvurde Karls II. Sohn Karl Martell vom papstlichen Legaten zum Konig von Ungaru gekront und ging dahiu ab. Vgl. Acta No. 151. Bohmer, Regg. imperii VI, 1 No. 2443 a. Ich gebe hier noch einige auf Ungaru beziig- liche Stiicke. Reg. 90 f. 3: Jayme II. schreibt am 10. August 1291: lu- clito et karissimo fratri suo iufanti Frederico. Cum Aymericus frater illustris regis Uugarie lator presencium persoualiter iu Siciliam veniat abinde ad dictum dominum suum ad partes Ungarie tranciturus et pro houore eiusdem illustris regis Ungaiie predicto Aymerico fratri suo ad hoc, quod ad eum lionorabilius accedat, iudumenta et uucias auri de- eem [de] gracia nostra providit serenitas exhiberi, propter quod frater- nitati vestx*e maudamus, quatinus predicta iudumenta et predictas auri decem uncias dicto Aymerico de quacumque pecunia nostre curie ex- hiberi et assignari faciatis . . . Dat. ut supra (X. Augusti IIII ind.). Am selbeu Tage entlasst er zwei Ungarn aus seineu Diensten, die seit den Tagen seines Grossvaters iu Aragouieu geweilt hatten: Cum nobilis Amor a) et Gabriel de Ungaria fratres, latores presencium, ad presens in Siciliam veniant, abinde versus partes Ungarie transituri, ad quas tanquam nuncii et legati uostri ad illustrem regem Ungarie acce- dunt, prout de legatione ipsa per eos oretenus et per capitula eis per nos assignata ') vestra poterit fraternitas informari (super quibus capi- tulis, si aliquid in eis cum cousilio uobilis Johannis de Procida regno- rum Aragonum et Sicilie consiliarii') et Conradi Lancee regni Sicilie magistri iusticiarii, dilectorum cousiliariorum et familiarium b) et fide- lium nostrorum, corrigi seu addi videntes id volumus . . . per vos cum eorum consilio emendari); preterea quia predicti Amor et Gabriel ab eorum infancia illustri domini Jacobo c) clare memorie avo nostro et subsequenter . . . patri nostro satis bene, legaliter et fideliter servierunt et magestati aostre tam in istis partibus quam in Ungaria sint servire parati : providimus eis graciose pro expensis eorum uncias auri centum de gracia exhiberi . . . Mandamus, quatenus . . . exhiberi faciatis . . . Dat. ut supra. (fol. 3 vj
10. Jayme II. an den Mlnorltengeneral Raymundus (6aufridl): Erlnnertan seine, selnesGrossvaters,Vaters,Brudersundseiner Mutter (Konstanze) Vorliebe ftir den Franzlskanerorden. Erblttet seln 6ebet zur ^ussohnung mit der Kurie. Entschuldlgt den fr. P. de Speluncls wegen seines Wegblelbens vom 6eneralkapitel. Barcelona (1292) Aprll 16. R[aymunclo] ordinis fratrum Minorum ministro et capitulo a) Amori Reg. b) familiariorum Reg. c).Jo. Reg. ') Diese fehlen leider. ") Soll doch wohl caucellarii heisseu ?
— 17 —
generali. Rex reguin et dominus dominaucium, conditor om- nium rerum, a quo omnis potestas in celo et in terra, per ([uem reges regnant, cuius in dicione cuucta sunt posita, cuius quoque providencia in sui ^j disposicione non fallitur, cuius nutu et imperio vivimus, movemur et sumus, elegit nos ad temporalium reguorum gubernacula, licet inmeritos et indig- nos. Huiusque ita tremendi regis omnium gencium optatnus totis viribus consequi graciam. Veruni tamen potenciam for- niidamus, scientes, quod teste sapiencia \) exiguo conceditur misericordia, durum autem fiet iudiciuin hiis, qui presuut. Propter quod cum a teneris nostris annis in periculis, in rebus dubiis, in nostris negociis specialem patronum post beatam virginem matrem Christi habuimus sanctum Fianciscum ■^), Christi signiferum eiusque sequaces, (luorum meritis et inter- cessionibus ac salubribus consiliis multa sumus bona tempo- ralia et spiritualia consequuti ^), quorum viscerosam dilectionem ac devocionem a progenitoribus nostris coutraximus, qui, quanto atfectu vestrum sacrum ordinem fuerint prosequti, manifeste aparuit in dominis avo nostro Jacobo ac Petro patre nostro illustris memorie regibus, evidenciusque ostenditur in domina regiua, matre nostra, que sub alis et umbra beate Clare plan- tule ipsius almi confessoris Francisci elegit abiectis regnis muudi soli Deo immortali regi perpetuo deservire, et in fratre <=) nostro inclite recordacionis rege Alfonso, qui habitum vestre devote religionis suscipieus vitam suam in ipso voluerit ter- minare et cum suis fratribus sepeliri: Nos igitur, qui a nostris cunabulis ^) ad prefatum ordineni supra alios afectus nostros direximus, quantum possumus, paterne et materne ac fraterne devocionis immitatores voluntarii humiliter vos requirimus et rogamus, quatenus defunctos et vivos nostri generis habeatis eorum exigente devotione in vestris sacris oracionibus comen- datos. Pro persona etiam nostra precipue ac negociis nostris Deum «) celi suppliciter exoretis, scientes indubitanter, quod m desideriis nosti-is ac conatibus hoc summe geiitur, ut sacro-
a) So Re^. b) consequeti Reg.
c) Vorlier geht devocio et (?). d) canabiilis Reg.
e) Deu Refi.
') Sapieut. 6, 7.
*) Sonst verehrte Jayme besonders den h. Laurentius.
Finke. Acta Aragonensia III.
— 18 —
sancte matris ac domine nostre et omnium fidelium, scilicet Romane ecclesie, optatam diucius reconciliacionis graciam cum pace omnium Christianorum et exterminio infidelium conse- quamur. Propter quod etiam ad ipsam sedem apostolicam nuncios nostros nunc in presenti dirigimus, confidentes, quod expedientur ea, que erunt ad beneplacitum Dei et promocio- nem catholice fidei, utilitatem tocius ecclesie et ad desidera- tam pacem populi Christiani, Ceterum quia intelleximus, quod vos, generalis magister, vocastis fratrem P. de Speluncis, di- lectum nostrum, ad vestrum capitulum, et nos indigeamus eo pro quibusdam negociis, Deo et ecclesie ac nobis gratis, rogamus, quod in hoc casu habeatis ipsum ob nostram graciam excusatum, si non potuerit accedere ad vestrum capitulum generale. Dat. Barchinone XVI. kalendas Madii (1292).
Reg. 93 f. 23. Das Generalkapitel war damals in Paris. Ich fiige hier noch folgende charakteristische Beispiele fiir Jaymes Beziehungen zu den I'ranziskanern an. (Vgl. auch Estudios Franciscanos.) Reg. 93 fol. 16 an P. de lAbiano: Custos und conventus fr. Minorum (in Mal- lorca) haben ihm mitgeteilt, quod prohibitum est eis per vos et per universitatem Maioricarum, ne sint ausi confessiones audire, predicare nec defunctos sepelire, qui eligHnt in eorum monasterio sepulturam, nec ire per civ. et regnum Maioricarum. Soll ihnen das alles gestatten in der Weise, dass der Guardian 4 oder 6 fratres bestimmt, die isto du- rante tempore (des Krieges) confessiones audiant infirmorum. Der Custos von Barcelona soll iiber die nach Mallorca zu sendenden und von dort zu versetzenden Briider bestimmen. II. idus Aprilis (1292). Das fol- gende Schreiben (CRD. 10334) fallt in die Zeit des Generalates des Gundisalvus (1304 — 1813; und ist wohl nicht naher zubestimmen: Sere- nissimo . . . domino Jacobo Dei gracia regi Aragonum frater Gunsalvus ordinis fratrum Minorum generalis minister et servus post terreni prin- cipatus decursum felicem celestis regni dyademate felici coronari. Regie maiestatis beueplacitis adimplendis me ipsum per omnia coaptare desi- derans, ecce, domine mi, Gerundam in vigilia epyphanie intravi ad presentiam vestram, prout vobis placere insinuatum est michi per nun- cios vestros, accedere volens, quamcicius potero bono modo. Verump- tamen nuncios ipsos rogavi efficaciter, ut me precederent redeuntes ad dominacionem vestram, quia me oportet diebus aliquibus moram in via contrahere maxime apud Gerundam et Barchinonam propter aliqua mul- tum necessaira michi et ordini, que fratri Femando custodi Valentino commisi vestre celsitudini exponenda. Unde humiliter supplico benig- nitati regie, quatenus placeat proponendis per dictum custodem ex parte mea et adhibere fidem et assensum benivolum irapertiri. Regalem subli- mitatem vestram conservet et augeat semper in bono rex regum et dominus dominantium. Dat. Gerunde VII. idus Januarii. Or. Pap. Ssp. —
— 19 —
Aus Reg. 100 f. 33 V fiige ich noch folgendes kuriose Schreiben an: Ve- nerabilibus et dilectis fratri Ademario divina providencia ep. Oscensi, priori totique capitulo eiusdem salutem et dilectionem. Conquestus est nobis fr. Dominicus de Jacca, minister fratrum Minorum in Aragonia, quod vos abstulistis violenter fratribus Minoribus domus Oscensis corpus Petri Martini (?) de Artasona, qui, ut asseritur, apud domum fratrum Minorum Montissoni in suo ultimo testamento suam elegerat sepulturam. Verum cum per summum pontifficem dictus ordo sit comissus anteces- soribus nostris et nobis, ut ipsum ordinem et fratres eiusdem debeamus manutenere et deffendere in suis iuribus et libertatibus universis, . . . idcirco vobis dicimus et mandamus, quatenus corpus iamdictura cum omnibus, que habuistis intuytu sepulture iam dicte, restituatis fratribus supradictis . . . Alias mandamus per presentes salmedino, justicie et jura- tis Oscensibus, quod viso dicto rescripto, si ex tenore ipsius aparuerit ipsum elegisse suam sepulturam in loco predicto, faciant eis restitui dictum corpus. Dat. Ilerde XII. kalendas Septembris a. d. MCCXCIIII.
11. (Aragonesischef) Friedensentwurf : JaYme heiratet die Schwe- ster des Konigs von Franl<reich; behSit Siziiien lebenslanglich; Verdoppelung des Census fUr die Kirche; Truppenstellung fUr Verteidigung Cyperns; Teiinahme am Kreuzzug. Einzelheiten bez. Siziliens. Friedrich heiratet Karls II. Tochter und erhSlt das papstliche Lehen Sardinlen oder Katharina, Erbin von Kon- stantinopel, beidemal mit p^pstlicher 6eldunterstutzung. Jolant heiratet Alfonso von Kastilien (1293) ^ugust.
Aquestes son les condicioiis de la pau.
Primerament, lo senyor rey Darago deu pendre la sor del rey de Franpa per muler e deu romanir Sicilia al dit rey Darago de tota sa vida ab les condicions, quis segexen. Pri- merament deu doblar lo cens a la esgleya. Itera deu tenir XX galeres per IIII ans a son cost e a sa messio IIII meses de cascun dels dits IIII ans a deffensio de isla de Xipre e a don dels sarrayns, e si part los IIII meses y avien obs, que la esgleya donantlos lur sou, que les pugen aver. Item si passatge general se faya, deu y pasar lo damunt dit rey en persona ab XL galeres e ab CCCC cavalers faent *) . . . rey la messio dels IIII meses del estiu e la esgleya dels romanens VIII meses, mentre y estiges, lo qual estar seria, mentre los altres reys de christians y fossen. E si el rey sol y avia a passar, deu y estar II ans e puix seria a sa volentat. Item nos deu apelar rey de Sicilia. Item la esgleya deu cobrar
f) Loch.
— 20 —
Sicilia apres obte *) del rey e retenir aquella per tosts temps en son demaui e no desexire daquella en neguna manera ni metre aquella en man daltra senyoria e asegurar los Siciliaus e remetre e perdouar aquels tots mals e totes offenses per els feytes a la esgleya o a altre per la present guerra. E daco deu fer segur la esgleya al dit rey ab totes aqueles segurtats, que fer se puguen covinentment. Calabria e laltra terra, que lo dit ley te del regne ab les isles, que son adiacens a Sicilia, deu retre lo dit rey al rey Karles, mas ben cuyda obtenir lo dit rey, que la ciutat de Rego ab lo castel de Calana e de Sentonoxet e de Sancta Agata e axi con les aygues vessen enves lo Far romangen a el axi con Sicilia. Pero si obtenir no u podia, per aquest punt no lexaria la pau.
Aco deu esser feyt a lenfant en Frederic.
Primerament deu haver muler la lila del rey Karles o la fila del emperador de Costantinoble, sa neboda, qualque el mes vula, e si elig la fila del rey Karles, aura ab aquella lo regne de Cerdeyua per ^) . . . cio de la esgleya e deu tenir aquella per la esgleya e ferli algun cent per regonexenga no gran e en ajuda de conquerre aquella L millia uncias dor. E si eleg la filla del emperador, haura ab aquella lemperi de Costantinoble ab totes les altres coses, que ella ha, on que sien, e les damunt dites L millia uucias, e ab cascu daquests matrimonis deu aver la favor de la Esgleya a conquerre la una daquestes coses e la ajuda del rey Darago e del rey Karles.
De madona Jolant a tractat lo rey Darago, que haia Nan- fos de Castella per marit, segons que madona la reyna trames a dir per en P. Mari, e da^o ha ja son conseutiment e ha comanat a sos misatges, qui van en cort de Roma, que da- quest raatrimoni haien dispensacio e dels altres, qui fer se deven, si obs y sera.
Gleichzeitig Kopie Pap. o. Nr. Nach Rohde S. 65 f. zu deu Ver- haudlurigen von Tarazona; daselbst auch uber die Bedeutung.
12. Feststellung des Maestre racional Arnaldus Qa Basttda, wie viel 6enannte fiJr ihre Gesandtschaftsreise nach Genua, Deutsch- iand (und Ungarn) noch zu erhaiten haben. (Nach 1293 5ep-
tember 18.)
Item reebem comde den G. Durfort e den Bernat des a) Tod. b) Loch.
— 21 —
Foneylar e den Bertran des Val per manament del senyor rey, quens feu de paraula, zo es a saber del viatge, que feeren per lo dit senyor rey en Genoua e en les partz Dalamanya. En lo qual viatge estegren de XVI. kal. Novembre del ayn de MCCXCII, que[s] partiren de Barchinona, tro a divenres XVIII dies dins Setembre del ayn de MCCXCIII . . .
E trobam, quel senyor rey . . . deu pagar IIII mill. CCCLIII tomeses e terca dargent e CCCCLI sol. IIII den. B.
Aus dem primer libre dalbarans des Bastida. Die Sumrae ist nur ein Teil der Ausgaben. In der ausfuhrlichen Rechnung wird angegeben, was sie in Mallorca und Genua von Christian Spinula und dem Bankier Escorssafiga erhielten. Viel wurde ihnen geraubt. Hier wird auch Un- garn genannt. Weiteres ist iiber diese geheimnisvoUe Huldigungsreise nicht zu finden. Vgl. Acta Nr. 150.
13. Entwurf fUr die Regelung der italienrschen Verhalinisse nach dem Hauptfrieden; Meirat Javmes II. mit Blanka von Neapel; RUckgabe der gefangenen Kinder Karls II. und der Festlandsgebiete ; Verbleib Siziliens in Jaymes Handen bis 1297 und dann ein Jahr in den Handen der Kirche, und wenn ein neuer Papst gewahlt ist, jedenfalls noch ein Jahr; Fest- setzung der Beteiligung Jaymes an der NiederkMmpfung eines eventuellen sizilianischen Aufstandes; UngUitigkeit der Be- stimmungen, wenn Jayme oder Blanka inzwischen sterben; Heirat Jolantes mit Ludwig oder Robert von Neapel (1293 Ende).
Primo dictum est, quod facta hona. pace et fir.ma cura ecclesia, rege Francorum, domino Karolo fratre suo, domino Karolo rege Sicilie, domino Jacobo rege Aragonum et fratri- bus suis et valitoribus . . ., prout in articulo super pace . . . continetur '), et impetratis dispensationibus super matrimoniis faciendis dictus dominus Jacobus rex Aragonum recipiet in uxorem dominam Blancham filiam predicti Karoli regis Sicilie et dotem sibi assignabit secundv.m usum et consuetudinem regni Aragonum . . .
Item dictum est, quod . . . dictus rex Aragonum statiin restituet dicto domino Karolo regi Sicilie liberos suos, obsides omnes et prisonnieros seu captivos . . ., terram Calabrie et for- talicia et castra omnia . . . ; terram *) principatus et Basilicate . . .
a) terra Kop.
') Vgl. Acta Nr. 16 S. 21 ff.
— 22 —
et quicquid ipse et sui tenent citra Farum. Et eciam omnes insulas, que sunt citra Farum, videlicet Ysclam, Crapium et Procidam. Item dictum est, quod . . . rex Aragouum teneat insulam Sicilie usque ad tres aunos a festo Omuium sanctorum proximo futuro anno domini millesimo ducentesimo nouage- simo quarto iniciandos continue, tali condicione (juod de liiis, que recipiet de dicta insula, per ecclesiam ab eo nichil peti *) possit et nec per alium. Teneatur tantum solvere ceusum de- bitum ecclesie Romane pro illa porcione, que tangit dictam insulam de dicto censu. Fit transacto dicto triennio et habita remissione de offensis et iniuriis factis per Siculos dicte ec- clesie, regi Karolo et precessoribus suis . . . restituet dictua rex Aragonum . . . insulam Sicilie ecclesie Romane et omnia castra et fortalicia et omnes insulas adiacentes . . . Malthe. . . Et dicta ecclesia per unum annum dictani insulam in suis manibus tenebit nec illam alicui illo aiino restituet sine con- sensu dicti regis Aragouum. Si autem dicta insula rebellis esset ecclesie Romane vel eius mandatis obedire nollet, rex Aragonium tenetur iuvare dictam ecclesiam . . . in expensis suis et de gente sua bona iide cuni toto posse suo per terram et per mare, quousque dicta ecclesia de dicta insula suuni inten- tum habeat plene. Dominus autem rex Aragonum dictam restitutionem insule facit, ut est dictum, solutis primo sibi centum milibus marcharum sibi per dictum regem Karolum promissarum, prout superius coutinetur in articulo ') de solu- cione dictarum centum marcharum loquente . . . Iteni dictum est, quod, si per . . . regem Karolum aliqua provisio terre erga ecclesiam vel aliunde posset procurari pro ipso rege Arago- num, deducetur de quautitate dictarum marcharum . . .
. Item debet rex Aragonum predictam assecurare ecclesiam, . . . quod iutra tres dictos annos . . . insulam . . . ecclesie restituet.
Item dictum est, quod, si contingat, quod Deus avertat, ante pacem iirmatam dictum regem Aragouum vel dictam Blancam mori, quod non valet presens tractatus.
Item dictum est, si . . . rex habeat aliqua mobilia ibidem^), quod liceat ei extrahere ....
a) petit Kop.
') Der Artikel fehlt hier! *) In Sicilien.
— 23 —
Item intencio utriusque regis est, ([uod a creatione pape facta pace habeat rex Aragonum unum annum ad restitucio- nem Sicilie faciendam, nisi tempus conventum inter eos plus duraret . . .
Item dictum est, quod dominus rex Aragonum dominam Yolandam sororem suam dabit in uxorem Ludovico vel Roberto filio dicti regis Sicilie, videlicet illi *), de quo maluerit et ele- gerit dictus dorainus Karolus rex Sicilie, et dictus rex Karo- lus dabit illi de predictis filiis suis, qui dictam Yolandam recipiet in uxorem, principatum Salernitauum vel ducatum Amalphitanum sibi et heredibus suis . . . et dotabit dictam Yolaudam secundum usus et consuetudines dicti regni . . . Quod si uou valeat tantum dictus ducatus, quantum valet principa- tus Salernitanus, supplebit in aliis redditibus ...
Gleichzeitige Kopie Pergament o. Nr. Vgl. hierzu Rohde S. 68 ff. und Acta Nr. 16 S. 21 ff., die in diese Zeit fallt.
14. infans Fridericus an Jayme II. : Lebhafter Protest gegen
Ohrenblaser, die ihrer beider inniges \7erKaltnis storen moch-
ten und behaupten, er verachte seine Befehle und Wilnsche.
Palermo 1293 December 26.
. . . Inter alia, frater et domiue, que odiosa sunt illi, per quem reges regnant, sicut putamus magnitudinem vestram plenius nobis scire, illud est sibi abominabile, illos pre aliis detestatur, qui seminare satagunt zizanias inter fratres. Quippe cum summa discrecione illustratum sciamus vestrum per Dei graciam intellectum, nequaquam credere possumus nec debemus, quin vos, qui Deo auspice regnorum gubernaculis presidentes ad instar summi regis virtutes diligitis et vicia vindicatis, tam pravos et sceleratos homines, qui plerumque sub adulacionis modo, interdum sub specie certi siuceram conscienciam domi- norum attemptant pervertere ^) falsaque inprimere in animos serenorum, cum inter vos et nos moliri talia non erubent *=), apercius cognoscatis. Ideoque blandis, immo dolosis eorum susurracionibus aures bibulos nullatenus apponatis, verum con- tempnatis eosdem finaliter sicut pravos. Saue ad noticiam nostram perveuit uuperius, quod super eo uequam huiusmodi mordaces erga vos astruunt linguas suas, ad id sermones suas
a) Kopie hat ille. b) prevertere Or. c) So Or.
— 24 —
detractiloquos vestris auribus frequenter instillant, unde fratris in fratrem, sed potius patris in filium concipiat animus et quodam modo provocetur, quod mandatis et beneplacitis ves- tris obvii sumus in istis partibus aspernatores quasi et etiam contumaces. Super quo de puritate nostra fidentes in domino, qui corda scrutatur omnium, possumus cum veritate referre et audacter asserere, (j[Uod reputantes vos patrem . . . totaque mentis sollicitudine nos gerere nitimur et studemus, quomodo fraternitati vestre de grato reddamur gracior et de accepto magis accepcius vestro iudicio censeamur. Dat. Panormi XXVI. Decembris VII. indicionis.
CRD 10010. Or. Pap. Ssp. Vielleicht der erste erhaltene Brief Priedrichs. Auf deni Riicken die bezeichnende ara^onesische Kanzlei- notiz: Respondenduin decore! Stilistisch gleicht der Brief mancheni, den Friedrich ein Menschenalter spater gesandt hat. Zu dem Verhaltnis beider Lander in dieser Aufangszeit vgl. Acta Nr. 4 und 6, die ein Jahr spater (1292) zu datieren sind. In das Gebiet der beideu gehort auch folgendes Sclireiben Jaymes vom (1292) Juli 28: Cum ad uostras per- venit aures fratrem Nicholaum de Trapena de ord. Min. per ministrum ordinis ipsius fuisse noviter evocatum et quod idem minister per suas litteras scripsit rogando serenissime et karissime . . . matri nostre, ut dicto fratri licenciam recedendi de insula Sicilia et eundi ad eundem ministrum ac postmodum redeuudi in Siciliam concederet [et] per vos concedi faceret et mandaret, et nos pro certo sciamus, quod dictus frater Nicholaus phiries conatus est tractare aliqua nostre dominacioni contraria et dampuosa: soU ihn nicht ziehen lassen; ist er fort, soU er nicht zuriick- kehren. (Reg. 93 f. 229) Dann: Kardinalbischof Guerardus Sabinensis hat fiir seinen Verwandteu. den Erzbischof von Messina, Franziscus Fontana, gebeten, dass ihm die Einkiinfte seiuer Mensa zuriickgegeben wiirden; Jayme bittet zum zweitenmale um Bewilligung, cum dictus cardinalis multum expouit se nobis et servicio nostro et possit nobis in tractatibus nostris et vestris esse utilis (Lerida 1292 Juli 4. Reg. 93 f. 199). An- scheinend ist das aber nicht bewilligt; der Erzbischof ist seit 1289 ad- miuistrator Nolanus. Vgl. Eubel, Hierarchia cath. unter Messanen. und Nolan. Vor allem will Jayme, dass Johanues Macharius seneschalcus domini pape sit remunerandus pro laboribus, quos ipsum subire opportet super procurandis et deftendendis in Romana curia negociis nostris und entschadigt werde : racione dicte procuracionis. (1292 Juli 17. Reg. 96 f . 88.) In folgender Notiz erscheint eine bekannte. abenteuernde Persoii- lichkeit Spanieus, Infant Heinrich von Kastilien:
Referente illustri iufante dompno Enrico filio illustris do- mini Ferdinandi bone memorie regis Castelle, nostra didicit excellencia, quod illustris rex Tunicii, dum ad partes ipsas accessit, retulit ei, per piratas insule nostre Sicilie terris et
— 25 —
subditis suis frequenter dampna plurima irrogari, que quidem uobis referenda comissit eidem . . . Dat. Barchinone V. nonas Julii a. d. MCCXCIIII.
15. Notizen zur Geschichte der Gefangenschaft der S6hne Karls II. 1294 Marz 31 bis Dezember 20.
. . . Recepimus litteras vestras per vos noviter uobis missas, per quas nos rogastis, ut placeret nobis, quod possetis aliqui- bus diebus iu ebdomata equitare. Quarum intellecto tenore, vobis ad ipsorum siguilicata duximus taliter respondendum, quod placet nobis, quod simul cum custodibus, quibus prop- terea per vestras litteras scribimus, aliquibus diebus festivis equitetis per civitatem Barchinone. Scribimus etiam R°. Ricardi, quod supersedeat constringere obsides, quos tenet, et de quibus nobis sciipsistis, donec nos fuerimus in civitate Barchinone personaliter constituti. Ad ea vero, que nobis per alias litteras vestras scripcistis super capcione, depredacione facta aliquibus nunciis obsidum nostroriim, vobis taliter respondemus, quod nos damus per litteras nostras in mandatis G°. de Brolio vicario Ausonie et de Bagiis, quod uuncios ipsos absolvat a capcione predicta ac ipsis restituat integre peccuuiam et alias res, quas cepit seu abstulit ab eisdem. Dat. Gerunde II. kalendas Aprilis.
Inclitis ac nobilibus Ludouico, Roberto et Raimundo Be- rengarii filiis illustris regis Karoli salutem etc. Literas vestras, per vos noviter nobis missas recepimus inter alia contineutes, ({uod quidam scutifer ^), quem cum Guilelmo Lulli ad Provin- ciam miseratis, venerat ad vos uarrans, quod fr. Boniffacius ') et Johannes de Grylli'*) veniuut ad nos ex parte regis Karoli patris vestri. Alios plures rumoves per vos nobis iu dictis litteris iutimatos intelleximus dilligenter. De quibus vobis refferimus multas grates, scieutes, quod eosdem rumores in- tellexeramus per duos fratres Predicatores, qui ad nos venerant de curia Romana. NuUa alia nova quo ad presens relacione digua. Cimi enim aliquos sciemus rumores prosperos, cura- bimus vobis significare eosdem. Dat. Dertuse VII. idus Octo- bris auno domitii MCCXCIIII.
a) scutisfer Reg.
') de Calamandrana.
') Vgl. Acta Nr. 10, S. 15, Anm. und oben 8. 11.
— 26 —
Beruardo de Moutepavoue cousiliario suo et G. de Pulcro- visu salutem etc. Noveritis uos de gracia coucessisse P**. de Ritxvol (?), quod possit esse et stare cum inclitis filiis illustris regis Karoli usque ad proximum veuturum festum circum- cisionis Domini , . . Et si forte infantes predicti vellent scribere apud dominum Karolum vel apud illos in cui'ia Romana pro G. de Villanova, permitatis ipsis scribere pro facto ipsius G. de Villanova . . ., vobis tamen caventibus attente, ne aliqua scribantur seu tiaut in literis ipsis aliqua, que essent nostre contraria magestati. Dat. Barchinone XIII. kalendas Januarii anno domini MCCXCIIII.
Reg. 99 f. GO, Reg. 100 f . 108.
1293 im Sommer waren sie auf kurze Zeit dem Kouig Sancho von Kastilien iibei*geben, aber bald darauf wieder in die Hande JaymesII. gekommen, wie aus Reg. 96 f . 58 sich ergibt :
Procedentibus nobis aput Grunnum presente ibidem domino rege Castelle, quem in tractatu ipsius pacis et aliis nostris negociis patrem iuveninms et amicum et habito hinc inde per plures dies tractatu huius- modi, mediantibus dicto domino rege Castelle ac aliis amicis nostris, quia vidimus principem Karolum liostem nostrum et alios inimicos nostros variantes et discrepantes a primis tractatibus et promissionibus nobis factis ex parte eorundum, per mediatores comunes procedere vo- luimus in ipso tractatu, set inde discesimus honorifice recuperatis tribus filiis principis, quos dictus dominus rex Castelle pro nobis tenebat ob- sides, quos nobiscum duximus apud Barchinonam et modo carcere ibidem fecimus detiueri, habendo eciam dictum regem Castelle nobiscum, qui pro toto corde et animo, paterno amore nos prosequitur incessanter. Dat. ut supra fkalendis Octobris MCCXCIII]. Grunnum ist Logroiio. Vgl. Rohde 8. 55 tf.
Ueber die Gefangenschaft Karls II. fand ich folgende interessante Schilderung vom 4. November 128(3 (Reg. 04 f. 188vf.j. K. Alfonso u. a. an Raimundus Petri de Nabal, P. de Podio uiridi, Bernardus de Monte- pavone i^im ganzen 12 Wachter) des priuceps Salernitanus. Er hat an- geordnet: castrum de Siurana, in (juo dictus princeps detinetur, et ianue ipsius claudantur de die et quod nou aperiantur, quousque fuerit magna dies. Die Porta nach Prades soU zur gleichen Stunde gfeschlossen werden. Item quod ianua sive ianue castri, ubi iacet dictus princeps, claudantur, uud daun bis zum hellen Tag uicht geoflfnet werdeu, bis die Wachter oder die Mehrzahl sich erhoben hat. B. de Montepavone revidiert mit einem der genannten Wachter alle Tore, ob sie gut geschlossen sind, mit den Schliissehi, legt diese in eine caxia und verschliesst diese und legt den Schliissel in marsupio. Dann besteigt Bernard oder sein Ver- treter, terratum castri, wo der Fiirst ist, et claraet guaytas, ut bene se guaytent. Et tangat ana fil semel vel bis. Et postea ab ipsa hora
— 27 —
inantea luiUus exeat de castro. Occidant omnem homiuem inde exeun-
tem, wenn es nicht mit Zustimmung aller oder der Mehrheit und aus
notvveudigeu Griinden geschieht. Item quod illi, qui iacebunt in turri-
bus vel domibus intus ipsum castrum, non exeant foras causa mingendi
vel alia racione, nisi clamarent ad guaytas dicendo, quod foras exire[n]t.
Sonst werdeu sie getotet. Item quod omnis, quicunque fuerit de fa-
milia dicti principis, tam Predicatores (luam clerici alii (luilibet, qui
sint de terra ipsius principis, . . . iaceant et stent in domo, in qua dicti
custodes cognoverint ipsos securius permanere. lu castro, wo der Fiirst
ist, liegt nur eiu scutifer, der ihn auch bedient. Die 12 custodes haben
guaytas de nocte, stando pedes de duobus in duobus. In domo, wo der
Fiirst ist, ardeat lumeu unum preter candelam guayte, sic quod .inibi
semper . . . possunt videre lectura dicti principis et . . . principem. Die
Wachter konnen nur unter bestimmten Formen weggehen; item quod
nullus de dictis 12 custodibus eat ad aliciuam venacionem. Jeder von
der Familie des Fiirsten habeat comedere ante ipsum. Alle iiber 12 Jahre
iilten iu Siuvrana huldi^en dem Vertreter des Konigs. Fiir Streitsacheu
gibt es im castrum einen Richter. Vou den homines der Wachter seieu
'/» ballistarii, '/« habeant lanceas et scutos. Item ([uod nullus homo
possit a cabal lo^iui cum dicto principe, uisi essent duo. Sorgfaltigste
Verhinderung jedes Gespraches mit dem Fiirsten, damit keine spie
secreta brinyen. Dann: Volumus, ([uod medicus dicti principis, (jui nuuc
ibi est, expellatur inde, et si dictus princeps indigeret aliquo medico,
credatur (?) ei incoutinenti. vel qua hora voluerit, alius melior medicus
de tena uostra. Kommt mit Erlaubnis Alfonsos ein Fremder zu ihm,
so soll er sorgfaltig untersucht werden: ne possit ei dare ali(iua scripta.
Et si (luis iuveniatur afereus scriptum oculte, amitat capud. Die Besol-
duug geschieht monatlich. Nach dieser Schilderung konnte Alfonso
allerdings seineni Bruder Jayme und seiner Mutter, die angstlich durch
Roger de Loria tiber Karls Gefangenhaltung angefragt hatten, beruhi-
gend sclireiben: ([uod ipsum pro meliori et tuciori ipsius custodia in
castro nostro Siurana . . . includi fecimus, .sic ([uod de ipsius custodia non
est aliquatenus dubitandum et (luod de eiusdem principe aliqua conven-
cio. ordinacio seu composicio uon fiet absque consciencia, consensu, or-
dinacione et voluntate fratt^rnitatis vestre (1286 Juni 21. Reg. 64 f. 183).
Ueber die mit den SiJhnen Karls II. gefangenen Geisseln heisst es
in einem Briefe Jaymes an den curia und die paciarii in Lerida: Nove-
ritis nos ad instauciam et preces venerabilis et religiosi viri fratris
Bonifacii de Calamaudrana . . . concessisse, ut obsides principis Salerni-
tani in civitate Ilerdensi existentes sint et teneantur sub custodia curiati,
it-a quod de die steut sine vinculis, sed (tuod alias custodiantur diligen-
ter . . ., de nocte vero ponantur iu locis, (lui sint fortes et clausi, de
quibus evadere seu a[u]frugere uon possent: et si forte aliqui illorum,
sub (luorum custodia aliqui dictorum obsidum detinentur, non habebant
domos seu hospicia ita forcia et clausa, quod non possent sine vinculis
coraode custodiri, ((uod imponantur eis destra sive vincula ferrea in
uno brachio, tamen taliter quod possint de nocte sine periculo custodiri:
— 28 —
quare volumus, . . . quateuus dictam concessionem nostram faciatis teneri . . . Dat. Calatayubii VII. kalendas Januarii (1292) Reg. 94 f. 150 v.
Als der princeps Tarentinus von Friedrich von Sizilien gefangen war, bat Jayme II. fiir ihn: Velitisque insuper principem sepedictum ab omnibus, si comode poteritis, compedibus vel saltem eorura parte dimidia nostri honoris intuitu ac nostrorum precaminum reddere libera- tum. (Reg. 332 f. 69 v.)
16. JaYme II. an Propst Poncius von Solsona: wiinscht drin- gend Besuch seines Bruders Berengar in Tortosa, damit er ihn Uber die Papstwahl (Coelestins V.) und die Neuigl<eiten
an der Kurie informiere. (1294 September 17.)
Venerabili et dilecto Poucio prepesito Celsonensi salu- tem etc. Cum per litteras vestras per vos noviter nobis missas nostra didiscerit celsitudo, Betengarium de Vilarono archidiaconum Urgelli, fratrem vestrum, de Romana curia ve- nisse noviter ad has partes et nos de creacione summi pon- tificis et parcium illarum rumoribus certificari phirimum affec- temus: rogamus vos attente, quatenus cum dicto fratre vestro tractetis et procuretis omnino, quod aput Dertusam ad nostram presenciam personaliter veniat aliis quibuslibet negociis preter- missis et nos de premissis certificet et informet. Dat. Dertuse ut supra^ [XV. kalendas Octobris a. d. MCCXCIIII.] Reg. 262 f. 147. Coelestin V. war am 5. Juli gewiihjt.
17. Kari II. von Neapel an Jayme II.: Nach Coelestins V. Wahl war er immer beim Papst und hat mit ihm verhandelt. Papst und Kardinale haben die meisten Punkte des Vertrages ein- stimmig genehmigt; einige wurden geheim gehalten. Alles hatte Coelestin zur Romreise vorbereitet, da wandte er sich nach Neapel, wo er in 3 Tagen sein l<ann, um die Verhand- lungen mit Jayme zu beschleunigen. Dieser wird in Ischia erwartet. Nur so ist die Moglichkeit, dass der Papst, Karl und Jayme die Sache schnell erledigen. Um feierliche Ge- sandte ist der franzosische Konig gebeten. Karl bittet dringend um schleunige Ankunft in Ischia. Der Papst sendet dieser- halb den Bischof von Valencia und Bonifacius de Calaman-
drana. Sulmona 1294 October 12. Magnifico et illustri principi domino Jacobo illustri regi Aragonum, consanguineo suo carissimo, Karolus secundus Dei gracia rex Jerusalem et Sicilie, ducatus Apulie et principatus
— 29 —
( 'apue, Provincie et Forcalquerii comes coutinuam sospitatem. Jam per triuas litteras successive trausmissas de hiis seu eorum alitjuibus, que affert presencium series, recolimus vos seriosius et lacius infonnasse '). Verum considerantes longam, <|ue interiacet, locorum distanciam posse forsitan impedisse, <|uin ad vos eedem littere pervenerint, ad huc illa eadem succincte quodam modo recensentes ad noticiam vestiam per- ferimus, nos post eleccionem sanctissimi patris et domiui, do- mini summi pontificis continue fuisse in eius comitiva moratos ac de tractatu pacis inter vos et nos iiabito secretam et serio- sam collacionem liabuisse cum eo. Et (^uod deinde in con- sistorio coram eodem domino et cardiualibus singulis capitulis dicti tractatus ostensis, aliciuibus tameii, que decuit, in secreto retentis, dominus et cardinales ipsi illa unanimiter acceptarunt. Notum vobis etiam facimus, quod, licet prefati domini acce- dendi ad Romanam civitatem ordinatio et publicacio ac uun- ciorum premissio ad paranda hospicia processisset, tum tamen ad nostre deprecacionis instanciam, tum eciam quia ipse dicti negocii celere complementum affectat, eiindi ad dictam civi- tatem mutato consilio Neapolim ire disposuit et firmavit, aliquo tempoiis spacio nioraturus ibidem. Et iam est in via ad tres dietas ])rope Neapolim competentes: hac specialiter consideracione ac causa, quod vos pro ipso accelerando negocio apud insulam Yscle personaliter veniatis, Piovisum est ete- nim nunquam aliter posse brevius et securius dictum uegocium expediri ; quia sive nuncii apostolice sedis et nostri ad vestram venirent presenciam, sive v^estri ad sedem mitterentur eandem, fjuantumlibet solempnes et potestate pleua suifulti, talia pos- sent occurrere iu tractatu, propter que illos liinc inde ac ad ipsam curiam redire finaliter necessario oporteret, presertim <iuia, si totum collegium cardinalium mitteretur, buUa domiui pape non committeretur eisdem, que ad hec dinoscitur opor- tuna, set vobis Yscle ac domino papa et nobis Neapoli per- manentibus ex viciuitate locorum et principalium coucordia personarum premissa poterunt brevius, firmius et caucius ex- pediri. Nec laboris vitandi causa nos hec providisse credatis. Nam si videremus per adventum nostrum ad partes ipsas adeo bene posse fieri et accelerari negocium sicut per adven- ') Leider fehlen alle drei Briefe.
— 80 —
tum vestruin ad iusulam supradictam, versus partes easdem veniremus instauter. Pro cuius quidem tinali perfectione ac consumacione negocii ad illustrem regem Francorum et domi- num Karolum fratrem eius, filium nostrum carissimum, sol- lempnes iam sunt nuncii nostri transmissi, ut ad Romanam curiam nuncios et procuratores eorum transmittantur cum pleno posse ad complendum et faciendum omnia, (|ue ad eos pertinent in pace predicta. Quos utique procuratores spera- mus in brevi venturos cum negocii complertiento. Et quidem iuxta dicti tractatus seriem, ut omnia dependencia ab eodem ad finem perducantur optatum, iugiter consilia nostra vacant. Tta quod iam quelibet in eo contenta sunt per predictos do- minum papam et cardinales, quantum ad eos pertinet et pa- titur ad presens natura negocii, feliciter et totaliter expedita. Oonsulimus itaque vobis ac requirimus et ortamur, ut premissa in consideracionem debitam deducentes atcjue presentis apti- tudinem temporis, quod in hiis vobis et nobis omuipotens indulxit ad votum, procuretis et faciatis omnino, quod ad predictam insulam Yscle remoto excusatorio et dilatorio quo- libet veniatis, cousiderantes, quod mora persepe paratis graude afferre preiudicium consuevit. Ecce, itaque mittuntur ad vos per prefatum dominum summum pontificem venerabilis in Christo pater domiuus episcopus Valentinus ac vir venerabilis et religiosus Bonifacius de Calamandrana preceptor hospitalis sancti Johannis Jerusalemitani in partibus Cismarinis, electi utique ad hoc cum providi cautela consilii sicut homines se- ereti et diligentes intrinsecus nomen vestrum. Et (juidem de dicto preceptore certa debet vobis esse sciencia, de predicto autem episcopo, si potuisset haberi alius magis vobis dome- sticus et securus, factum fuisset utique; nichilominus ad cau- telam sub virtute prestiti sacramenti et pena excommunica- cionis, quam ipso facto incurret, si secus fecerit, iniunctum est sibi ex parte domini pape, quod ea, que revelata sunt ei de predicto tractatu, debeat in secreto tenere. Quos cum plene super predictis duxerimus informandos, credatis, quesu- mus, ea, que vobis ex parte nostra duxerint verbaliter referenda, nobisque rescribatis per vestrum vel eorum nuncium celerem, quecunque super hiis duxeritis disponenda. Dat. Sulmone sub secreto sigillo nostro die XII. Octobris, VIII. indiccianis.
— 31 —
Or. Perg. Ssp. o. Nr. Zum ganzen vgl. nian Rohde S. 106 ff. Interes- sant ist der Unterschied, den Karl zwischen den beiden Gesandten hervorhebt. Raimund war bereits dr6i Jahre Bischof von Valencia, aber wohl meist in Italien weilend muss er Jayme noch wenig bekannt ^ewesen sein. Das iinderte sich bald, indem er der intimste Vertrauens- )iiann des Konigs wurde.
18. Templermeister Jacobus de Molay an Praceptor Petrus de 5. Justo: Blslang hat er fOr Reisen und Aufenthait an der Kurie nlchts gefordert; jetzt verlangt er UnterstGtzung. Vor der Rackfahrt um Johannistag wird er Kapitel in „Alle" halten. Rom (1295 ?) Januar 21. Frater Jacobus de Molayo Dei gracia pauperis inilicie Templi uiagister huiuilis religioso et honesto fratri Petro de saucto Justo, ]»rece])tori domus Temjdi de Graynaue, salutem iu domino. Debet scire vestra discrecio, uos ad j^artes istas ])ro comuui christianitatis et commodo domus uostre de Traus- marinis partibus pervenisse, nec capientes exemi^lum nostro- rum predecessorum nec iUorum, qui fuerunt loco sui, uec bal- livos nostros et ballivias nostras iu aliquibus opprimentes: nec per adventum nostrum de Transmarinis ])artibus ad has partes nec per transitum, quem j^er diversas terras fecerimus evidenter nec per moram, quam iu Romaua curia fecimus diuturnam, nec inde res vestras requisierimus, uec honerave- rimus vos in aliquo nobis uecessario succureudo, licet nobis fuisset competens et necesse. Nunc de voluntate domiui pape et nostra progreditur, de quo (]uam jilurimum congaudemus, quod debeamus ad instans festum beati Johaunis Ba])tiste transfretare. Eapropter vobis rogando maudamus, quod Deum habentes j^re oculis vos nobis in nostro passagio succurratis, ita quod Deus vobis retribuat in eternum et muudus super hoc de vobis se teneat pro conteuto et nos vobis ad graciarum merita teueamur. Mandautes uichilominus vobis, quod ibi excusatio uulla fiat, nam ])resens ])roverbium non mentitur: Fidelis amicus in necessitatis articulo comprobatur. Et nos iuvante domino apud Alle aute uostrum passagium quoddam capitulum faciemus. Ibi videbimus (?) et qui bene facient, coguosceutes, unicuique reddentes secundum sue merita probi- tatis. Valete. Dat. Rome XXI. mensis Januarii.
Or. Pag. Ssp. Kasten: Karl von Valois etc. Nr. 66. Schrift sehr verwischt. Die Zeit nicht sicher bestimmbar; vielieicht wie eben an-
— 32 —
ffegeben. Denn um diese Zeit war er an der Kiirie. Bedenldich ist die ,niora diuturna" an der Kurie. JJer Ort ^Alle" ist ni< ht deuthar; Arles kann es niclit sein. Vgl. auch A. Trunz, Znr Geschiclite des letzten Templermeisters (li)2()) S. 14 f. Am 12. Oktoher 1294 ersucht .layme II. Molay, die Anwesenheit des Templers G. de (Janellis, qui uohis con- sanguinitatis linea est coniiiiictus, am koniglichen Hofe zu gestatten. Reg. 100 f. 113.
19. BonifazVIII. an Javme II.: Lebhafte Empfehlung der Ver- mahlung mit Blanka von Neapel, was Ihm die Verwandtschaft mit den ersten Herrschergeschlechtern Europas und die Zu- neigung der Kurie verschaffe. Abmahnung sich in andere Verhandlungen elnzulassen. Ohne seinen Rat solle er nlchts unternehmen. Lateran 1295 Marz 5.
Bonifatius episcopus servus servorum Dei iiobili viro Jacobo nato quondam Petri olim regis Aragonum spiritum consilii sanioris, Habet insiiiuatio digna credentia facta nobis, quod in tractatu pacis habito inter carissimum in Christo tilium nostrum Carolum Sicilie regem illustrem et te est inter alia concordatum, (juod Blanca filia dicti regis tibi matrimo- nialiter copuletur. Et quidem si recte conspicias, potes pru- denter advertere, cjuantum ista coniunctio Deo grata, mundo proficua et tibi esse debeat fructuosa. Per ipsam enim robur pacis altissimo placidum provenit, quies mundo succedit de- siderata, alligaris maioribus mundi principibus, pater tibi postliminio quodam revertitur, fratres multos acquiris, vires eiusdem regis tuis apte et quasi contigue mari terraque mu- tuo utiliter uniuntur ac precipue gremio sancte matris recon- ciliaiis ecclesie, cuius idem rex filius specialis existit. Et sicut in lesione regis eiusdem offensa est mater ecclesia, sic iu ipsius satistactione votiva cum mutue caritatis amplexu, unde fructus pacis colligere credimus, quedam satisfactio pro- venit ecclesie memorate. Et hoc etiam placabilius Deo pla- cetur, sati.sfit lese iustitie nec rationabilis equitas pi-eteritur, (|Uoniam, unde processit rancor et scaiidalum, i'ide proveniet unitatis et pacis auctore domino solidum firmamentum. Qua- propter uobilitatem tuam hortamur attente tibi nichilominus suadentes, quateuus premissis omnibus rationabili considera- tione deductis a complemento prefati tractatus nulla te instantia retrahat nullaque astutia suggestionis avertat! Deficiente nam-
— 33 —
([ue prefato tractatu copule coniugalis posset fortasse de facili universalis tractate pacis substantia dissolutionis dispendia persentire. Et si forte de alia copula requiraris, volumus sanoque consilio suademus, quod curialiter verba reicias et ad complementum tanti boni et orditi principii sine morosa dilatione procedas vel saltem nil facias nostra conscientia inconsulta. Molestum quippe nostris proveuiret affectibus, si nos defectus tuus aut culpa subtraheret ab hiis, que tibi caritative ac paterne conferre disponimus devote ad gremium ipsius ecclesie redeunti. Aperi igitur oculos mentis et vide et disciplinam domini suscipiendo cognosce, ut in tempore gratie noscas bonum eligere et malum ac, (juod minus utile fore dinoscitur, reprobare ! Quod ') autem in premissis sen- seris, de quo cupimus certiorari, ([uautotius vestra nobis '')... pagina responsivam, Dat. Lateraui III. nonas Martii ponti- ficatus nostri anno primo.
Leg. 19 Nr. 6. Or. perg. Ohne Umbug'; nur unten langere weisse Stelle; unci ohne Siegel un(i Siegelspur, d. h. Locher und Fa(ien. Aber doch wohl Original, da auf dem Riicken auch die Adresse von Kanzlei- hand: Nobili viro Jacobo nato quondam Petri olim regis Aragonum. Es handelt sich um Abschwenken Jaymes von Neapel und Verhandlungen mit Philipp d. Sch., dessen Schwester er jetzt nehmen woUte. Vgl. Rohde S. 129 f .
20. Instruktionen der aragonesischen Gesandten fUr die Frie- densverhandlungen an der romischen Kurie: I. Verhandlungen mit Karl II. von Neapei und Bonifaz VIII. Infant Friedrich heiratet Karls Tochter Blanka oder die Erbin von Konstanti- nopel ; mit ersterer erhalt er Sardinien, mit letzterer das Im- perium, dazu Geld. Will Karl keins von beiden, soll der Friede geschlossen werden, doch Jayme nicht feindlich gegen Sizilien aufzutreten brauchen. Ebenso wenn Friedrich nicht will; aber erst nach Ordnung der Beziehungen Frank- reichs zu Aragon. Der Kirche kann Hilfe zugesagt werden, wenn das franzosisch-englische Verhaltnis geordnet ist und Frankreich keine Hilfe will. Jayme fordert die Schwester Philipps d. Sch. zur Gemahlin; davon sollen sie unter keiner Bedingung abgehen. Dispens f(ir Jolande und Nanfos von
a) Hier fehlt ein Wort.
') Von hier an bis pagina auch Rasur. Auffallig das vestra.
— 34 —
Kastilien. Bonifaz VIII. soll in stjirkster Weise die Ehe- schliessung Jaymes mit der Infantin von Kastilien verbieten und alle hierauf bezUglichen Eide losen. II. Verhandlungen mit Prankreich: Eheberedung zwischen Jayme und Blanka von Frankreich; Mitgiftfrage; mailorcanische Frage; BUndnis beider Staaten gegen alle, mit ^usnahme der Kirche. III. Art der Verhandlungen: In der ersten Audienz beim Papst sollen sie Jayme wegen seines Nichterscheinens in Ischia entschul- digen und die ^nsichten des Papstes auskundschaften, dann erst mit Frankreich und zuletzt mit Karl II. verhandeln. Beim Fehlen der Franzosen sollen sie dem Papst heimlich alles sagen, nur nicht das Biindnis. In der sizilianischen Frage sollen sle dem Papste willfahren, nur muss vor der Raumung durch Friedrich alles geordnet sein betr. Schenkungsurkunden usw. In der Kreuzzugsfrage genaue Fixierung der Forderungen, ob personliches Erscheinen des Konigs oder Stellung von Schiffen. Die mallorcanische Frage. IV. Instruktion, falls die 6esandten Karl II. und Kardinal Wilhelm in der Provence trafen: Moglichst entgegenkommende Erklarung der veran- derten politischen Lage; Klage (Iber das Vorgehen des Johan- nitermelsters gegen Bonifaz de Calamandrana und Forderung, dass er bei einer Zusammenkunft zugegen sei ; Personalien. V. Kurze latelnische Zusammenfassung. (1295 Ende Marz.)
Aquests son los capitols, quels inissatgers del rey Daragon, qui van a Roma, deven portar ab si e aquels observar en los tractaments de la ])au.
I. Primerament que per alcunes condicions, que son esdevengudes sobrel feyt de Sicilia, les (juals ben saben lo seynor papa e lo rey K., sopleguen los ditz missatgers al dit seynor papa e ])reguen al rey K., que cossenten e vuUen, que en Frederihc aia la fila del rey K. ho sa ueboda per muler, axi com lo rey Darago la dita fila aver devia. Essi en Frederihc avia la dita fila del dit rey K., dou li la gleysa de Roma Cerdeyua ab certa ajuda, que li fa^a, ab que la puscha conquerer, e que en Frederihc tenga la dita terra per la dita esglesia. E en aquest cas donara lo rey Daragon al dit en Frederihc L mill. marches daquels C mill. marhes *),
a) So hier. Ueberhaupt wechselt hier die Schreibweise einiger Ausdriicke stark.
— 35 —
que el deu aver del dit rey K. Essi lo dit eu Frederilic ha per muler la dita neboda del dit rey K., aso ab aquela tot lo seu el dret del emperi. E enaquest cas no sia feyta mencion de (^erdeyna. Mas si lo rey K. teu alcuns lohcs ») del enperi, quels liure al dit en Frederihc. Essi alcuns lohcs non ten, que sia liurat al dit en Frederihc lo princij^at de Tarantol, ho alcuna altra terra per lo rey K. ho per la gleysa, en lo qual logar puscha en Frederihc tenir casa e estar ab sa muler, entro que aya alcuns lohcs conquestz del emperi, en los quals pusca estar ab sa muler e sa casa tener. Enpero lo capitol dels C mill. marhcs quant als L mill., que el rey deu aver, si en Frederihc avia ^erdeyna lio lemperi, sieu en arbitri dels dits missatgers.
Item si tant es, quel rey K. no volgues donar sa tila an Frederihc, parlen los missatgers de la fila del emperador. Essi aquela lo rey K. li dona, aya en Frederihc ab aquela los ditz L mill. marhcs. Essi a neguna daquels no cossen- tira lo rey K., no romandra per allo, quel rey Daragon no fa^a la pau, sal que no sera tengut de retre Sicilia, mas dea- emparara aquela e vedara, que les sues gens noy vagen, aytant con pora segons furs e usau^a de la sua terra. E en aquest cas, sia en arbitri dels ditz missatgers, si podran res aver dels C mill. marhcs. Essi per aventura, 90 que Deus no vulla, eu Fr^derihc lio los Sicilians ho altres persones fahieu coses, per les quals lo rey Daragon no pogues retre Sicilia e los altres logars del regne, los quals el ten, e no volia seguir la volentat del dit rey frare seu ab un dels ditz matrinionis, lo rey Daragon enten, que per a^o la sua pau no romanga, abans la aya beu e complidament el e tot 90, que a la corona Daragon e al comptat de Barcelona pertayn. Mas beu enten lo rey Daragon, que ho clam e quels fa^a mal. Sobre aquest enpero capitol desusdit, si la glesia volia ajuda del rey Daragon e certa, los missatgers requiren sobra^o los missatgers del rey de FrauQa, e con als fer nossi pogues, con lo rey de Fran^a agues pau ho treves ab lo rey Dang- laterra, duran aquela pau ho treva, ho ab volentat del rey de Franga, qui no volgues aver la dita ajuda en aquel ain:
a) So hier. Ueberhaupt wechselt hier die Schreibweise einiger Ausdrucke stark.
— 36 —
lo rey Daragon fas ajuda a messiou de la gleysia per mar de XL galeres sotz la forma, que la deu fer al rey de Fran^a; la qual es contenguda en los seus capitols.
Item requiren los ditz missatgers per nom del rey Dara- gon, que la sor del rey de Franca li sia donada per muler e que aco vulla la gleysa e cossenta. E si obs hi a dispen- sacion, que lay fa^a. E daquest matrimoni los missatgers nos partesquen.
Item sil rey de Frau^a volia fer lo matrimoni de sa sor e fer pau ab lo rey Daragon per si e per K. son frare, e la gleysa el rey K. aquela fer no volien, quels ditz missatgers nostres ab lo dit rey de Fran^a e ab Karles son frare la dita pau fassen. Sal que en Jacme avoncle nostre ni hom per ell no recobre en tota sa vida Mayorcha, mas ben pus- quen venir los missatges als altres tempraments, sal de redit(?) en sa vida.
Item demanen los ditz missatgers dispensaciou de doua Yolant sor del rey Daragon e deu Aufos fil de don Ferrando de Castella, ho dalcuu altre, qui sia ab ela el ter^ grau ho daqui adaval.
Item demanen, quel seynor papa mau, con pus fortmeut puscha, al rey Daragon e al rey de Castella e ala reyna sa muler e a la fila del dit rey de Castella, que uo cossenten al matrimoni que defeyt fo feyt entre lo dit rey Daragou e la dita fila del rey de Castella, ni aquel per carnal ajusta- ment no cousumen, abaus que sabsteugueu per totz temps del dit matrimoni. E quel seynor papa absolva los dits reys els rihchomes e los altres, qui per observar lo dit matrimoni sagrameut e altres fermetatz feereu. E que man als ditz reys, que absolveu totz aquels, qui per rahou del dit matrimoni eren a els obligatz.
II. Aquestes coses, que seu seguexeu, tracten los missat- gers del rey Daragon ab los missatgers del rey de Frau^a.
Primerament parlen del matrimoni del rey Daragou ab la sor del rey de Fran^a, per lo qual matrimoni sapieu ab los ditz missatgers del rey de Fran^a, qual sera lexouar, quel dit rey de Frau^a douara ab sa sor al dit rey Daragon. Enpero sia en arbitri dels ditz missatgers, quant ne peudran per lo dit exouar.
— 37 —
Item demanen e requiren los ditz missatgers Daragon als missatgers del rey de Fran^a, quel dit rey de Fran^a nos deya entremetre del feyt de Mayorcha. Enpero si entremetre sen vol, lo rey Daragon per honor del rey de Franga ne fara jutgar son avoncle, axi con seynor deu fer vassal. E que dals lo rey de Frau^a ni los seus sen pusquen per nul temps entremetre.
Item tracten confederacion ab los missatgers del rey de Fran^a entre lo rey Daragon e lo rey de Fran^a, axi ques valen la un alautre contra totes persones, de qualque condi- ciou sien, exceptada la gleysa de Roma, e que la un no fees mal alautre per neguna persona, de qualque lig, estament ho condiciou sia.
Item quel rey de Fran^a no reeba ni acuUa en sa terra alcunes gens del rey Daragon contre volentat sua, ni lo rey Daragon no fa^a semblant cosa contra lo rey de Fran^a.
Item enten lo rey Daragon, que totes les coses tractades entre el e lo rcy K. en la pau tractada per els, sien ferma- des e complides ab aquels , . . taut les coses que toqen a la glesia e al rey de Fran^a e al rey K. quant daqueles, que toquen a Karles frare del rey de Fran^a.
III. La primera cosa, quels missatgers deven dir al papa en la primera proposicion, que faran, sia la resposta de la missatgeria dels missatgers de papa Celestin, e la escusa, per que lo rey Daragon no pohc anar a Yscla ni a altres partz ni exir fora sa terra,
Item parlen los missatges del rey Daragon ab lo papa en tal guisa, que en lo primer parlament pusquen sentir e conexer alcuna cosa de sa volentat. E pux parlen ab los missatges del rey de Fran^a e depux ab lo rey K., sil seynor papa ho consela.
Item si los missatges del rey de Fran^a no eren en cort e eren certz, que noy deguessen esser: ho era dupte, si ven- drien ho non : en cascun daquestz cases los missatgers parlen ab lo papa en secret e que li diguen lo tractament del rey de Fran^a, excepta de la confederacion e de la valeu^a, que la un alautre deu fer.
Item si per aventura lo papa volia, que, quant a ara sobre segueix la pau, enteneu reteuir Sicilia al domini de la gleysa
— 38 —
diguen los missatgea, quel rey deu retre Sicilia a la gleysa e axi es eu sa man de fer ue so, ques vuUa.
Item es enteniment del rey, que, abans que el agues a partir desta terra per anar endur en Frederic, que lixas Sicilia, si a levat lentredit e feyta la absolucio e la revocacion de la donatiou dels regnes, e aya cobrades lo rey les cartes desta rahon ieytes e les cartes de la dita donation feyta al rey de Fran^a he a Karles son fll e qualque persons altres, qui ayen lohc daquel, e el rey retra los ostatges e fara lo dit matri- moni,
Item sil papa volia, quel rey Daragon estes en oltramar I ayn per restaurar la terra, atorguen ho los missatgers, . . . si douches lo rey Daragon guerra no avia ab Christians, ab que la glesia li douas messiou per . . . *) galeres e per mill cavals armatz, axi que agues lo rey XXX mill. sol. torn. per galera de IIII meses e mill. sol. dacorriment per caval armat e X. sol. de sou cascun dia per cavaler. Eupero venguesseu los missatges a L galeres e a D cavals armatz. Essi no vo- lieu, quel rey ho auas, mas que a mession de la gleysa quey trameses 1. quantitat de galeres, atorguen ho de XX a XXX galeres.
Item si volien, que passatge general se fees e quel rey Daragon hi anas, que ho atorguen los missatgers, fahen la gleysa al rey Daragon 90, que covinent cosa fos, no aven lo dit rey guerra ab Christiaus.
Sobrel capitol, qui parla, quel rey de Franca nos deya entremetre de Mayorcha, feu lo seynor rey aquestz enadi- ments *).
Auf einer PergamentroUe. Gleichz. Kop. sin clasiticar. Auf dem Riicken gleichzeitig: Capitula super tractatu pacis in curia Romana.
IV. Ordenat fo per lo seynor rey, que, sil rey Karles es partit de cort de Roma per veuir a les partides de la fron- tera de la terra del dit seynor rey, quels missatgers fassen
a) Hier fehlt ein Wort, das die Zahl der Galeeren angibt.
') Zunachst konnen die Gesaudten zugestehen, dass zu Lebzeiten seines Onkels Jayme Mallorca an Aragonien nicht zm-uckgeben wird; sein Erbe kann es dann als Lehen vom Konige von Aragonien nehmen. Eventuell sollen sie aucli unter Bedingungen die Ruckgabe an Jayme von Mallorca zugestehen.
— 39 —
lur poder, ques vegeu ab el e encara de saber ardit dels mis- aatges del rey de Frau^a ^) . . . E que lo rey Karles ... los requerra, que els sen tornassen . . . diguen els, que uo tan solament anaven al Papa per rahon de la pau, mas encara per fer reverencia a aquel, hon preguen lo dit rey Karles el cardenal, que trameten lurs cartes al seynor papa escusan lo rey Daragon e sos misatges . . .
Menbre als missatges, que, cou proposaran denan lo rey Karles e li diran les innovacions e mudacions, ques son co- vengudes a fer en los fetz per les pus amoroses paraules, que fer o poran, o digen.
Item que axi al papa con al rey Karles digen lo despa- gament, qel rey Darago ha aut de 90, qel maestre del Espital ha fet contra frare Bouifaci ^), frare Bonifaci estant e tre- ballan tant en aqestz afers, e que supliquen al papa e pregen lo rey Karles, qe ells en tal manera fassen sobre aqest fet, (jue ell los aja que grair.
Item que tant al papa con al rey Karles requiren e de- ma-nen per part del rey Darago, que, si vista ha a esser dels reys, qel rey Darago re(jer, que lo dit frare Bonifaci hi sia e encara, si altres tractadors devien venir en a(jestes partz per aqestz fetz, (|el dit frare Bonifaci ne sia I.
Item pregen lo Papa, (|ue vuUa e concenta, qel bisbe de Valencia sen pus^ja venir a son bisbat, per so cor es gran obs al bisbat.
Item tracten los misatges la dispensio del infant en Pere e de dona Guillerma ^).
Gleichz. Kopie Pap. o. Nr.
V. Ista, que secuntur, portabunt nuncii ad curiam Ro- manam.
Primo requisicio facienda per nuncios regis Aragonum de contrahendo matrimonio inter ipsum legem et sororem regis Francie.
Item matrimonium domini Frederici cum filia regis Karuli.
Item condicio, quam petit super facto Sicilie et Calabrie et aliorum locorum regni.
') Das Folgende inhaltlich auch in den anderen Instruktionen. *) Was mit Bonifaz geschehen, wissen wir nicht. Vgl. auch oben. ^) Vgl. Muntaner c. 183. Guillerma von Moncada.
— 40 —
Item factum Maioricarum.
Item dispensacio sororis regis Aragonum in tercio gradu et inferiore.
Item petent nuncii regis Aragonum, quod dominus papa precipiat, sicut forcius poterit, regi Aragonum, regi Castelle et regine uxori eius et filie regis Castelle, quod non conssu- ment matrimonium contractum, quantum in ipsis est, inter regem Aragonum et predictam filiam regis Castelle, et quod abstineant iu perpetuum a matrimonio sic contracto. Et quod absolvat supradictos reges et uobiles et alios, qui pro obser- vando dicto matrimonio sic contracto se obligarunt, a sacra- mento super hoc prestito. Et quod precipiat supradictis regi- bus, quod absolvant omnes illos, qui pro observando dicto matrimonio sic contracto suut eis obligati.
Gleicliz. Abschrift Perg-. Die aragonesischen CTesandten waren Guilabert de Crudiliis, Guilelmus Durfortis, Petrus de Costa und G. Gal- vayn. Sie kamen Ende Marz 1295 an die Kurie. Ueber die grosse Umwalzung in der Politik Jaymes II. vgl. Rohde S. 117 tf. Philipp d. Sch. hat ihn. sein Heer und seine Flotte im englischen Kriege notif> und so kommt er mit Anerbietungen. Der Aragonese ist Ende 1294 nicht nach Ischia gekommen, wo ihn Karl II. erwartete und hat nicht mit diesem, sondern dem f ranziisischen Konig verhandelt. Er will nicht mehr Karls Tochter sondern Philipps Schwester. Von diesem Gesichts- punkte aus muss Jaymes matte Stellung zu Friedricli, Sizilien und auch Mallorca erklart werden. Die franzosisch-aragonesischen Verhandlungen wurden Ende 1294 in Barcelona gepflogen. Daruber liegt folgende (undatierte und unnumerierte) gleichzeitige Aufzeichnung vor, die schon einer zweiten Gesandtscliaft entstammt.
Tenor tractatus inter illustrem dominum Jacobum regein Aragonuin ex una parte et P. Carcaconenseu) episcopum ac magistrum G. de Caritate succentorem Aurelianensem, nuncios illustris domini regis Frnncie, ex altera.
Consentit idem rex Aragonum, quod sororem regis Francie habeat in uxorem.
Iteni dotabit eam de sex^) milibus libr. Turon. in redditibus annuatim in locis infrasciiptis, videlicet in civitate Dertuse et in villa Seruarie. Et ista duo loca sunt sita in Catalonia. Item in villa Calataiubii cum castris et villis spectantibus ad illam villani. Et iste locus est situs in regno Aragonie. Item in Morella cum locis et villis ad dictum locum Morelle
') In Rom wurden daraus acht.
— 41 —
spectantibus, iteni in Mureveteri, in Algesira, in tabula penssi civitatis Valencie. Et ista loca sunt in regno Valencie. Et ad summam predictam sex milium libr. addet idem rex Ara- gonum tantum de gracia, quod rex Francie erit inde paccatus. Si videatur nimis disperssa hec assignacio, auditis racionibus per regem Francie, quas idem rex Aragonum super hoc dicet, si regi Francie placuerit, tirmato matrimonio tiat assig- nacio tocius dotis in Catalonia in convencioribus locis.
Concedunt nuncii, voluntate domini pape et regis Karuli retenta, quantuin ad matrimoninm.
Item petit idem rex Aragonum dotem sibi dari cum pre- dicta domina XX milium marcliarum argenti.
Post aliquein tractatum consensserunt nuncii usque ad decem milia libr. Turon., de maiori quantitate deliberabunt cum rege Francie.
Item ofert idem rex Aragonum regi Francie subcidiura XL galearum annatarum cum admirallo suo et gentibus suis in hunc modum: quod rex Francie pro quatuor menssibus ministret LX milia libr. Turon. Et si ulteriori tempore rex Francie predictus voluerit dictas galeas, possit eas babere per duos mensses ultra predictos quatuor mensses, quia in genere galee non possent tute uavigare. Verumtamen rex Francie ministret pro dictis duobus mensibus XXX milia libr. Turon, extunc et sic deinceps quolibet anno durante gerra presenti.
Responderunt nuncii, quod quantum ad summam quanti- tatis predicte et quantum ad numerum galearum loquentur cum rege Francie.
Item rex Francie mitat nuncios suos ad curiam Romanam. Et idem rex Aragonum mitet suos nuncios ad eandem curiam, qui nuncii habeant plenum posse firmandi et conj^lendi pacem tractatam inter eundem regem Aragonum et regem Karulum in vistis preteritis, quantum ad unumquemque eorum regis Francie et regis Aragonum et Karulum fratrem regis Francie pertinet cum addicionibus et mutacionibus, quos nuncii regis Francie et dicti regis Aragonum portabunt. Que sunt iste:
Matrimonium prelocutum dicti regis Aragonuui cum sorore regis Francie et nuncii dicti regis Aragouum requirant ipsum matrimonium a domino papa et a rege Karulo de ipso et
— 42 —
sorore regis Francie predicta et instabuut erga eos, quod dicto matriinonio consenciant.
Confederacio regis Francie et dicti regis Aragonum.
Subsidium galearum.
Et quod rex Francie non recipiat liomines dicti regis Aragonum coutra voluutatem suam. Nec idem rex Aragouum recipiat homines regis Francie coutra voluntatem suam.
Gleichz. Ausfertigung-. Perg. Vielleicht Zerter. Auf dein Riickeu: Super matrimonio doraine regine Blanche. Auf einem besonderen g;leieh- zeitigen Pergamentblatt werden von aragonesischer Seite eine .\nzahl Fragen iiber die Flotte, die Admirale, die Zeit der Fertigstellung, der Dauer des Feldzuges, das eroberte Land betr. beantwortet. Z. U. Priori capitulo respondit dom. rex, (luod in una galen ilnmt X nauclerii, X proderii et XXX balistarii. Et sic inter hos supradictos et alios. tjui in dicta galea ibuut, erunt CXXX homines usw.
In Rom haben die franziisischen Gesandten zunachst mit den ara- gonesischen eine Reihe von Vereinbarungen getrofFen, die in einer franzosisclien Fassung — das ergibt sich aus der Stelle: ex parte nobilis viri domini Jacobi quoudam nati Petri — in Barcelona (gleichz. Kopie, unnumeriertj vorliegen. lch gebe einige Siitze diese.s: i)acis ac concordie tractatus est habitus in eadem Rom. curia . . .
Concordant, videlicet nuncii parcium i^redictaruin, (|U()d doni. re.v Francie sororem suam doni. Blancham ipsi dom. Jacobo dabit in uxo- rem. Et cum ea decem milia lib. Tur. parvorum seniel sohenda.
Concordant, (luod d. dom. Jacobus eandem dorainam Blanchani accipiet in uxorein et eam dotabit de octo milibus libratis terre redditus annui bene et competenter et in locis competentibus in terra Catlialonie assignandis . . .
Joncordant, (juod d. dom. Jacobas per se vel per suos iion iuva- bit aut faciet iuvare regem .Anglie vel valitores siios in ipsa guerra, tjuam movit dictus rex Anglie contra d. dora. regem Francie.
Et si ali^iui de terra sua contrariiini facerent, ipse Jacobus obviaret et resisteret eis . . .
Item concordant, (|Uod ad re(|uisicionem d. dom. regis Francie pro guerra ista . . . d. dom. Jacobus faciet eideiii doniino regi Francie sub- sidium (juadraginta galearum armatarum . . .
So weitere 15 Punkte. zuletzt das val Darau,
Gleichz. Abschr. Perg. ohne Nr.
21. Instruktion Jaymes nach Empfang eines Briefes Bonifaz VIII. an seine 6esandien. Bereitwilligkeit KarlsTochter zu heiraten unter den Bedingungen: keine kriegerische Einmischung seiner- seits in Sizilien; keine Rilckgabe der Kastelle; 50 000 M. Heiratsgut; kein BUndnis mit Erankreich, nur Freundschaft;
— 43 —
Besichtigung der Prinzessih; Betonung seiner Nachgiebigl(eit
dem Papst gegenUber; alles das nur, wenn das franzosische
Btindnis unmoglich ist. (Mai 1295.)
Par al seyor rey aveu esguart als fets e a la carta '), que li es venguda novellament del papa, quels seus missatges fassen cumplidament lur poder, quels matrimonis e la pau, la qual lur fo donada a Barchelona '), se conplesqen, Pero si per voleutat del papa o per altres accidens asso fer nos pudia, els era parlat del primer matrimoni, so es de la filla del rey Karles, par al dit seyor rey penssan al obs, que ell ha' la pau, qes deja fer lo matrimoni de la filla del rey Karles ab aqelles condicions, que dejus se seguexen.
Primerament qel rey Darago no sia teugut del fet de Sicilia, sino encara (jue la desenpar e que vet a ses gens, que no hi vajeu, aytant con pora, segons fur e usansses de sa teira. Be prometra en sa bona fe, que ell enduira son frare, aytant cou pora, que fassa lo matrimoni de la naboda del rey Karles, (jue conplesqa la pau, axi con tractada era.
Item si el rey Karles demanara en aqest cas, qel rey Darago retes aqells castells, que te en Sicilia, responen los uiissatges, qe, si lo rey Darago o feheya, cauria en so que vol esquirar, que romandria en gerra ab son frare e ab los Sicilians e ab lo rey de Castella e eu suspita del rey de Franssa e encara, que uon puria retre cor 1, (jui es riba mar, qels altres son dins terra.
Item que en lo fet de Malorches sia la 1 dels tempra- mens lo mellor, que averne poran.
Item (jue lo rey Karles do a sa filla L millia marchs o daqui en pus a lur arbitri.
Item qes guarden, que en aqest cas lo rey Darago no fassa valensa neguna al rey de Franssa, mas be sera sou amic.
Item que vegen la donzella.
Item que si aqest matrimoni se fa, qe u meten en gran servei al papa, dien que per son manament e per son couceil
') Doch nicht der Brief vom 5. Marz, sondern ein unbekanntes Schreiben.
*) Vgl. Anm. zu vor. Nr.
— 44 —
o fa lo rey Darago, que daltra guisa no u faria, dien les condicions, que sobre asso se poden dir,
Item que ajen la dispenssacio de la sor del rey Darago e de Nanfos de Castella.
Item si el fet venia eu departiment, qel rey de Franssa volges cunplir lo seu tractament e que lesgleya e el rey Karles no u volgessen e lesgleya e el rey Karles volien cunplir lo tractament del rey Karles ab les condicions desus dites, e qel rey de Fransa no u. volges: que faessen aqell, ab que lesgleya se tenges, axi eupero que lesgleya fees totes aqelles segurtats, que fer se pogesseu, que per la donacio dels regnes feta al rey de Franssa don no poges venir al rey Darago ne als seus per lesgleya ne per favor ne per ajuda sua e que en aqest cas del fet de Malorcha ne parlen daltra guisa, mas que sestia, axi con vuy sesta.
Item enten lo rey Darago, que destes coses desus dites no parlen, sino con fossen desesperats, quel tractament del rey de Franssa nos poges fer.
Gleichz. Kopie Pap. o. Nr. Der voUige Uraschlag in der Politik Jaymes ist durch ein papstiiches Schreiben hervorgerufen. Genau iSsst sich, da dieses unbekannt, die Zeit nicht bestimmen, wahrscheinlich ist aber Ende April oder Mai die Instruktion ausgestellt. Vgl. Rohde, S. 136 ff. In den Pergaminos Jayme II. Nr.' 522 bekunden dle Prokura- toren: se predictam dominam Blancam vidisse ipsamque placidam fore ipsis. 1295 Juni 20.
22. Bonifaz VIII. an Jayme II.: Jubel ilber seine RUckkehr zur
Klrche. Freudentranen vergossen die PrSlaten im Konsistorium.
Ermahnung zum Pesthalten. Anagni 1295 Juni 22.
Bonifatius episcopus servus servorum Dei Jacobo nato quondam Petri olim regis Aragonum spiritum consilii sanioris. Gaudet sancta mater ecclesia renascentis filii conversione iocunda, exultat et merito letanter attendens se dragmam deperditam invenisse publice ac iugentis leticie rore perfundi- tur, dum ruinas, quas quondam Petri olim regis Aragonum patris tui ad orbis scandalum tumultuosa commotio pertulit tuaque continuatio aggregavit iu culpam, impleri in tuura aliorumque tuorum sequacium reditum ad ipsius ecclesie uni- tatem sine stragis cuiusque periculo solo pacis auctore previo intuetur. Exultamus et nos pastoris, prout domino placuit.
— 45 —
vices gerentes in ea. Exultamus et merito in illo vero pa- store, qui animam suam ponere pro suis ovibus non expavit, de cuius munere firmiter provenisse supponitur, ut ovis, que perierat, sit inventa et revixerit filius, quem mors anime, mors utique gravior, occuparat. Occurrimus itaque tibi de regione dissimilitudinis redeunti, coUo tuo brachiis paterne affectionis accumbimus et te solide caritatis osculo pressius osculamur. O utinam, fili, tibi pateret ad plenum, quantus fuerit in ecclesia iubilus, cum in consistorio publico insinua- tus extitit exhibitus tue devotionis affectus ad ipsius, unde olim recesseras, matris ecclesie unitatem. O si verba bene- dicentium domino et nomen eius laudantium precipue prela- torum in tuis sonuissent auribus et revelata facie ipsorum oculos deducentes lacrimas inspexisses ! Profecto prudenter adverteres, quod erant tam excussi doloris indices quam adepte leticie proditrices. Exulta igitur et tu, fili, exulta et letare